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3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Hier möchten wir folgende Fragen behandeln: Wo gibt es außerhalb der Archäologie wertvolle Modelle und Erfahrung zum Thema Berufsverband? Qualitätssicherung durch Zertifizierung oder Selbstverpflichtung auf einen Kodex? Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Soll das Anliegen Berufsverband als Fachausschuss beim DVA weiterentwickelt werden?
Das Forum ist abgeschlossen, die Beiträge können jederzeit gelesen, aber nicht mehr kommentiert werden.
Folke Prill
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Folke Prill » Di 30. Mai 2017, 07:07

Hallo "Netter Millionär",
Leif Steguwalt hat sich zweimal persönlich - meiner Meinung nach - kompetenten Rat eingeholt. Die Art und Weise seiner Schilderung der Gesprächsergebnisse in ihrer kurzen und prägnanten Form hinsichtlich der Machbarkeit und Sinnhaftigkeit einer Kammer für Archäologen hat mich sofort begeistert, weil auch ich überzeugt bin, dass die Architekten gewußt haben müssen, was sie da ehemals für eine Verbandsform gewählt haben. Zu lesen, dass diese Verbandsform nach jahrelanger Erfahrung funktioniert und weiterempfohlen wird an die Archäologen, freut mich. Ich persönlich finde seinen Beitrag einfach sehr gut und weiterverfolgenswert.
ich bin jemand aus dem "Niedriglohnsegmemt", dass Sie hier nach eigener Aussage ja vertreten. Da Sie hier nun als Befürworter der Archäologenkammer auftreten, wie Herr Steguweit auch, bitte ich nun Sie, mir meine schon an Herrn Steguweit gestellten Fragen zu beantworten. Herr Steguweit blieb mir die Antworten leider schuldig.

Mit freundlichen Grüßen
Folke Prill
Last edited by Michaela Schauer on Di 30. Mai 2017, 09:45, edited 1 time in total.
Grund: Zusammenfügen von zwei Beiträgen
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon NetterMillionär » Di 30. Mai 2017, 11:58

Lieber Folke Prill,

also ich nehme jetzt Bezug auf Ihren Beitrag, dass Sie daraufhin mit einem Architekten telefoniert haben und sich danach immer noch fragen, was die Kammer für Vorteile bringt und weisen mit Nachdruck auf die Kosten bei den Architekten mit 1.000 Euro hin. Nun, also es gibt viele, viele Kammern vom Handel über Industrie bis hin zu Handwerkern. Ich kann mir nun nicht vorstellen, dass die alle 1.000 Euro Jahresgebühr zahlen müssen, oder? Ich finde ihr Gegenargument der vermeintlich hohen Kosten also auf falsche Pfade führend. Auch ist man Hausherr einer Kammer-im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften kann man also alles bzw. vieles selber regeln haargenau auf die Bedürfnisse der Archäologie und Nachbardisziplinen angepasst. Eine Kammer sieht die Mitgliedspflicht vor und Wahlpflicht: anders können sie diesem Getümmel in der Archäologie gar nicht beikommen. Einen weiteren schwachen Berufsverband neben bereits bestehenden, der einfach 100 Euro kostet, aber überspitzt gesagt nur 20 Euro reinbringt, also unwirtschaftlich ist, braucht niemand. Es muss endlich einen Verband geben für alle und zwar VOR ALLEM für die Schwachen. Es darf einfach nicht sein, dass sich die Archäozoologen schonmal als verband zusammentun mit ca. 20 Mitgliedern und ihre Preise absprechen; ist ja sehr schlau und löblich, Respekt (da funktionierts komischerweise mit 25 Euro Jahresbeitrag, dass alle einen fairen Lohn bekommen!!!!). Wenn zwei im Boot schonmal sich ein größeres Stück von der Geburtstagstorte nehmen ist erfahrungsgemäß nämlich nicht mehr soviel übrig für die anderen. Deswegen bin ich auch absolut gegen einen freiwilligen Berufsverband, weil er andere, die unabhängig bleiben wollen und ihre Löhne schon jetzt fair gestalten zum Beispiel benachteiligen könnte; diese Verbandsform spaltet also durch Freiwilligkeit.

