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3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Hier möchten wir folgende Fragen behandeln: Wo gibt es außerhalb der Archäologie wertvolle Modelle und Erfahrung zum Thema Berufsverband? Qualitätssicherung durch Zertifizierung oder Selbstverpflichtung auf einen Kodex? Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Soll das Anliegen Berufsverband als Fachausschuss beim DVA weiterentwickelt werden?
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Leif Steguweit
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3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Leif Steguweit » Mo 1. Mai 2017, 20:28

Die Interessenlage von angestellten und selbständigen Archäologen hat zwar verschiedene Schwerpunkte, es gibt jedoch in beiden Gruppen prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Daraus resultiert der Wunsch nach einer effizienten und unabhängigen Interessenvertretung. Für angestellte Archäologen gibt es mit dem Verband der Landesarchäologen (VLA) oder dem Deutschen Verband für Archäologie (DVA) zwar bundesweit agierende Vereine, diese deklarieren sich jedoch aus Gründen der Steuerbefreiung als gemeinnützig (Abgabenordnung § 52 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 6 AO) und können damit nicht die Aufgaben eines Berufsverbandes erfüllen. Nur der seit 1972 bestehende Deutsche Archäologen-Verband (DArV) ist per Satzung ein Berufsverband und als solcher steuerbefreit. Er hat etwa 1.200 Mitglieder und tritt als bundesweiter Interessenverband auf. Auf Länderebene gibt es in Nordrhein-Westfalen den Verband Archäologischer Fachfirmen e. V. (VAF) sowie den Landesverband selbständiger Archäologen in Bayern e. V. (SAB).

Ein Berufsverband ohne öffentlich-rechtlichen Charakter (e.V.) ist im Sinne der Körperschaftsteuer-Richtlinien eine Vereinigung von natürlichen Personen oder Unternehmen, die allgemeine, aus der beruflichen oder unternehmerischen Tätigkeit erwachsende ideelle und wirtschaftliche Interessen des Berufsstandes oder Wirtschaftszweiges wahrnimmt. Es müssen die allgemeinen wirtschaftlichen Belange aller Angehörigen des Berufsstandes Archäologe / Prähistoriker / Grabungstechniker wahrgenommen werden. Die Aufnahme von Fachstudenten ist möglich, wie es zum Beispiel in der Satzung des DArV verankert ist. Warum stattdessen von der DGUF eine Neugründung angestrebt wird, wäre Teil des Diskussionsstoffes in dieser Sektion.

Demgegenüber wäre die Gründung einer berufsständischen Körperschaft (sprich: Archäologen-Kammer) die Standesvertretung selbständiger Archäologen, der bei gesetzlicher Verankerung im Vollzug des Denkmalschutzes entsprechende Berufsaufgaben und Selbstverwaltungsrechte übertragen werden. Wegen der Kulturhoheit der Länder wären Archäologenkammern auf Landesebene sinnvoller als auf Bundesebene. Die Initiatoren der DGUF nennen mit dem Portfolio des britischen CIfA vor allem solche Aspekte, die in Deutschland bei vergleichbaren freien Berufen (z. B. Architekten, Ingenieure) von Kammern wahrgenommen werden. Eine Archäologenkammer definiert und schützt die Berufsbezeichnung „Archäologe“. Sie würde Berufsaufgaben für eingetragene Mitglieder und Firmen regeln, die dem Vollzug der Denkmalschutzgesetze dienen (vgl. z. B. http://www.kammerrecht.de/kammergesetze ... mmern.html).

Die Möglichkeit, auf die Etablierung von Archäologen-Kammern hinzuarbeiten, können in dieser Sektion diskutiert werden. Hierbei wäre die Vernetzung mit dem VLA nützlich, der die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) von den Vorteilen solcher Kammern zu überzeugen hätte. Die politische Willensbildung dafür wäre auch Aufgabe der bestehenden bundesweiten Verbände, wie des DVA, des DArV und der DGUF.

