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5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierung?

Nimmt ein Berufsverband Individuen oder Firmen auf, wie funktioniert seine Qualitätssicherung und wie sollen regionale Eigenheiten reflektiert werden? Sind Studierende und Berufsanfänger ebenso Teil eines Berufsverbandes und welche Parteien, die nicht Teil des Verbandes werden, müssen gleichwohl berücksichtigt werden?
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon falknaeth » Do 23. Mär 2017, 16:24

Hallo Ray,
danke für das Beispiel - sowas habe ich mir gewünscht. Ich finde immer, wenn man über Zukunftsperspektiven spricht, braucht es manchmal etwas konkreteres, um vorstellbar zu bleiben.
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon falknaeth » Mo 3. Apr 2017, 13:05

Guten Tag,
in einer Diskussion über Qualitätssicherung für archäologische Ausgrabungsfirmen stellt sich mir zunächst die Frage nach der Qualitätsdefinition selbst: Im Qualitätsmanagement geht es vor Allem um wiederholbare (oder nahezu wiederholbare) Standards. Diese Standards sind jedoch m.E. auf mehreren Ebenen zu entwickeln: Auf der Wirtschaftlichen, was die Erstellung der Angebote sowie deren nachhaltige Umsetzung angeht, auf der Sozialen, was die Arbeitsverhältnisse und -bedingungen angeht, auf der Fachlichen, was die Ausführung und wissenschaftlichen Dokumentation anbetrifft. Sicherlich ist zunächst der Nachweis einer fachlichen Qualifizierung sinnvoll, um ein grundlegendes Vertrauen, dass über die persönliche Ebene ("den kenne ich, der kann das") hinausgeht, zu schaffen. Jedoch wird auch ein guter akademischer Abschluss kein Garant für eine "richtige" Dokumentation nach vorgegebenem Standard sein. Über eine Selbstverpflichtung lassen sich sicherlich viele Standards definieren - aber reicht sie auch aus, um (bewusste) Abweichungen vom "Standard" zu verhindern? Eine Zertifizierung, etwa nach ISO 9001, für jedweden Grabungsbetrieb garantiert keinen EINHEITLICHEN Standard und macht daher die Qualität selbst wiederum recht beliebig - es sei denn, ein "Verfahren (es mangelt mir gerade an einem besseren Begriff)" würde zertifiziert. Dieses "Verfahren" müsste neben der fachlichen Korrektheit, auch deren Wiederholbarkeit (und damit Prüfbarkeit) und deren soziale (was die Arbeitsbedingungen anbetrifft) und wirtschaftliche Rahmenbedingungen umfassen und überprüfbar machen.
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Diane Scherzler » Mo 3. Apr 2017, 13:49

Liebe Kollegen,

ich meine, wir starten die Debatte mit zwei leicht unterschiedlichen Aspekten:
  • 1. Wie kommt man in einen Berufsverband hinein? Reicht z. B. der akadem. Abschluss?
    2. Wie kann Qualitätssicherung ablaufen?
Klar: Nur wer die Qualitätsmerkmale, die ein Berufsverband fordert, einhält, wird aufgenommen oder bleibt darin. Gleichwohl sollten wir 1. und 2. nicht gleichsetzen bzw. vermengen.

Falk Näth stellt hier heute die sehr wichtige Frage nach der Definition von Qualität und betont z. B., dass es dabei auch um die Wiederholbarkeit von Standards geht.

Wenn man versucht, sich in professionalles Qualitätsmanagement etwas einzulesen (ich bin dafür keine Expertin), dann lernt man schnell folgendes: Es geht um die Qualität der internen Prozesse, der Dienstleistungen und damit der Produkte jeglicher Art (z. B. eine Ausgrabung, eine Fortbildung etc.). Also nicht nur darum, ob z. B. eine Grabungsdoku sauber abgeliefert wird.