Die Architektenkammer wird man ohnehin nicht drumherumkommen, die haben viel Erfahrung mit Selbständigen, wo ich das größte Problem sehe, die gerecht zu behandeln!
Also um es mal überspitzt zu sagen und das hat nix mit Sarkasmus zu tun: Der Staat (die Länder) outsourced einen beträchtlichen Teil der Archäologie und konfrontiert die Archäologie mit der freien Marktwirtschaft (die unbarmherzig, absolut rein kapitalistisch funktioniert). Nun stellt man fest: Kapitalismus hat so seine gravierenden Schwächen und zwar ausgerechnet darin, dass viele gar nicht zu Kapital kommen! Nun sucht man nach einer Institution, die die freie Wirtschaft reguliert, sie kontrolliert: einem Verband, der illegale Preisabsprachen zum Beispiel rechtlich umschifft. Ich finde man darf sich solcher Vorgänge und Zusammenhänge ruhig bewusst sein.

Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.

Schöne Grüße
NetterMillionär

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon MaryJane » Di 30. Mai 2017, 12:07

Die Fragen dürften gemeint sein. Ich fand die sehr gut. Antworten gab's nicht.

Gruß, MaryJane
[...]
Wie hier ja inzwischen jeder weiß, sind Sie überzeugter Verfechter der Archäologenkammer, gebildet aus studierten Archäologen, als Entscheidungsgremium zur Verbesserung der Verhältnisse in der Archäologie.
[...]
Fakt ist erstmal eins. Das von Ihnen vorgeschlagene Kammersystem führt zu einer eindeutigen Spaltung der Beschäftigten in der Archäologie, um es einmal für jeden verständlich bildhaft darzustellen, es wird geteilt in die studierten Archäologen, die Entscheiden darf, nennen wir sie Archäologenkaste und alles was zwar in der Archäologie arbeitet und damit für den Erfolg der studierten Archäologen mit Verantwortung trägt, nennen wir sie Arbeiterkaste.

Als jemand aus der Arbeiterkaste nehme ich Bezug auf folgende von Ihnen getätigte Äußerung:
´...
Und noch eine Bemerkung aus unternehmerischer Sicht: Wenn die Stundensätze für die fachliche Leistung stimmen (die Leistung der Archäologen), dann wird auch das nichtakademische Personal in einer guten Firma anständig bezahlt. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Daher bringt es natürlich was, eine Gebührenordnung für selbständige Archäologen zu etablieren mit Auswirkung auf das gesamte Fach.

Grüße, LS
Dazu folgende Fragen:
Wie wollen Sie durch eine Archäologenkammer erreichen, dass jeder Archäologe seine Arbeiter angemessen bezahlt und das nicht nur nach gutdünken, sondern mit einem für alle gültigem System?
Wie wollen Sie in der Archäologenkammer durchsetzen, dass Unternehmer in der Archäologie nur studierte Archäologen sind? (Ich kenne auch Grabungstechniker, die eine Firma mit Angestellten betreiben)
Wie wollen Sie in der Archäologenkammer die Interessen der "Arbeiterkaste" etablieren, ohne dass diese dort Vertreter, geschweeige denn Stimmrecht hat?
Wie wollen Sie erreichen, dass es in einem marktwirtschaftlichem System nicht um Gewinnoptimierung, sondern um das Wohl aller in der Archäologie und Nebendisziplinen geht und die eigenen Interessen der studierten Archäologen dadurch zurückgestellt werden?

Bitte beantworten Sie mir meine Fragen und oder bringen Argumente, die mich davon überzeugen, dass die von Ihnen angestebte Kammer meinem Wohl und gutem Auskommen dient, ohne dass ich dort eine Stimme habe.

Mit freundlichen Grüßen
Folke Prill

Noch ein Nachtrag:
Auch ist man Hausherr einer Kammer-im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften kann man also alles bzw. vieles selber regeln haargenau auf die Bedürfnisse der Archäologie und Nachbardisziplinen angepasst.
Das ist eben nicht so, die Gestaltungshoheit wird an den Gesetzgeber abgegeben. Bitte weiter vorn in diesem Thema bei raykarl und falknaeth nachlesen, was das bedeuten kann.
Last edited by Diane Scherzler on Di 30. Mai 2017, 13:40, edited 1 time in total.
Grund: Zwei aufeinander folgende Beiträge zu einem zusammengefügt.
Wenn Du willst, was Du noch nie hattest, dann tue, was Du noch nie getan hast.