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Plädoyer für einen Berufsverband

Beitragvon falknaeth » Mo 1. Mai 2017, 20:31

Eigentlich sollte ich mich für eine Kammer aussprechen, da sie mir persönlich ja durchaus nützen würde: Sie würde den Einfluss der Akademiker im Fach stärken und nicht-akademische Konkurrenz aussperren, etablierte Firmen gegen Dumpingkonkurrenz und gegen neue Mitbewerber ohne Kammerzugang schützen und damit mein Unternehmen in eine bessere Marktlage bringen. Ich glaube nur weder, dass das schnell durchsetzbar wäre, noch, dass es für die Mehrzahl der in diesem Forum beschriebenen Probleme und beteiligten Personen eine Lösung darstellt.

In der bisherigen Diskussion zeigt sich der Wunsch, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Archäologie einen möglichst umfassenden Zusammenschluss ALLER in der Archäologie tätigen Menschen zu erreichen - "Arrivierte" und prekär Beschäftigte, Ehrenamtliche, Freiberufler und Unternehmer, Akademiker, Techniker und berufserfahrene Menschen ohne einschlägigen Abschluss, Studierende; Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Eine Kammer ist ihrer Natur nach jedoch exklusiv und kann nur eine Facette dieses archäologischen Berufsspektrums (Akademiker) bedienen.

Wie kann es jedoch möglich werden, so unterschiedliche Standpunkte miteinander zu verbinden?

Ich sehe gerade in der Vielfalt der archäologischen Berufsfelder ein kaleidoskopisches Gesamtgefüge, das durchaus eine strukturierte Arbeitswelt erzeugen könnte; es bedarf aber eines demokratischen Ansatzes, der den beruflichen Facettenreichtum konstruktiv umsetzt. Denn neben strukturellen Mängeln zeichnet sich die archäologische Arbeitswelt auch noch durch eine ausgesprochen geringe Demokratisierung aus. Eine Demokratisierung bedeutet eine Beteiligung ALLER Betroffenen!

Ich glaube, dass in einem gut organisierten Berufsverband effizienter als in einer Kammer die derzeitigen Schwierigkeiten des unterschiedlichen archäologischen Klientels evaluiert und bearbeitet werden können. Ein Berufsverband könnte die Privatwirtschaft mit dem öffentlichen Dienst zusammenbringen, damit diese gemeinsam am Abbau prekärer Beschäftigungsverhältnisse arbeiten, absolvierte Akademiker mit nicht-studierten Praktikern koppeln, um Studierenden bessere berufliche Vorbereitungen zu ermöglichen.

Wie sollte eine Organisationsstruktur aussehen, um den Anforderungen der heutigen Zeit zu entsprechen? Wünschenswert wären sowohl hauptamtliche Personen, die sich professionell und kontinuierlich mit den Aufgaben des Berufsverbandes befassen, als auch demokratisch von und aus den o.g. Gruppen gewählte Gremien. In logischer Konsequenz müssen diese Rollen getrennt werden.

Für einen Gutteil der Probleme gibt es durchaus Lösungen, wenn die Netzwerkarbeit auf ein professionelleres Niveau gehoben wird: Eine hauptamtliche Geschäftsstelle, demokratisch durch den gewählten Vorstand kontrolliert, kann hierbei Schlüsselfunktionen wie Qualitätskontrolle, Kooperations-, Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit innerhalb des Verbandes übernehmen und u. a. Weiterbildungen mit Hilfe der Verbandsmitglieder organisieren.

Durch demokratisch gewählte Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen können realistisch auf die Marktsituation zugeschnittene Lohnbedingungen entwickelt werden, die wiederum durch die Geschäftsstelle kontrolliert und auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – einschließlich einer Liste derjenigen, die diese Lohnbedingungen einhalten.

