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5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierung?

Nimmt ein Berufsverband Individuen oder Firmen auf, wie funktioniert seine Qualitätssicherung und wie sollen regionale Eigenheiten reflektiert werden? Sind Studierende und Berufsanfänger ebenso Teil eines Berufsverbandes und welche Parteien, die nicht Teil des Verbandes werden, müssen gleichwohl berücksichtigt werden?
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Lisa Deutscher
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5. Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, per Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Akkreditierung?

Beitragvon Lisa Deutscher » Do 23. Mär 2017, 08:58

Wie könnte der Eintritt in einen Berufsverband geregelt werden? Der klassische, akademische Ansatz wäre es, die erfolgreiche akademische Qualifikation zum ausschlaggebenden Kriterium zu machen, also z.B. einen M.A. in einem archäologischen Fach. So ist es beispielsweise beim dArV der Fall. Es gibt jedoch Stimmen, die dies für keine gute Lösung halten, weil sie einerseits viele wichtige erfahrene Kräfte ausklammert (Grabungsfacharbeiter, Grabungstechniker, grabungserfahrene Absolventen nicht-archäologischer Fächer wie z.B. Geologie, Anthropologie) und andererseits aus Erfahrung vieler Firmen ein akademischer Abschluss allein nicht unbedingt ein hinreichend taugliches Kriterium ist. Daher werden auch andere Modelle erwogen: Mit den Schlagworten "Zertifizierung" oder "Akkreditierung" verbinden sich Konzepte, bei denen vorab klare Anforderungen definiert sind, deren Erfüllung resp. Nicht-Erfüllung in einem Bewerbungsverfahren vor Eintreten in den Verband geprüft wird. Mit dem Stichwort "Selbstverpflichtung" verbinden sich Modelle, bei denen sich die Eintretenden mit ihrem Eintritt zu bestehenden klaren Regeln bekennen und eine Überprüfung möglicherweis erst stattfindet, wenn Dritte einen Regelverstoß monieren. In diesem Strang der Debatte wollen wir Argumente austauschen und ein Meinungsbild finden, welcher Weg geeigneter wäre.

Dieses Gespräch hatte bereits andernorts begonnen. Diesen Impuls haben wir aufgegriffen und in diesen neuen Thread kanalisiert. Die bereits geäußerten Meinungen dazu haben wir, quasi als Diskussionseröffnung, in diesen Strang verschoben. Sie sind nachfolgend zu lesen. Wir freuen uns auf eine angeregte Debatte zum Thema Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, oder sind Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Präqualifikation / Akkreditierung zielführendere Ansätze?

(Lisa Deutscher, Michaela Schauer, Frank Siegmund)

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raykarl
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 08:59

Hi,

ich will zur Frage der Mindestqualifikation auch noch was sagen:
Mindesthürde sollte der erfolgreiche Studienabschluss (M.A.) in einem archäologischen Fach sein.
...und erzählt allen, die DGUF hätte Euch "akkreditiert". Die Frage ist nur, wen das in der freien Wirtschaft interessiert...
Ich finde die Frage, was die 'freie Wirtschaft' interessiert, durchaus eine interessante. Meiner Erfahrung nach - und dazu gehört gesagt, dass ich natürlich nicht jeden Tag mit der 'freien Wirtschaft' auf Baustellen zusammenarbeite, daher die Erfahrungen von der 'Grabungsfront' nicht habe; aber dafür immer wieder mit Chefs diverser Wirtschaftsbetriebe und VertreterInnen der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) in diversen Verhandlungen zu archäologischen Themen sitze, also Erfahrungen in diesem Kontext sammeln konnte - interessiert die Chefs größerer Wirtschaftsbetriebe und die VertreterInnen der WKO herzlich wenig, ob jemand, der mit ihren Betrieben arbeitet ein Universitätsstudium erfolgreich abgeschlossen hat. Was sie meiner Erfahrung nach interessiert ist, dass jemand, der mit ihren Betrieben arbeitet, das was er tut auch kann; und dass man sich darauf verlassen kann, dass er die Arbeit, die er für sie erledigen soll, termingerecht beanstandungsfrei erledigt. Die termingerechte, beanstandungsfreie Erledigung von in Auftrag gegebenen Arbeiten betrachtet meiner Wahrnehmung nach 'die freie Wirtschaft' als professionelle, d.h. fachmännische, Arbeit.