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Folke Prill » Di 30. Mai 2017, 13:15

Lieber Folke Prill,

also ich nehme jetzt Bezug auf Ihren Beitrag, dass Sie daraufhin mit einem Architekten telefoniert haben und sich danach immer noch fragen, was die Kammer für Vorteile bringt und weisen mit Nachdruck auf die Kosten bei den Architekten mit 1.000 Euro hin. Nun, also es gibt viele, viele Kammern vom Handel über Industrie bis hin zu Handwerkern. Ich kann mir nun nicht vorstellen, dass die alle 1.000 Euro Jahresgebühr zahlen müssen, oder? Ich finde ihr Gegenargument der vermeintlich hohen Kosten also auf falsche Pfade führend. Auch ist man Hausherr einer Kammer-im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften kann man also alles bzw. vieles selber regeln haargenau auf die Bedürfnisse der Archäologie und Nachbardisziplinen angepasst. Eine Kammer sieht die Mitgliedspflicht vor und Wahlpflicht: anders können sie diesem Getümmel in der Archäologie gar nicht beikommen. Einen weiteren schwachen Berufsverband neben bereits bestehenden, der einfach 100 Euro kostet, aber überspitzt gesagt nur 20 Euro reinbringt, also unwirtschaftlich ist, braucht niemand. Es muss endlich einen Verband geben für alle und zwar VOR ALLEM für die Schwachen. ...
Sie nehmen eine von mir gemachte Äußerung, die lediglich als Nachtrag zur Antwort von Herrn Steguweit, der Vollständigkeit halber, gemacht wurde und reißen sie damit komplett aus dem Kontext. Kann man machen, sollte man aber nicht, wenn es um eine seriös und ernsthaft geführte Debatte zum Thema gehen soll. Bisher sind Sie die geforderten Argumente und Antworten ebenfalls schuldig geblieben und wiederholen lediglich in anderer Form das von Herrn Steguweit schon geäußerte.

Mit freundlichen Grüßen
Folke Prill
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon NetterMillionär » Di 30. Mai 2017, 14:37

Leibe Kollegen,

Natürlich ist es in gewissem Sinn 'leichter', eine berufsständische Qualitätssicherung auf gesetzlichem Weg zu erreichen, z.B. indem man ein Archäologenkammergesetz schafft. Da muss man ein Parlament bzw. einen Landtag überzeugen, und wenn einem das gelingt hat man die 'allgemeine Rechtsverbindlichkeit', die jeden zwingt sich daran zu halten. Das Problem ist nur, dass es gar nicht so leicht ist, ein Parlament oder einen Landtag davon zu überzeugen, und man wenig Kontrolle drüber hat, was letztendlich dabei rauskommt, weil man die Entscheidungsgewalt ja an die Politik abgibt.

Dahingegen ist es in gewissem Sinn 'schwerer', eine verbindliche berufsständische Qualitätssicherung auf 'privatrechtlichem Vereinigungsweg' zu erreichen. Insbesondere anfänglich ist kaum wer dabei, d.h. kaum wer ist an die aufgestellten Regeln gebunden. Viele haben vielleicht auch lange gar keinen Anreiz beizutreten oder sogar Anreize nicht beizutreten, weil sie ja mit dem Beitritt zahlreiche 'Freiheiten' aufgeben, zu deren Aufgabe sie niemand zwingen kann. Warum z.B. soll ich mich, der ich qua Habilitation nicht nur im Bereich der Forschung wie jeder sonst sondern auch im Bereich der akademische Lehre die vollständige Narrenfreiheit bescheidmäßig und verfassungsgesetzlich garantiert bekommen habe, auf diese unbegrenzte Freiheit freiwillig verzichten, vor allem wenn ich persönlich gar keinen Vorteil davon habe?

Ich finde diese Gegenüberstellung/Eröterung der Schwierigkeiten bei Gründung einer Kammer und dann im 2. Abschnitt eines Berufsverbandes verdeutlicht doch, dass beide Verbandsarten nur langfristig die Früchte tragen werden, die wir uns erträumen!