Dies sind nur erste Ansätze. Ihre alleinige und doch so anspruchsvolle Voraussetzung ist die Solidarität derjenigen, die gemeinsam an der archäologischen Berufswelt teilhaben – ohne Gesetzesänderung, ohne Ministerkonferenzen, ohne Petitionen, ohne Änderung oder Beseitigung bestehender Fachverbände – ergänzend statt ersetzend, integrativ statt exklusiv.
"Größtmöglicher Erfolg oder eine vernünftige Alternative!" (Hägar der Schreckliche)

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Leif Steguweit » Di 2. Mai 2017, 17:32

Lieber Herr Näth und andere,
wir Archäologen sollten vor allem viel mehr an einem Strang ziehen... Das bedeutet zum Beispiel auch zur Kenntnis zu nehmen, dass es mit dem DArV seit 45 Jahren einen Berufsverband e. V. gibt, mit etwa 1200 Mitgliedern. Es ist der einzige bundesweite Berufsverband für Archäologen inklusive allen Interessierten aus benachbarten Berufen sowie Studenten. Die Funktion als Gewerkschaft der Archäologen erfüllt er kaum bis nicht wahrnehmbar, was aber an den begrenzten Möglichkeiten einer solchen Vereinigung liegt. Die Mitglieder des DArV werden sich wahrscheinlich trotzdem oder gerade deshalb schwer tun, sich von einem neuen, aber im Prinzip ganz ähnlich strukturierten Berufsverband e. V. abwerben zu lassen.
Ich habe in den letzten Tagen ein längeres Telefonat mit einem Vorstandsmitglied des DArV geführt. Wir waren uns einig, dass der Hebel der Interessenvertretung vor allem in den Ländern angesetzt werden muss, die Wirkung auf Bundesebene dagegen naturgemäß eher bescheiden ist.
Zweitens habe ich kürzlich mit einem hohen Verwaltungsrichter kommuniziert über die Frage Archäologischer Länderkammern. Er empfahl, sich am Bsp. der Architektenkammern zu orientieren, die auch mehr oder weniger die landesweiten Gewerkschaften freiberuflicher Architekten darstellen. Es gab aber keine prinzipiellen Einwände gegen ein solches Ziel, und das aus berufenem Munde. Es ist eine Frage der Lobby, die Überzeugungsarbeit zu leisten ist die wichtigste Hürde dabei.

