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Begrifflichkeiten

Verfasst: Di 28. Mär 2017, 23:10
von Folke Prill
Liebe "studierte" Archäologinnen und Archäologen!

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und auf ein zwei Dinge eingehen, die mir hier aufgefallen sind. zum Ersten ist das eine Begrifflichkeit, zu der ich mich nun doch äußern muss!

Der Duden sagt darüber:
Fußvolk - (spöttisch) [bedeutungslose] Masse der Angehörigen einer Organisation o. Ä. im Gegensatz zur Führungsspitze

Sollte nicht jeder "studierte" Archäologe ob weiblich oder männlich dem hier genannten Fußvolk Respekt zollen? Denn sind es nicht die Grabungshelfer, Grabungsarbeiter oder Techniker/ Assistenten, die nicht die Möglichkeit hatten Archäologie zu studieren, die Ihnen durch Ihre Arbeit ermöglichen, die dadurch gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse auszuwerten und sich damit als ArchäologInnen in der Fachwelt einen Namen machen zu können? Ist es nicht das sogenannte Fußvolk, dass durch seine Arbeit eine Ausgrabung zum Erfolg bringt?

Ich darf mich glücklich nennen, dass ich in einer Grabungsfirma arbeite, wo ich als, zwar nicht unstudierter, Autodidakt in Sachen Archäologie Tätiger mit Respekt und Achtung behandelt werde, wo nicht der Abschluss, sondern das Können und Wissen zählt.

Liebe Kollegen ich denke, ohne das "Fußvolk" würde auf einer Grabung nicht viel passieren! Es sind alles unsere Kollegen.

Die zweite Sache, ist die. Bevor ich hier zu schreiben begann, las ich mich in die verschiedenen Themen ein. Dabei stellte ich mir häufiger die Frage, ob ich hier auf einem archäologischem Fachsymposium bin, oder ob es um eine Diskussion um die Zukunft aller in der Archäologie Beschäftigten geht. Als Gesellschaftswissenschaftler lernte ich, dass ich um Menschen zu erreichen, es ihnen am besten in ihrer Sprache vermitteln sollte. Um es mit Luther zu sagen: "Dem Volk auf's Maul geschaut..." Natürlich können sich nicht alle 2500 (Wenn die Zahl stimmt) Beschäftigten in der Archäologie hier beteiligen, wie Diane Scherzler richtig sagte. Doch fände ich es toll, wenn auch Nichtakademiker der Diskussion verbal folgen könnten und dadurch zur Teilnahme annimiert würden.

Mit freundlichen Grüßen
Folke Prill
Einer vom "Fußvolk"

Re: Begrifflichkeiten

Verfasst: Mi 29. Mär 2017, 08:03
von Michaela Schauer
Lieber Herr Prill
Hmm, Ihre Wahrnehmung finde ich sehr interessant. Ich habe die Bezeichnung 'Fußvolk' bisher als eher 'liebevollen' Begriff, als Sammelbezeichnung für alle nicht-arrivierten Archäologen verstanden sprich alle die nicht in 'sicheren' Positionen in Ämtern, Museen, Universitäten etc. sitzen, ohne, dass ein Unterschied zwischen studiert und nicht-studiert besteht. Ich persönlich fühle mich auch dem Fußvolk zugehörig und fand den Begriff bisher praktisch, um die Unterscheidung zwischen Arrivierten und Nicht-arrivierten ('Fußvolk') jeweils in einem Wort ausdrücken zu können :mrgreen:

Es stimmt mich allerdings sehr bedenklich, das Sie völlig recht haben, dass man den Begriff 'Fußvolk' auch anders verstehen kann. So habe ich das bisher nicht wahrgenommen - also vielen Dank für diesen Hinweis!

Ihre Bitte um eine allgemein verständliche Ausdrucksweise kann ich nur unterschreiben!