So wie sich das für mich darstellt, ist die Willigkeit in 'der freien Wirtschaft', der Fähigkeit der Universitäten Glauben zu schenken (lat. accredere), tatsächlich Personal so auszubilden, dass es professionelle Arbeit leisten kann, sehr eingeschränkt. Das zeigt sich übrigens nicht zuletzt auch direkt an der hier vertretenen 'freien Grabungswirtschaft', die genau diese Fähigkeit der Universitäten, ArchäologInnen so auszubilden, dass sie tatsächlich in Grabungsfirmen ohne weiterer Ausbildung zu bedürfen unmittelbar eingesetzt werden könnten, hochgradig in Zweifel zieht; also eben den Universitätsabschlüssen sehr wenig bis gar keinen Glauben schenkt; und zwar nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch soweit ich das sagen kann in den meisten anderen Ländern dieser Welt (definitiv sagen kann ich es auch für GB).

Ob 'die freie Wirtschaft' Willens wäre, den Empfehlungen einer anderen Organisation (sei es eine Kammer, ein Berufsverband, ein Verein, etc.) Glauben zu schenken, die durch ihre (wie auch immer gearteten) Kompetenzprüfungen feststellt, ob Personen und/oder Unternehmen zu fachmännischer Arbeit fähig sind, denen sie dafür dann nach Bestehen dieser Kompetenzprüfung ein - um es erst einmal neutral zu bezeichnen - 'Gütesiegel' ausstellt, ist eine andere Frage und muss sich erst zeigen. Das wird meiner Meinung nach - in erster Linie - davon abhängen, ob die so 'zertifizierten' Personen und/oder Unternehmen dann auch tatsächlich (wenigstens weitgegend termingerechte und beanstandungsfreie, d.h.) fachmännische Arbeit leisten. Wenn dem der Fall ist, wird 'die freie Wirtschaft' den durch diese Organisation abgegebenen Empfehlungen bezüglich dieser Personen bzw. Unternehmen Glauben zu schenken bereit sein bzw. zunehmend Glauben zu schenken beginnen, d.h. die Empfehlungen der Organisation werden als 'Akkreditierung' funktionieren.

Mindesthürde für die Aufnahme in die hier angedachte Organisation sollte daher meiner Meinung nach nachgewiesene fachmännische Kompetenz sein; und zwar völlig unabhängig von der akademischen oder sonstigen Qualifikation der Aufnahmekandidaten. Ein Kompetenznachweis setzt daher selbstverständlich eine einschlägige Ausbildung voraus (weil wie sonst soll der Aufnahmekandidat die notwendige Fachkompetenz erworben haben?); aber keineswegs die konkrete Form der Ausbildung, die vielmehr auch z.B. durch reine 'Berufserfahrung' oder 'Selbststudium' erfolgt sein kann. Das macht eine (wie auch immer geartete) Form der 'Aufnahmeprüfung' notwendig (die die DGUF übrigens weder hat noch einführen will), die zur Unterscheidung zwischen Personen und/oder Unternehmen dient, die fachmännisch arbeiten (können) und daher Mitglieder werden können, und solchen die (noch) nicht Mitglieder werden können, weil sie (noch) nicht fachmännisch arbeiten (können). Idealerweise sollte ein Studienabschluss in einem einschlägigen Fach das Bestehen dieser 'Aufnahmeprüfung' bedeutend erleichtern, aber - nachdem es dabei nicht um akademisches Wissen und akademische Kompetenz, sondern um professionelle Kompetenz geht - keine Mindestvoraussetzung sein.

Liebe Grüße,

Ray
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Jens-M. Barke
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Jens-M. Barke » Do 23. Mär 2017, 10:23

Über die Akkreditierung in eine der CIfA-Kompetenzstufen (aus dem zur Tagungsvorbereitung bereitgestellten pdf Wait, G.: "Das Chartered Institute ..." ArchInf_EV vom 27.08.2016) S. 4:
[...] Die Bewerbungen um eine Akkreditierung beruhen auf Aussagen über die Kompetenz entlang der Begriffe dieser Matrix [S.5] und einem Portfolio an Arbeiten; zudem muss der Bewerber die Erklärung zur fachlichen Ethik („code of conduct“) unterzeichnen. [...]
Dem Qualitätsstandard des CIfA verpflichtet man sich zukünftig durch die Mitgliedschaft (code of cunduct). Ok. Aber wie genau habe ich mir das "Portfolio" vorzustellen? Im Falle (eifrig) publizierender Kollegen ist das vielleicht noch leichter nachvollziehbar, aber was ist mit den anderen? Im Extremfall mit einem Grabungsarbeiter/ -techniker, der nie eine schriftliche (archäologische) wissenschaftliche Arbeit vorgelegt hat? Gelten dort Zeugenaussagen von Kollegen?