Grüße, LS

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Di 2. Mai 2017, 20:31

Die Interessenlage von angestellten und selbständigen Archäologen hat zwar verschiedene Schwerpunkte, es gibt jedoch in beiden Gruppen prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Daraus resultiert der Wunsch nach einer effizienten und unabhängigen Interessenvertretung. Für angestellte Archäologen gibt es mit dem Verband der Landesarchäologen (VLA) oder dem Deutschen Verband für Archäologie (DVA) zwar bundesweit agierende Vereine, diese deklarieren sich jedoch aus Gründen der Steuerbefreiung als gemeinnützig (Abgabenordnung § 52 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 6 AO) und können damit nicht die Aufgaben eines Berufsverbandes erfüllen.
Der Zweck des VLA und des DVA ist die Förderung von Denkmalschutz und Denkmalpflege - daher die Gemeinnützigkeit und die Steuerbefreiung. Die Interessenvertretung von Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst gehört überhaupt nicht zu ihren Zielen oder Aufgaben. Hier sollten vielleicht die Gewerkschaften Erwähnung finden - allen voran Verdi.
Nur der seit 1972 bestehende Deutsche Archäologen-Verband (DArV) ist per Satzung ein Berufsverband und als solcher steuerbefreit. Er hat etwa 1.200 Mitglieder und tritt als bundesweiter Interessenverband auf. Auf Länderebene gibt es in Nordrhein-Westfalen den Verband Archäologischer Fachfirmen e. V. (VAF) sowie den Landesverband selbständiger Archäologen in Bayern e. V. (SAB).
Interessant ist doch, dass in den drei genannten Verbänden längst nicht alle in der Archäologie Tätigen vertreten werden. VAF und SAB sind Verbände für Selbständige bzw. Freiberufler und der Grabungstechniker findet schwerlich im DArV ein berufliches Zuhause. Es ist doch gerade die derzeitige Zergliederung der archäologischen Verbände, die denen, die eine berufliche Stärkung am meisten benötigen, die Aufmerksamkeit nimmt.
Ein Berufsverband ohne öffentlich-rechtlichen Charakter (e.V.) ist im Sinne der Körperschaftsteuer-Richtlinien eine Vereinigung von natürlichen Personen oder Unternehmen, die allgemeine, aus der beruflichen oder unternehmerischen Tätigkeit erwachsende ideelle und wirtschaftliche Interessen des Berufsstandes oder Wirtschaftszweiges wahrnimmt. Es müssen die allgemeinen wirtschaftlichen Belange aller Angehörigen des Berufsstandes Archäologe / Prähistoriker / Grabungstechniker wahrgenommen werden. Die Aufnahme von Fachstudenten ist möglich, wie es zum Beispiel in der Satzung des DArV verankert ist. Warum stattdessen von der DGUF eine Neugründung angestrebt wird, wäre Teil des Diskussionsstoffes in dieser Sektion.
Zum einen möchte ich mich für die wunderbare Zusammenfassung der zu bewältigenden Aufgaben bedanken - jedoch wundere ich mich, dass hier bereits ein Neugründungsversuch unterstellt wird. Meines Wissens nach soll dies erst noch in Sektion VII diskutiert werden.
Eine Archäologenkammer definiert und schützt die Berufsbezeichnung „Archäologe“. Sie würde Berufsaufgaben für eingetragene Mitglieder und Firmen regeln, die dem Vollzug der Denkmalschutzgesetze dienen
Danach wären Verleger und Redakteure, Dozenten, Studierende, Museumsarchäologen und Archäologen in der Touristik oder freien Bildungswirtschaft aus der Kammer genauso ausgeschlossen wie Grabungstechniker und Grabungsarbeiter. Bezieht man sich lediglich auf die Denkmalschutzgesetze und deren Erfüllung, wäre zu fragen inwieweit nicht eine erhebliche Überschneidung mit den Architektenkammern und Handwerkerkammern besteht, denn die Denkmalschutzgesetze schließen die Baudenkmalpflege mit ein! In diesem Bezugssystem wird denn auch die Frage gestellt werden, inwieweit es nicht auch in Verbindung mit den Grabungsfirmen zu Überschneidungen mit den Industrie- und Handelskammern kommt. Letztendlich werden also nur wenige Archäologen übrig bleiben, für die ein Wirtschaftsminister sich mit neuen Kammergesetzen auseinandersetzen soll. Das klingt nicht besonders realistisch. Hinzu kommt der Anspruch, dass wieder einmal "die anderen" zur Tat schreiten sollen, wenn es heißt:
Hierbei wäre die Vernetzung mit dem VLA nützlich, der die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) von den Vorteilen solcher Kammern zu überzeugen hätte. Die politische Willensbildung dafür wäre auch Aufgabe der bestehenden bundesweiten Verbände, wie des DVA, des DArV und der DGUF.
- abgesehen davon, dass immer noch die Wirtschaftsministerien die Ständekammern beaufsichtigen und nicht die Kultusminister (falsche Adresse!). Eine entsprechende Anfrage o.ä. wäre also sinnvoller über die entsprechenden Wirtschaftsausschüsse der jeweiligen Landtage einzureichen, denen man dann den Sinn und Zweck der "Nischenwirtschaft archäologische Denkmalpflege" für ein entsprechendes Kammergesetz erklären darf. Das klingt nach sehr vielen Windmühlenkämpfen für eine doch recht beschränkte Klientel innerhalb der archäologischen Arbeitswelt.
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Leif Steguweit » Di 2. Mai 2017, 21:22

Hallo Herr Näth,
ein Vorbild aus einem Bundesland wäre z. Bsp. hier nachzulesen:
http://gesetze-bayern.de/Content/Docume ... auKaG/true

Im konkreten Fall zum BY Baukammerngesetz führt das Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr die Rechtsaufsicht. Da wir keine Wirtschaftskammer gründen wollen, dürfte das Kultusministerium sicher die Hauptrolle spielen, um mit dem Anliegen überhaupt Gehör zu finden. Es geht mir auch weniger um den Verfahrensablauf, als um Schritte um das Thema zu etablieren.