Wenn ich nun abwäge: 1. Kammer: Ich muss ein sehr gutes Konzept mit ALLEN Archäologisch Tätigen von Anfang an (Professoren, Doktoren, Selbständige, Arbeitnehmer und so weiter, also wirklich alle) entwickeln und es an die Politiker vortragen und sie überzeugen von etwas Gutem, Kompromisse eingehen und es dann in die Tat umsetzen. Dann gibt es eine Umsetzungshierarchie der einzelnen Ziele (hier nur rein fiktiv): im 1. Jahr nur Scheinselbstsändigkeit bekämpfen. Im 2. Jahr nur prikäre 900 Euro Netto Verträge ausmerzen usw. und zwar indem sich ALLE an einen Tisch (wie hier zuerst online und dann bei einer KOSTENLOSEN Tagung) immens bemühen, dies auch zu schaffen. Alles unter der Fahne "Mir reichts, ich will was ändern, und das heute und wir schaffen das, ich helfe kostenlos in meiner Freizeit und nehme alle Meinungen ernst und höre zu und bin bereit Kompromisse einzugehen". Wir informieren uns AUSGIEBIG vorher über die Nachteile einer möglichen Kammer (bei allen bestehenden Kammern) und wenden diese ab. Und wie gesagt wird als allererstes eine Satzung auf Grundlage von Ethik, Grundgesetz, Denkmalschutzgesetz etc. per Email an alle 3.000 zukünftigen Mitglieder rumgeschickt, wo jeder gelb markiert Anmerkungen einbringen kann. Bei dieser Rundmail wird man ja sehen wie die Kommunikation und die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl klappt!
2. Berufsverband: Ich bin mir unsicher, wer, wie lange, freiwillig mit mir ein Konzept entwickeln möchte; nur wenige Professoren und Institute etc. machen mit; es wird Gegner geben innerhalb der eigenen Reihen, man zerfleischt sich. Es wird wohl niemals zu einem deutschlandweiten Berufsverband kommen, der dann die gleiche Macht gegenüber der Politik wie eine Kammer hätte bei Wahrung von EVENTUELL mehr Rechten.

Und um Ihre Frage zu beantworten: Es WIRD einen Weg geben, um die Archäologenwelt innerhalb einer kammer nicht zu spalten. Die Archäologen verpflichten sich einfach in ihrer Satzung auf ihr Recht der Priveligierung und Elitenbildung zum Nachteil von beispielsweise Quereinsteigern. Jetz sagen Sie mir bitte nicht, dass man soetwas nicht in einer Kammer auf sein Berufsbild zugeschnitten regeln darf! Ich glaube eine Kammer hat nur die gesetzliche Pflicht hohe Qualität zu sichern und wenn wir NEUE Wege aufzeigen, wie das bestehende System einer Kammer sogar noch besser wird, dann ist es mir schwerlich vorstellbar, dass der Gesetzgeber sich da querstellt! Wir geben ihm die Hohheit, ja; dafür geben wir ihm Qualität nach unseren Vorstellungen, die nur wir bestimmen können: so sehe ich das.

Und ja; wir kommen nicht umhin, das ganze System abzuklopfen und in Frage zu stellen vom ersten Kontakt mit der Archäogie, vom 1. Semester an bis zur Rente geht es uns alle an. Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied.
Und um es mal bildlich auszudrücken: Im Moment sitzen wir alle in einem Boot, einer Galeere, der Spaten ist unser Ruder weswegen alles überhaupt fährt. Ich finde im Namen aller Ruderer!, wir könnten langsam mal den Bootstyp wechseln hihi.

Freundliche Grüße
NetterMillionär

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Di 30. Mai 2017, 19:58

Lieber netter Millionär,
bisher hatte ich Sie aufgrund Ihrer vielfältigen Aussagen für jemanden gehalten, der sehr viel Wert auf Selbstbestimmung legt. Nun gut - das ist EIN Ziel, das erstrebenswert ist und auch mit der Vorstellung eines Berufsverbandes einhergeht.
Nun verwundere ich mich etwas, dass Sie sich für eine Archäologenkammer begeistern, denn durch diese Form der Organisation wird eben - vor allem langfristig - ein guter Teil der Selbstbestimmung aufgegeben. Ich möchte nur zwei Beispiele nennen:

1. Die Definition des archäologischen Berufes - per Kammergesetz wird festgelegt, wer der Kammer angehört, also einen archäologischen Beruf ausübt: Menschen mit bestimmten akademischen Abschlüssen. Welche Abschlüsse diese sind, ob z. B. ein Klassischer Archäologe, ein "Urgeschichtler", ein "Vorderorientalist", "Altamerikanist" etc. etc. in dieser Kammer aufgenommen wird, wird nicht mehr von seiner Tätigkeit oder Ausbildung abhängen, sondern einzig und allein, ob er im entsprechenden Kammergesetz - welches im Prozess POLITISCHER Interessenabwägungen formuliert wird - berücksichtigt wird. Genauso ergeht es allen Übrigen in der Archäologie Tätigen, seien dies Grabungstechniker, Grabungsarbeiter, Studenten etc.