Liebe Grüße

Re: Begrifflichkeiten

Verfasst: Mi 29. Mär 2017, 13:03
von Jadzia Dachs
Lieber Folke,

Nicht im Lexikon zu finden:
Fußvolk - (humorvoll) Masse an hochschulabsolvierten und promovierten ArchäologInnen auf dem Arbeitsmarkt im Zeitalter des Neoliberalismus

;) Dax

Re: Begrifflichkeiten

Verfasst: Do 30. Mär 2017, 00:05
von Jasmin Rauhaus
Ich persönlich möchte mich hier Michaela Schauer anschließen, da ich es ebenso empfunden habe. Auch ich zähle mich zum "Fußvolk" - ohne zwischen studiert und nicht studiert zu unterscheiden. Ganz ohne Frage stellen die von Herrn Prill als "Fußvolk" zusammengefasste Gruppe wertvolle Mitarbeiter und Kollegen da. Wir müssen hier sehr vorsichtig sein, dass wir nicht aneinander vorbei reden oder gar große Missverständnisse entstehen, die dem Gelingen eines konstruktiven Austauschs im Wege stehen.

Re: Begrifflichkeiten

Verfasst: Di 6. Jun 2017, 07:10
von NetterMillionär
Hallo,

Auch ich vermisse hier die Stimmen von so vielen, deren Kompetenz nicht zu unterschätzen ist: Die Stimme des Fußvolkes. Es scheint mir auch ein bisschen zu hoch und ein bisschen zu schwierig verständlich argumentiert zu werden und der Anspruch, dass hier jeder teilnehmen darf nicht vollumfänglich, gänzlich gegeben, da es im Laufe der Diskussion so gut wie gar nicht zum Einschalten von einfacheren Stimmen kam? Schade, bisher hat sich kaum etwa ein quereinsteigender Koch oder Gartenlandschaftsbauer oder Handwerker, als solches erkennbar an unakademischem Deutsch, zu Wort gemeldet. Oder wie erklärt sich die etwas unrege Teilnahme von knapp über 200 Teilnehmern hier, wo es doch um so immens wichtige Dinge geht?
Ich bin wieder einmal froh: Zum Glück habe ich mal studiert und sehe, was hier passiert. So fußt der Ehrenkodex der beiden Tagungs-Veranstalter (WSVA und DGUF) nicht explizit gut erkennbar auf der Ethik des Deutschen Grundgesetzes, z. B. Artikel 3 (Chancengleichheit zwischen Mann und Frau u. a.) oder Artikel 5 (Meinungsfreiheit). Auch in diesem Forum wurde über Ethik relativ wenig berichtet, die aber letztendlich die Grundlage von fairen Betrachtungen bildet.

Nachzulesen hier: Ehrenkodex-"Ethische Grundsätze für archäologische Fächer" vom West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V. (DGUF)
http://www.wsva.net/fileadmin/wsva/doku ... _659_1.pdf

Grundgesetze
https://www.bundestag.de/parlament/aufg ... _01/245122

Dort im Grundgesetz ist vor allem z. B. in Artikel 3 und 4 einiges an Menschenrechten in Deutschland geregelt, von denen im genannten Ethikkodex nicht besonders bis eigentlich verschwindend gar nicht viel steht. An so ziemlich alles wurde gedacht, aber daran nicht. Auch scheint es nicht für nötig gehalten worden zu sein auf verbindlichere, bestehende Denkmalschutz- und Denkmalpflegegesetze noch einmal konkret hinzuweisen und sich diesen zu unterstellen. Der ganze genannte Ethikkodex steht juristisch also fernab von bestehenden Gesetzen, ist also sehr weit dehnbar und kaum zwingend bindend.
Es gibt Satzungen, wo die Grundgesetze oben stehen oder wenigstens Erwähnung finden und dort klar erkennbar ist, das man solche Errungenschaften der "Demokratie" verstanden hat, nicht ignoriert und sie sogar versucht weiterzuentwickeln.

Freundliche Grüße
NetterMillionär