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raykarl
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 10:50

Aber wie genau habe ich mir das "Portfolio" vorzustellen? Im Falle (eifrig) publizierender Kollegen ist das vielleicht noch leichter nachvollziehbar, aber was ist mit den anderen? Im Extremfall mit einem Grabungsarbeiter/ -techniker, der nie eine schriftliche (archäologische) wissenschaftliche Arbeit vorgelegt hat? Gelten dort Zeugenaussagen von Kollegen?
Im Portfolio können eine Vielzahl verschiedener Arbeitsbeispiele und/oder Kompetenznachweise enthalten sein. So z.B. kann ein Grabungsarbeiter (der den PCIfA-Status anstrebt, weil 'mehr' kann er wohl nicht kriegen) von ihm gezeichnete Pläne, von ihm gemachte Fotos, von ihm ausgefüllte Kontextblätter etc. als sein Portfolio vorlegen. Diese Arbeitsbeispiele können dann von den Mitgliedern des Aufnahmegremiums des CIfA beurteilt werden, d.h. es kann überprüft werden, ob die Arbeit kompetent erledigt wurde. Ebenfalls eine Möglichkeit seine Kompetenzen nachzuweisen ist, dem Portfolio eine Kopie des mehr oder minder komplett ausgefüllten Archaeology Skills Passport (siehe http://www.archaeologyskills.co.uk/) beizulegen (an einer deutschen Version dieses Skills Passports arbeitet gerade http://www.archaeopublica.eu/ mit Erlaubnis von David Connolly von BAJR, der den Skills Passport entwickelt hat; es wird also in absehbarer Zeit einen deutschen Skills Passport geben). Ebenso beigelegt werden können Zeugnisse über absolvierte formelle Ausbildungen, z.B. Teilnahme an Lehrgrabungen, Laborkursen etc., wobei manche Lehrgrabungen ihre Studierenden wiederum teilweise auch auf Basis eines Portfolios von Arbeitsbeispielen beurteilen, so z.B. die meiner Uni.

Für 'höhere' Kompetenzgrade (ACIfA, MCIfA) muss man dann natürlich 'mehr bieten'. Für ACIfA (etwa: GrabungsleiterIn) sieht das CIfA-Kommittee z.B. gerne Grabungsendberichte, die schon von den zuständigen Denkmals- bzw. Planungsbehörden akzeptiert worden sind (man kriegt da dann ja gewöhnlich eine Bestätigung, dass der Bericht als ausreichend angenommen wurde, da legt man dann einfach den Grabungsbericht und die Bestätigung der Planungsbehörde, dass er nicht bemängelt wird bei); und/oder Projektplanungsdokumente samt (wenn nicht kommerziell sensitiv) Kalkulation und Anbotsunterlagen, Bestätigung des angenommenen Endarchivs dass das erzeugte Archiv auch übernommen werden wird und welche Selektionsstrategien für die Erstellung des Fund- und Dokumentationsarchiv zu verwenden sind, etc. Für MCIfA (etwa: Projektverantwortliche, Firmenchefs, UniprofessorInnen) ist dann entsprechende Dokumentation beizulegen, ein Uniprofessor kann z.B. wissenschaftliche Schriften, Projektanträge, Projektablaufberichte etc. als Portfolio zusammenstellen.

Zusätzlich zum Portfolio braucht man auch jedenfalls zwei Gutachten, idealerweise von einem Dienstvorgesetzten (wenn man noch einen hat) aus der jüngeren Vergangenheit und jemandem, der die Arbeit, die man geleistet hat, als Klient beurteilen kann.

Das CIfA stellt übrigens auch einigermaßen regelmäßig 'Nachforderungen', wenn die vorgelegten Dokumente im Portfolio und die Gutachten dem Aufnahmegremium des CIfA nicht genügen; und empfiehlt auch durchaus KollegInnen, die vielleicht 'etwas zu hoch gegriffen' haben, wenn sie z.B. 'verfrüht' ACIfA statt PCIfA-Status beantragt haben, sich vorerst einmal mit den niedrigeren Kompetenzgrad zu begnügen; oder lehnt Leute auch ab, wenn ihr Portfolio und die Gutachten auch nach Nachforderungen nicht als ausreichender Kompetenznachweis bewertet werden.