Wichtig sei im Qualitätsmanagement auch die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse. Aus der Sicht des Projektmanagements arbeitet man also in qualitätvollen Prozessen relativ agil, indem man Erfahrungen, die man gewinnt, schnell wieder zurück in die Planung kommender Projekte fließen lässt. Man bemüht sich um schnelles Lernen, beispielsweise bei Kosten-Nutzen-Betrachtungen, macht Fehler möglichst früh, um viel Raum für Korrekturen zu haben. Dies mag für eine gute Grabungsfirma ganz selbstverständlich sein, aber wir sprechen hier ja auch über andere Bereiche der Archäologie, die ihre Entwicklung bisher überwiegend konventionell vorantreiben, z. B. über sich halbjährlich treffende Ausschüsse etc. und Planungen, die aufwendig erstellt und dann auch langfristig "durchgezogen" werden. Alleine mit solch klassischem Agieren ist der "erste Versuch" eines Prozesses zwar häufig in höherer Qualität als beim Modell "quick und bisschen dirty", aber der Start dauert länger, und vor allem Kurskorrekturen sind sehr behäbig.

In sich wandelnden Umgebungen - zum Beispiel neue Denkmalschutzgesetze, Einführen einer neuen Konvention (hypothetisch: Faro), Streichen von Geldern, veränderte Ausbildungsgrundlagen, Medienwandel und damit Machtverschiebungen - ist es von Vorteil, rasch seine Prozesse verändern zu können und so Qualität zu halten.

Ich lese von ungezählten Standards des Qualitätsmanagements und vielen Versuchen, die Prozesse via Normen mit definierten Mindestanforderungen und Selbstbewertungen objektiv bewertbar zu machen. Während die Selbstbewertung naheliegenderweise meist recht positiv ausfällt, halten im Grund nur extern auditierte und zertifizierte Qualitätsmanagement-Modelle objektiven Kriterien stand. Ein Berufsverband könnte - wenn man das so regeln möchte - das externe Audit leisten.

Mir ist bewusst, dass diese Aspekte nur Splitter eines Themas sind und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit haben, sondern dass im Gegenteil sehr zentrale Aspekte fehlen. Mir ging es hier darum, den Blick zu öffnen und klarzumachen, dass ein akademischer Abschluss nach meiner Überzeugung nur ein Mosaikstein für Qualität im eigentlichen Sinne sein kann.


Viele Grüße
Diane Scherzler

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Stefan Hesse
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Stefan Hesse » Mo 3. Apr 2017, 15:19

Die Zertifizierung bzw. Qualitätssicherung sollte bei Institutionen und Personen grundsätzlich verschieden sein. Allein aus praktischen Gründen kann meiner Meinung nach bei einem Berufsverband mit vielen Mitgliedern das Einzelmitglied nur nach formalen Kriterien (Abschlüsse, Tätigkeitsnachweisen, Publikationen, Referenzprojekten etc.) beurteilt werden. Sicherlich sollte man für untypische Lebensläufe dieses System offen halten. Mehr als eine Selbstverpflichtung sollte es aber schon sein.

Bei Institutionen würde ich einen wesentlich strengeren Maßstab anlegen wollen. Ich habe bereits an anderer Stelle auf das niedersächsische Museumsgütesiegel verwiesen (http://www.mvnb.de/museumsguetesiegel/). Wir beim Bachmann-Museum haben diesen Prozess durchlaufen. Bis zur Verleihung hat es mehrere Jahre gedauert und viele Ressourcen (Personal, Zeit etc.) aufgebraucht. Es entstehen viele Ordner voll mit Unterlagen, Konzepten etc. Die Entscheidung fällt letztlich nicht nur anhand der eingereichten Unterlagen, sondern auch anhand der Berichte von Gutachtern, die vor Ort waren. Der Prozess wird durch den Museumsverband unterstützt und begleitet. Selbst wenn man das Gütesiegel nicht erreicht, wird die Situation analysiert und auf Mängel hingewiesen - das ist sehr hilfreich.

Ähnlich stelle ich mir eine Zertifizierung in der Archäologie vor. Auch hier würde ich eher einen pragmatischen Weg einschlagen und abfragen, welche Zertifizierungen es schon gibt. Im Museumsbereich wird dies in mehreren Bundesländern durchgeführt. Eine eigene Zertifizierung für Museen könnte somit in den Bereichen entfallen.

Aber alleine was noch übrig bleibt, ist eine wahre Herkulesaufgabe.