Die Protagonisten um einen wie auch immer CIfA-ähnlichen e.V. (denn nichts anderes wäre die Alternative) sollten sich allmählich auch mal erklären, was sie sich eigentlich vorstellen, um in Deutschland (es geht nicht um GB) irgend eine Verbindlichkeit zu erreichen. Dazu brauchen Sie meine Postings nicht rauf und runter zu zitieren, besser wären konkrete Ansagen zur Struktur/ Satzung etc.

Grüße, LS

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Di 2. Mai 2017, 21:53

Guten Abend Herr Steguweit!

Nun, überlegen wir konkreter - wer ist der richtige Ansprechpartner für Denkmalpflege? Der direkte Vergleich hier - denn Sie möchten ja die Erfüllung der Denkmalschutzgesetze zugrunde legen - ist also bei den Architektenkammern und den Handwerkskammern zu suchen (Stichwort: "Restaurierung im Handwerk"). Da es Ihnen schwerfällt, die Situation der Archäologie über die bayerischen Landesgrenzen hinaus zu beurteilen, bleiben wir also in Bayern - und damit beim Staatsministerium für Inneres - nicht für Kultur. Wenn Sie dann noch mit dem Anlegen daherkommen, dass Sie Gebührenordnungen etc. durchsetzen wollen und grundsätzlich eine Wettbewerbseinschränkung auf Firmen mit Niederlassung in Bayern einzuführen gedenken, sind wir wieder abseits des Denkmalschutzes und wieder bei rein wirtschaftlichen Fragestellungen - also doch wieder Wirtschaftsministerium. Wenn Sie jedoch eine Körperschaft zur Kulturförderung gründen wollen - so wie etwa die "Landschaften" in NRW - ja, da käme z.T. vielleicht ein Kultusminister als Ansprechpartner in Frage.... Wobei in NRW ebenfalls der MBWSV für den Denkmalschutz zuständig ist...

Erkennen Sie langsam Ihr Problem? Bei der Gründung einer Kammer sind Sie ganz weit weg von dem, wo Sie eigentlich Ihre Aufgabe und Ihre berufliche Heimat sehen! Sie beschränken den beruflichen Zusammenschluss auf ein Minimum an Akteuren und erreichen letztlich nur einen kleinen "Exklusivclub" im Exil irgendeiner fremden ministeriellen Zuständigkeit. Wie wollen Sie da in Zukunft wirksam Interessen und bessere Arbeitsverhältnisse umsetzen? Das einzige, was Sie damit erreichen, sind gesetzliche Fesseln, die Sie selbst nicht entworfen, geschweige gewollt haben! Wenn es denn überhaupt in einer absehbaren Zeit zu Kammergesetzen kommt - bei der Exklusivität, die Sie hier vorstellen (nur Akademiker, nur Denkmalpflege - nur Firmen?), wage ich ein wirkliches politisches Interesse immer noch zu bezweifeln.

Mit freundlichen Grüßen, Falk Näth
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Leif Steguweit » Di 2. Mai 2017, 22:18

Hallo Herr Näth,
wie sagte man früher, "Sie schreiben mit spitzer Feder", warum auch immer...
Ich bin nach wie vor neugierig, wie denn nun Ihr Alternativkonzept aussieht? Wir werden halt in Deutschland kaum ein Siegel der Queen bekommen. Ansonsten ist das CIfA eben offensichtlich in seinen Kompetenzen besser gestellt als ein deutscher Berufsverband auf e.V.-Ebene. Den Vergleich hatten wir hier schon im Forum, das "CI" steht beim CIPA für ein Pendant zur deutschen Patentanwaltskammer.
Ich würde sagen, da das Ganze reichlich unverbindlich diskutiert wird, lassen wir in Zukunft bei der Diskussion etwas Luft raus...