2. Jene Elite, die in die Kammer aufgenommen wird, kann voraussichtlich nach einer festen Gebührenordnung abrechnen - nur wird diese Gebührenordnung ebenfalls nicht an den Bedarf des jeweiligen Archäologen ausgerichtet sondern nach der vom jeweiligen landespolitischen Gefüge als vertretbar erachteten Zumutbarkeit für die Gesellschaft. Alle anderen, die noch nicht einmal einen Zugang in die Kammer erhalten, können nur ergeben entgegennehmen, was der jeweilige Kammerarchäologe nach seiner Einkommensabschöpfung erübrigen will und kann.

Man kann diese Gedankenstränge weiterverfolgen und ausweiten, jedoch habe ich bereits in meinen vorigen Beiträgen innerhalb dieses Themas weitestgehend Argumente aufgeführt, so dass ich mich an dieser Stelle eher wiederholen würde, was es zu vermeiden gilt.

Mit freundlichen Grüßen, Falk Näth
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon NetterMillionär » Di 30. Mai 2017, 20:26

Lieber Falk Näth,

ok! Wenn es wirklich so ist, dass in einem Kammersystem ungewollte, nachteilige politische Geißelungen stattfinden, die unvereinbar sind mit einer guten, freien Archäologie, und dass ein Berufsverband die bessere Verbundsform ist, sich politisch Gehör zu verschaffen und auch sonst fachlich zu strukturieren und zu positionieren... dann gründen wir einen starken "Deutscher Archäologieverband" (oder so ähnlich) mit einem schönen Siegel - aber eben bitte mit allen. Freiheit ist mit das Wichtigste von allem! Und wir werden Partner von WWF oder Nabu, ok? Eine Email genügt, um mitgeteilt zu bekommen, wie das geht und was man da für einen minimalen Beitrag leisten kann.

Beste Grüße
NetterMillionär

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Di 30. Mai 2017, 20:36

Lieber netter Millionär,
ich verstehe zwar nicht so ganz die Verbindung zum NABU und WWF - aber ich kann auch nicht behaupten, dass mir Umweltschutzverbände unsympathisch wären (schließlich verbindet uns schlussendlich das Bundesbodenschutzgesetz). Es freut jedoch zu erkennen, dass auch Ihnen das Gemeinsame am Herzen liegt - und nicht die Definition, mit wem man Gemeinsamkeiten haben sollte und mit wem nicht ;)
Gruß, Falk Näth
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon NetterMillionär » Di 6. Jun 2017, 03:29

Sehr geehrte Kollegen,

- bezüglich der Kammer ist es unvereinbar, dass dort alles "zu straff" festgelegt wirkt und auch ist. Bei beispielsweise den Achitektenkammer(n) und Anwaltskammer(n) werden quasi Höchstpreise erzielt, meines Erachtens zu Lasten der Gesellschaft. Den einzelnen Architektenkammern der 16 Bundesländer übersteht interessanterweise eine Bundesarchitektenkammer im Recht eines privaten Vereins, ganz geschickt und also auch machbar!
Auch kristisiere ich und wohl auch andere, dass diese Anwaltskammer es bis jetzt nicht so wirklich geschafft hat für viele im Idealfall für alle sich auf dem deutschen Territorium befindlichen Personen "bezahlbar da zu sein".

- Zum Beispiel das eigentlich leicht zu durchschauende Mietrecht. Dort gilt: Geh in einen zwar vergleichsweise recht günstigen Mieterschutzbund oder das wird nichts mit deinen Rechten. Vieles, wenn logischerweise nicht gar alles, geht über die Judikative und Legislative in Deutschland, die hier quasi in einem Kammersystem zu einem sehr mächtigen Instrument vereint sind, quasi ein vom Staat gewollter/tollerierter "Staat im Staat".