Gruß

Stefan Hesse

Leif Steguweit
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Leif Steguweit » Mo 3. Apr 2017, 20:09

Hallo,
möglicherweise lässt sich auch zu dieser Frage kein Konsens herstellen, solange nicht einigermaßen klar ist, um wen es bei der Verbandsdiskussion eigentlich alles gehen soll. Ich gehe mal von der Firmenarchäologie als Interessengruppe aus, da für Museen, Studiengänge etc. ja bereits etablierte Modelle da sind: Hier wäre Präqualifizierung für größere Firmen zweifellos von Vorteil, um in die Liste zur Vergabe öffentlicher Aufträge für präqualifizierte Firmen zu kommen. Momentan listen zwar die regionalen IHKs auch Archäologiefirmen auf, allerdings nur aufgrund der reinen Mitgliedschaft und nicht aufgrund von abgefragten Kriterien. Die Art und Weise, wie derzeit Listen mit "empfohlenen" archäologischen Firmen und Freiberuflern zustande kommen, die oft die einzige Basis für die Auswahl durch den Auftraggeber bilden, dürfte oft hart am Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen kratzen. Hier wäre die Interessenvertretung gefragt!

Akkreditierung durch die DAkkS dürfte bei Grabungsfirmen eher keine Rolle spielen, und Selbstverpflichtungen kann gern jeder abends vor dem Schlafengehen abgeben... ;)

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falknaeth
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon falknaeth » Mo 3. Apr 2017, 20:45

Hallo Herr Steguweit,
ein Verfahren, angelehnt an die Präqualifizierung http://www.bmub.bund.de/themen/bauen/ba ... fizierung/
ist sicherlich begrüßenswert - auch wenn eine Präqualifizierung keinen Auschluss nicht-präqualifizierter Firmen, die Ihre Eignung (= Qualifizierung) durch eine Eigenerklärung und Einreichung entsprechender Eignungsnachweise innerhalb von 6 Kalendertagen nach Aufforderung der Vergabestelle darlegen können, nach dem derzeitigen Vergaberecht nach sich ziehen darf. Präqualifizierungen sollen nur das Vergabeverfahren erleichtern (daher das "Prä"), dürfen jedoch nicht zur Einschränkung des Wettbewerbs genutzt werden...
Dennoch wäre ein solcher "Schritt 1" zur Erfassung derzeitig geeigneter Unternehmen sicherlich sinnvoll - der nächste könnte eine entsprechende Zertifizierung sein, auditiert nach dem Vorschlag Frau Scherzlers.
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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Leif Steguweit » Mi 5. Apr 2017, 21:37

Hallo,
in Ergänzung des Vollzugs des DSchG (Bayerisches Kultusministerium 9.3.2016) wird in dem genannten Schreiben auf
https://www.pq-vol.de/info/About.aspx
hingewiesen, in BY durchgeführt vom ABZ, siehe
http://www.abz-bayern.de/abz/inhalte/Bi ... -VOL-.html

Offenbar will man uns damit "ministeriell" eher den IHKs zuführen, die ich aus bereits genannten Gründen für keine besonders schlagkräftige Interessenvertretung halte. Die IHKs haben ein sehr beschränktes Interesse an Archäologie und wissen gar nicht so genau, in welche Branche sie uns eigentlich schieben sollen. Als Wirtschaftsfaktor spielen wir da überhaupt keine Rolle. Dazu kommt, dass mit der selben Berechtigung von Archäologen ja auch freiberufliche Leistungen angeboten werden, oder eben auch die von Ihnen Herr Näth favorisierten Baunebenleistungen. Es käme halt mal auf einen Selbstversuch an. Die Frage ist, ob die Firmen mit der PQ eine sichtbare Verbesserung ihrer Wahrnehmung durch die freie Wirtschaft erreichen, oder ob da nur mal ganz gelegentlich mal einer drüber stolpern würde?

Gruß LS

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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Sascha Piffko » Fr 7. Apr 2017, 23:02

Ich stelle mir eine Punkteliste vor, die für die jeweiligen Sparten (Museum, Universität, individueller Grabungstechniker, Grabungsfirma etc. ) aufgestellt wird, es gibt Mindestanforderungen die streng kontrolliert werden müssen, weil gesetzlich vorgeschrieben oder ethisch zwingend:

- Sicherheitsstandards
- Mindestlohn, Sozialversicherungspflicht
- Sorgfaltspflicht
- Legalität

Wer zuwiderhandelt, wird je nach Schwere ermahnt, getadelt, angezeigt und verliert möglicherweise die Zulassung (insofern dies gesetzlich möglich ist). Bei Fehlverhalten von Universitäten oder Ämtern wird möglicherweise die Politik informiert.