Ich hoffe das erklärt das.

Liebe Grüße,

Ray
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Birgit Anzenberger » Do 23. Mär 2017, 11:27

Jetzt bin ich doch tatsächlich etwas irritiert. Ich hatte das Gefühl, dass wir "irgendwann" im ersten Teil der Vor-Tagung schon einmal ziemlich überein gestimmt haben, dass das Gebilde - welchen Namen und welche Form es dann auch immer trägt - ein offenes Haus für alle sein sollte, die für die Archäologie stehen. Jetzt ist plötzlich die Rede von diversen Zugangsbeschränkungen. Habe ich etwas verpasst? Ich bin völlig dafür, dass es für einen Teil der Mitglieder (Firmen welcher Art, Museen, Institutionen, u.a.) einen Modus geben muss, ihre Qualität ein zu ordnen. Aber mit demselben Fuß gleich alle hinaus zu befördern, die noch nichts Entsprechendes vorweisen können, halte ich für falsch. Denn gerade das Einbinden von - sorry - "Randgruppen"(Studenten ;) , Sondengänger, Archäologiebegeisterte etc.) halte ich für sehr wichtig. Ich glaube die Archäologie gewinnt nur an Kraft, wenn wir alle Pflänzchen nach ihren Möglichkeiten einbinden. Und ich bin mir völlig darüber klar, dass das die Frage nach der Form des Gebildes (und ich sage jetzt bewusst nicht "Verband", weil es da sicher wieder rechtliche Fallstricke gibt) nicht vereinfacht. Aber wenn wir jetzt schon mal etwas in Gang setzen, dann kann man doch auch weiter über die bekannten Möglichkeiten (Verband, Kammer, ...) hinausschauen und vielleicht sogar Neuland betreten?
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 12:00

Denn gerade das Einbinden von - sorry - "Randgruppen"(Studenten ;) , Sondengänger, Archäologiebegeisterte etc.) halte ich für sehr wichtig.
CIfA bietet dafür 'nicht akkreditierte' Mitgliedschaften für Studenten und 'Afiliierte' an; d.h. nimmt genau die Unterscheidung zwischen 'qualitätsgeprüften' und '(noch) nicht qualitätsgeprüften' Mitgliedern vor, die Du auch vorschlägst. Entschuldigung, dass ich mich da nicht deutlich genug artikuliert habe.

Davon abgesehen: es spricht meiner Meinung nach auch nichts dagegen, dass auch die genannten 'Randgruppen' qualitätsgeprüfte und damit 'akkreditierte' Mitglieder werden - beim CIfA ist das eben durchaus auch möglich.

Aber ein 'Qualitätssiegel' kann man natürlich nur an solche Personen vergeben, deren fachmännische Kompetenz man auch überprüft hat; und das setzt eine wie auch immer geartete 'Aufnahmeprüfung', die man auch Bestehen und damit gewisse Mindestvoraussetzungen erfüllen muss, voraus. Und die Standards und Regeln, an die sich 'geprüfte Mitglieder' halten müssen, müssen auch von den 'geprüften Mitgliedern' entwickelt werden, d.h. nicht geprüfte Mitglieder dürfen bei der Erstellung 'professioneller Regeln' nicht mitstimmen dürfen, weil sonst kann eventuell eine Mehrheit nicht geprüfter Mitglieder den geprüften Mitgliedern Standards und Regeln aufzwingen, die aus fachmännischer Sicht schlicht und einfach falsch sind. Das macht es zwingend notwendig, dass es fachmännische Mindestanforderungen geben muss, damit man im fachmännischen Bereich auch mitbestimmen darf...

Liebe Grüße,

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Patricia » Do 23. Mär 2017, 13:09

Mit einem derartigen Akkreditierungs- und "Prüfungssystem" kann ich fast leben. Es erscheint mir nachvollziehbar und bei ausreichend großer Mitgliederzahl im Prüfungskommittee umsetzbar. Wichtig ist, dass wir ggf. Politik eliminieren können.

Zudem hätte ich eine ganz eigene - egoistische - Bitte.

Als Späteinsteiger muß es möglich bleiben, den jeweiligen Portfolioumfang erreichen zu können.