- Trotzdem: Wieso ist Rechtsprechung so kompliziert und schwer? Hier sehe ich persönlich auch einen ganzen Wurzelstrang der Archäologieprobleme trotz möglicherweise potenziell guter Kontakte zur juritischen Forschung über die Universitäten, die offensichtlich nicht oder nicht hinlänglich genutzt werden. Die Anwaltskammer scheint meiner Meinung nach sehr mit sich selbst im Reinen zu sein, Anwälte gehören zu den Lohneliten Deutschlands. Eine Gemeinnützigkeit vor Selbstnutz dieser Kammer möge man mir zeigen; gemeinnütziges, gleiches Recht für alle steht irgendwo geschrieben ist in der Realität aber stark vom Einkommen abhängig, wer sich den besseren oder überhaupt einen Anwalt leistet (leisten kann). Befasst man sich einmal mit Gesetzen, sind sie oft so formuliert, dass sie ein einfacher Mensch kaum/nicht verstehen kann. Auch, und das bemägele ich sehr, ist es einer Privatperson fast unmöglich sich selber zu verteidigen oder bei Bagatellen der Gegenpartei verpflichtende Schreiben aufzusetzen, bspsw. indem man sein qualifiziertes Arbeitszeugnis mit Frist korrigiert einfordert (man ist als Privatperson leider nicht oder nur stark eingeschränkt befugt Recht geltend zu machen und ein Bußgeld zu erwirken).

- Wirft man nun einen kurzen Blick zurück zum Berufsverband. Hier könnte man auf freiwilliger Basis, selbstgestalterisch "einen Staat im Staat" gründen und viele, viele gesellschaftliche Fehler vermeiden. Denn auch dem einen Aspekt der von CIFA entlehnten Vorschlag weiter "Titel" einzuführen stehe ich doch sehr skeptisch und ja, ablehnend gegenüber. Nein, wir brauchen nach Bachelor, Mastersystem und dem erschwerten Doktor nicht noch eine weitere Titelmanufaktur, die an unsere Nachnamen hintendrangehangen werden. Ich bitte also Verfechter des CIFA-Systems sich auf wirklich gute Dinge im englischen System zu konzentrieren, die man tatsächlich übernehmen könnte. Hier verweise ich darauf, dass die CIFA auf ihrer Homepage sich bereits als Schirmherr dieses "neuen Berufsverbandes in Deutschland" bezeichnet. Also so gehts natürlich nicht!, meine Damen und Herren! Das ist meiner Wahrnehmung nach ein Kammersystem allererster Güte.

http://www.archaeologists.net/news/germ ... 1496321403

- Und auch verstehe ich die Kritik an dem erst 2011 gegründeten "Berufsverband" DVA absolut nicht - also ein in seiner jetzigen Zusammensetzung und Ausrichtung sehr junger Verein. Es ist per Satzung ein ausdrücklich REIN gemeinnütziger Verein, der also gar nicht Selbstzweck-Dienste wie Löhne zum Ziel hat und auch niemals haben kann. Auch darf man ruhig sagen, dass dort bereits so ziemlich alle deutschen Archäologieverbände, auch der DGUF, Mitglied sind. Auch aus der Vorstandszusammensetzung und dem Homepagelayout wird klar, dass einen guten Teil das DAI beiträgt, also alles so ist, wie es sein muss.

http://www.dvarch.de/dva_vorstand.php

- Summa summarum stellt sich mir hier gerade die Frage an den Veranstalter, ob hier Kräfte am Werk sind, die so nicht auf dem Programm stehen?

Freundliche Grüße
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Diane Scherzler » Di 6. Jun 2017, 08:44

CIfA macht am 4. Juli ein Angebot. Wenn das niemandem in Deutschland gefällt oder wenn es bessere Alternativen gibt, hat es sich mangels Nachfrage gleich wieder erledigt. So einfach ist das.

Der DVA ist kein Berufsverband und hat sich auch niemals als solchen bezeichnet. Wie kommen Sie nur darauf.

In der Tat, netter Millionär, gibt es Kräfte, die so nicht auf dem Programm stehen. Nämlich, dass sich eine Gruppe von Menschen hier ernsthaft bemüht, Aspekte des archäologischen beruflichen Berufslebens zu verbessern. Weitere Verschwörungstheorien gehören eher in die Yellow Press. ;)


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