Gütesiegel gibt es für gesammelte Punkte bei:

- höhere Sozialstandards
- nachgewiesene besondere Sorgfalt
- höherwertige Qualität (Sonderlehrgänge, besondere Soft- und Hardware)
- Spezialfähigkeiten

Diese Qualifikation könnten auch für Universitäten oder Ämter interessant sein um Studenten zu gewinnen, bzw. dem Bürger die Qualität zu beweisen.

Vielleicht kann man Prüfungen ablegen für Zertifikat als Grabungstechniker, Grabungsleiter, Sicherheitskoordinator, Museumsdidakt, Uni-Dozent etc. um eine zusätzliche Qualifikation zu den Bewerbungsunterlagen zufügen zu können.

Solche Beurteilungen kann das Verbandsmitgliedvorlegen bei:
Ausschreibungen, Bewerbungen, als Werbung, etc.
Forschung und Denkmalschutz darf nicht zu Lasten der Forscher und Denkmalschützer gehen.
SPAU - Grabungsfirma in Hessen

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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon MaryJane » Mo 10. Apr 2017, 23:01

In der bisherigen Diskussion darum, was geprüft, zertifiziert oder sonstwie qualitativ gesichert werden sollte, ging es immer wieder um völlig unterschiedliche Ebenen der Arbeit. Ich möchte versuchen, diese verschiedenen Aspekte einmal getrennt aufzuführen:

1. fachliche Qualität im Sinne von "guter Archäologie", archäologischer Sachkompetenz, Vermittlungskompetenz im Museum, grabungstechnischer oder feldarchäologischer Kompetenz
2. soziale Qualität: faire Arbeitsbedingungen, auskömmliches Gehalt, unbefristete Verträge usw.
3. organisatorische Qualität/ betriebswirtschaftliche Korrektheit: wie nachvollziehbar und berechenbar ist die archäologische Dienstleistung für den Auftraggeber (und wie stabil ggf. ein Unternehmen und damit die entsprechenden Arbeitsplätze), bekomme ich das, was ich gebucht habe.

Unter 1. fallen weitgehend personengebundene berufliche Fertigkeiten - auch wenn z.B. eine Grabungsfirma entsprechende Kompetenzen nachweisen muss, wird sie sich immer auf ihre konkreten MitarbeiterInnen beziehen müssen. In diesem Bereich fällt die gesamte Diskussion über Berufsabschlüsse, Kompetenzstufen, persönliche Akkreditierung usw.
Die Punkte unter 2. und 3. können nur für Unternehmen in irgend einer Form (inklusive "Einzelkämpfer") qualitativ bewertet werden, nicht aber für Arbeitnehmer. Hier geht es um Qualitäten, die nicht "archäologisch" sind, und für deren Beurteilung definitiv keine spezielle archäologische Fachkenntnis erforderlich ist - vielleicht eher eine guter Steuerberaterin, ein Gewerkschaftler, Betriebswirtin oder Verbraucherberater.
Wenn Du willst, was Du noch nie hattest, dann tue, was Du noch nie getan hast.

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Re: 5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierun

Beitragvon Leif Steguweit » Di 11. Apr 2017, 09:57

Hallo,
die Art der Zertifizierung hängt sicher entscheidend von der Rechtsform des Verbandes ab. Es gibt ja bereits bestehende Modelle, wie die fachliche Zertifizierung von Anthropologen durch die GfA. Meines Erachtens dürfte die Zertifizierung der GfA aber auch nichts weiter als eine Empfehlungsliste sein, denn der GfA erreicht seine Steuerbefreiung über die Gemeinnützigkeit und nicht über eine Satzung als echter Berufsverband. Er stellt also nichts weiter als Referenzen von drei wissenschaftlichen Gutachtern aus. Jeder andere Anthropologe könnte sich - im juristischen Sinne - gleichwertige Referenzen von drei renommierten Anthropologen außerhalb der GfA ausstellen lassen, da ein solcher e. V. eben keine berufsständische Körperschaft darstellt. Alles gar nicht so einfach, aber die Analyse der bestehenden Mängel kann nur nützlich sein im Zuge der Meinungsbildung. Ich würde mir wünschen, dass die DGUF hierzu einen Juristen beauftragt, der das Wirrwarr rund um die fachwissenschaftlichen Vereine mal unter die Lupe nimmt. Im Idealfall könnte der Jurist dann sogar einen Vortrag auf dem Archäologiekongress halten und die Ergebnisse präsentieren.

Gruß LS


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