Ich habe mit 40 entschieden, das, was ich schon immer machen wollte, aber meine Eltern verhinderten, endlich zu tun. Die Jahre dazwischen waren gezeichnet von einer geradlinigen Karriere im Finanzwesen mit letztlich Personalführung und Management-Aufgaben.

Sehr wahrscheinlich werde ich also die nächsten Jahre kaum in der Lage sein, ein umfangreiches Portfolio zu erarbeiten, bringe aber Qualitäten mit, die durchaus bei Grabungsleitern etc. hilfreich sein könnten.

Für solche "Exoten" wäre es schön, wenn sie trotzdem die Möglichkeit haben, die verschiedenen Stufen zu durchlaufen, was mich zu dem nächsten Punkt bringt.

Muss jede Stufe durchlaufen werden, bevor man den nächsten Schritt geht, oder kann man gleich "oben" einsteigen...?
Studentin der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie und der Mittelalter-Studien an der Universität Hamburg

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 13:26

Für solche "Exoten" wäre es schön, wenn sie trotzdem die Möglichkeit haben, die verschiedenen Stufen zu durchlaufen, was mich zu dem nächsten Punkt bringt.
Muss jede Stufe durchlaufen werden, bevor man den nächsten Schritt geht, oder kann man gleich "oben" einsteigen...?
Beim CIfA muss nicht jede Stufe durchlaufen werden, sondern man kann gleich 'oben' einsteigen. Wie das bei einem deutschen BV wäre (wenn es ein eigener werden soll), kann man natürlich noch nicht sagen, weil das hängt dann davon ab was dessen (stimmberechtigte) Mitglieder beschließen.

Aber um mich selbst als Beispiel herzunehmen: ich bin direkt auf MCIfA-Ebene (bzw. damals noch MIFA) eingestiegen, und zwar recht bald nachdem ich im UK zu arbeiten begonnen habe. Ich war damals noch 'Lecturer', d.h. etwa das Äquivalent zu einem Assistenzprofessor in DE, schon an meiner Uni, für die ich auch jetzt noch arbeite. Den Beitritt - und zwar gleich im höchsten Kompetenzgrad - hat mir damals ein Kollege empfohlen/nahegelegt, der mir dann auch gleich einen der Gutachter gemacht hat, die ich gebraucht habe.

Als Portfolio eingereicht habe ich eine Mischung von verschiedenen Dingen, sowohl wissenschaftliche Artikel als auch Projektanträge, Grabungsendberichte (die ich hatte, weil ich eben den Großteil meiner Karriere hindurch wenigstens auch ein 'grabender' Archäologe war) und, wenn ich mich recht erinnere, auch eine Planung und das 'Kurshandbuch' für eine LV. Mein Portfolio hat also tatsächlich in etwa das Spektrum meiner Arbeit als 'Fachmann' abgedeckt: Forschung inklusive Projektantragstellung, Grabung und Lehre sind immer noch das, was meine hauptsächlichen beruflichen Arbeitsbereiche sind; auch wenn inzwischen noch einiges dazugekommen ist, weil sich sowohl meine Position in der universitären Hierarchie als auch die Anforderungen an den universitären Betrieb seither doch teilweise deutlich geändert bzw. erweitert haben. Ob ich heute noch ein mehr oder minder 'vollständiges' Portfolio einreichen könnte, durch das das gesamte Spektrum meiner derzeitigen Aufgaben und Kompetenzen abgebildet wird, ist eher fraglich bzw. wäre ein Haufen Mehraufwand, der nicht notwendig wäre, weil es ja nur darum geht, dass man Mindestanforderungen erfüllt.

Liebe Grüße,

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon falknaeth » Do 23. Mär 2017, 15:25