Herzliche Grüße, LS

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Mi 3. Mai 2017, 07:31

Guten Morgen Herr Steguweit,
gern können wir über Konzepte reden - und die "Luft aus der Diskussion nehmen", wie Sie es ausdrücken.

Zunächst nur eine kleine Berichtigung (für die Leser): CIPA steht für Comité International de la Photogrammétrie Architecturale - und ist eine Unterorganisation des ICOMOS und ISPRS (wir sind dort sustaining member) und hat nichts mit CIfA zu tun... (Ich nehme an, hier lag ein kleiner Schreibfehler vor und Sie meinten CIfA?).

Bleiben wir noch kurz bei Ihrer Vorstellung der Kammer - und Ihren diesbezüglichen Konzeptvorstellungen. Wie genau stellen Sie sich den Weg dorthin vor - und was glauben Sie, wieviel Zeit dieser Prozess in Anspruch nehmen würde? Wie wollen Sie Einfluss auf die Gestaltung der entsprechenden Kammergesetze nehmen, damit diese nicht zu sehr "fern der Praxis am Reißbrett entworfen werden"? Und worin liegt Ihres Erachtens der Vorteil einer Kammer für Grabungstechniker, Grabungsarbeiter etc. etc. - also für jene, die keine studierten Archäologen im Aufgabenfeld der Denkmalpflege sind?

Diese Fragen interessieren mich wirklich, da ich immer noch nicht sehen kann, wie Sie die vielfältigen archäologischen Berufsfelder in einer einzigen Kammer unter einen Hut bringen wollen.

Gruß, Falk Näth
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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon Leif Steguweit » Mi 3. Mai 2017, 14:26

Hallo Herr Näth,
bei Nutzung der Suchfunktion dieses Forums findet man/frau relativ einfach den genannten Vergleich mit dem CIPA:
https://www.tagungsforum.dguf.de/viewto ... CIPA#p1278

Zu Ihrer Frage: Vermutlich würde der Anlauf zur Berufskammer mehrere Jahre brauchen bis zur - derzeit völlig ungewissen - Umsetzung, das ist wohl klar und durch niemanden schönzureden. Trotzdem läuft dieses Pingpong hier seit gestern für meinen Geschmack etwas einseitig: Erklären Sie uns doch bitte - ich bat vorher schon darum - wie ein Berufsverband e. V. nach deutschem Recht aufgestellt werden kann, um die angestrebten Kompetenzen und Kontrollfunktionen zu erhalten? Wenn Sie es nicht erklären wollen, ist das auch nicht weiter schlimm, allerdings weiß ich dann nicht wohin das Ganze führen soll...

Und noch eine Bemerkung aus unternehmerischer Sicht: Wenn die Stundensätze für die fachliche Leistung stimmen (die Leistung der Archäologen), dann wird auch das nichtakademische Personal in einer guten Firma anständig bezahlt. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Daher bringt es natürlich was, eine Gebührenordnung für selbständige Archäologen zu etablieren mit Auswirkung auf das gesamte Fach.

Grüße, LS

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Re: 3. Welche Organisationsform wäre geeignet, angemessen und realistisch erreichbar? Kammer oder Berufsverband?

Beitragvon falknaeth » Mi 3. Mai 2017, 17:06

Guten Tag, Herr Steguweit,
vielen Dank für Ihren Link zu Ihrer anderweitigen Aussage- da erkenne auch ich jetzt den ursprünglichen Kontext Ihrer Aussage (ohne in über 1.400 Beiträgen suchen zu müssen). Ich möchte Sie jedoch bitten, in Zukunft weniger missverständliche Benennungen vorzunehmen oder den Kontext klarer darzustellen: Die Nennung des CIPA als Unterorganisation des ICOMOS ist im Zusammenhang mit der europäischen Denkmalpflege nicht ganz abwegig, wäre jedoch im Zusammenhang mit einem Kammersystem etwas irreführend gewesen.
Andererseits trägt das Chartered Institute of Patent Attorneys zugegebenermaßen ebenfalls die Abkürzung „CIPA“ (http://www.cipa.org.uk/about-us/). Ob jedoch ein „Chartered Institute“ mit einer Berufskammer gleichzusetzen ist, wäre auf jeden Fall juristisch zu klären,
immerhin gibt es auch
das Chartered Institut of Linguistics („Linguistenkammer?“) http://www.ciol.org.uk/
oder das Chartered Institute of Marketing (https://www.cim.co.uk/)
oder das Chartered Insurance Institute (“Versicherungskammer?”) https://www.cim.co.uk/
etc. etc. – also Chartered Institutes, die in Deutschland definitiv keine eigene Kammer zugewiesen bekämen, sondern höchstens bei entsprechender Rechtsform eine Mitgliedschaft in den Industrie und Handelskammern innehätten. Eine entsprechende Liste ist hier einsehbar (wenn man Wikipedia Glauben schenkt):
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_p ... ed_Kingdom
Wie gesagt – ich kenne mich zu wenig mit europäischem Recht aus, um so ohne weiteres direkte Vergleiche ziehen zu wollen; denn immerhin hat das Wort „chartered“ in einer Institutsbezeichnung unter anderem mit einer „Royal Charter“ zu tun, die verfassungsgemäß in Deutschland nicht ausgestellt werden kann und die heutzutage in der Regel Einrichtungen des öffentlichen Interesses wie z. B. Wohlfahrtsverbände markiert. Das bildet eigentlich einen gänzlich anderen juristischen Hintergrund als eine Kammer ab, wie z. B. bez. der Handwerks- oder Architektenkammern in Deutschland.

Sie fordern ein fertiges Konzept für einen BV – ich verstehe das und würde mir auch ein solches „Kaninchen“ wünschen, dass man einfach „aus dem Hut zaubern kann“. Jedoch ist es sinnvoll, zunächst zu schauen, was wirklich gebraucht wird und mit welchen Mechanismen dieser Bedarf in Zusammenhang steht. Danach wäre zu klären welche Instrumente diese Mechanismen kompensieren oder besser ausrichten können, um den Bedarf zu decken. Danach erst kann man diese Instrumente in ein Konzept kleiden.
Ich kann zu diesem Zeitpunkt also nur auf Sektion V verweisen und auf die kommende Sektion VII: In Sektion V werden unterschiedliche Inhalte, die der BV erfüllen sollte diskutiert. In Sektion VII wird es unter anderem um Finanzierungsmöglichkeiten und Zusammenwirken der Verbände gehen und um die Frage, ob das Rad gänzlich neu zu erfinden wäre oder ein bestehender (vielleicht zu modifizierender) Verband die in Sektion V formulierten Aufgaben übernehmen kann. Es ist ja gerade ein Zweck dieses Forums, auf gemeinsame Vorstellungen und Notwendigkeiten hin zu schauen und keine weiteren Spaltungen vorzunehmen - ein sinnvolles Konzept kann dann auf diese Diskussionsansätze aufbauen.

Im Übrigen gibt es durchaus Vorlagen für Berufsverbände, die durchgreifende Kontrollfunktionen ausüben. Ich will hier als Beispiel nur den Deutschen Physiotherapeutenverband (zugegeben wieder „nur“ ein Selbständigenverband) anführen, der z.B. auch die für Kassenzulassung (vgl. DSchG?) notwendige Audits vornimmt:
http://www.vdb-physiotherapieverband.de/
Jedoch werden auch diese Konzepte in einem anderen Thema dieser Sektion, nämlich 1. „Wo gibt es außerhalb der Archäologie wertvolle Modelle und Erfahrung zum Thema Berufsverband, wo kann man lernen?“ erörtert.

An dieser Stelle sollten eigentlich die Vorzüge bzw. Nachteile einer Kammer für alle in der Archäologie Tätigen diskutiert werden. Wo also dieses Thema hinführt, wird die weitere Diskussion zeigen, hoffe ich.

Herzlichen Gruß, Falk Näth
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