Das macht eine (wie auch immer geartete) Form der 'Aufnahmeprüfung' notwendig (die die DGUF übrigens weder hat noch einführen will), die zur Unterscheidung zwischen Personen und/oder Unternehmen dient, die fachmännisch arbeiten (können) und daher Mitglieder werden können, und solchen die (noch) nicht Mitglieder werden können, weil sie (noch) nicht fachmännisch arbeiten (können). Idealerweise sollte ein Studienabschluss in einem einschlägigen Fach das Bestehen dieser 'Aufnahmeprüfung' bedeutend erleichtern, aber - nachdem es dabei nicht um akademisches Wissen und akademische Kompetenz, sondern um professionelle Kompetenz geht - keine Mindestvoraussetzung sein.
Nur um kurz den 75. Schritt vor dem ersten (Gründung des BV) vorwegzunehmen: Wenn man sich vorstellt, wie heterogen sowohl das Arbeitsfeld (Baugrundarchäologie, Forschung(sgrabungen), Museum, Vermittlung, Lehre etc.), die unterschiedlichen Organisationen (Denkmalbehörden, private/ Kommunale/ Landes-Museen, Grabungsunternehmen, Universitäten und Hochschulen etc.) und die verschiedenen Ausbildungen und Berufungen (Grabungstechniker, Grabungsleiter, Dokumentar, Unternehmer?, Lehrender, Forscher, Museumspädagoge, Verleger etc.) sind - wie muss ich mir dann die "Prüfungskommission" vorstellen, welche "Kompetenzen" stellen den Kern da und wie soll eine solche Aufnahmeprüfung von wem durchgeführt werden?
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 16:15

Lieber Falk,
Nur um kurz den 75. Schritt vor dem ersten (Gründung des BV) vorwegzunehmen: ... wie muss ich mir dann die "Prüfungskommission" vorstellen, welche "Kompetenzen" stellen den Kern da und wie soll eine solche Aufnahmeprüfung von wem durchgeführt werden?
:lol: :lol: :lol:

Das greift jetzt aber bitte wirklich gar weit vor.

Wie das genau funktionieren soll, muss sich der BV dann natürlich selber überlegen, aber, um schon wieder das Beispiel CIfA zu bemühen (das eigentlich eh jeder selber auf deren Webseite nachlesen kann):

Das CIfA hat eine sehr generische Kompetenzmatrix für die drei Kompetenzgrade erstellt, die es anerkennt. Diese Kompetenzmatrix findet sich im von Frank Siegmund ja schon andernorts zitierten Artikel von Gerry Wait (siehe http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Wait.pdf, Seite 5) bzw. für die, die nicht so viel scrollen wollen, auch direkt auf der CIfA-Webseite (hier: http://www.archaeologists.net/Matrices, dort finden sich auch die diversen 'Specialist Matrices' für die, die es genauer interessiert).

Das 'Validation Committee' (VC) des CIfA ist die 'Prüfungskommission', die Bewerbungen evaluiert, eventuell 'Nachforderungen' stellt und dann über die Aufnahme oder Ablehnung von BewerberInnen entscheidet. Wie es sich zusammensetzt findet man hier: http://www.archaeologists.net/sites/def ... Regs_0.pdf, auf Seite 4, mit Procedere bis Seite 6. Für Lesefaule kurz zusammengefasst: das Board of Directors (BoD) des CIfA bestellt aus der Gruppe der 'geprüften Mitglieder' das VC, wobei mindestens 5 Mitglieder anwesend sein müssen, dass das VC beschlussfähig ist (wobei es normalerweise, glaube ich, um die 10-11 Mitglieder hat, aber nicht auf Zahlen festnageln, bitte). Das BoD versucht dabei natürlich immer, ein halbwegs ausgewogenes VC zusammenzubekommen, ruft aber immer wieder einmal auf dass sich interessierte Mitglieder bitte melden sollen, vor allem wenn irgendwo 'Lücken' in der Expertise des VC bestehen. Das BoD ist aber natürlich auch drauf angewiesen, wer sich überhaupt bereit erklärt, ins VC zu gehen, weil das ist schon Arbeit und die wird ehrenamtlich erledigt. Prüfen tun die dann das Portfolio und die Gutachten auf Basis ihrer fachmännischen Expertise. Von den Erwägungen und Entscheidungen des VC werden Protokolle geführt und es gibt eine Beschwerde- bzw. Einspruchmöglichkeit, die aber praktisch nie gebraucht wird, soweit ich das weiß.

Ob das immer 100% einwandfrei funktioniert kann man natürlich streiten, aber in der Regel klappt es recht gut, wenigstens ist das mein Eindruck. Wenn überhaupt sind die überpingelig, d.h. machen teilweise KandidatInnen 'Schwierigkeiten', bei denen ich gesagt hätte: 'Keine Frage, aufnehmen'. Wobei sie sich manchmal mit 'atypischen' KandidatInnen besonders schwer tun und da eher 'im Zweifel gegen den Kandidaten' entscheiden, was natürlich ein Problem sein kann...

Ich hoffe das erklärt, wie das bei CIfA funktioniert, auch wenn, wie gesagt, ein deutscher BV (wenn der nicht eine CIfA-Special Interest Group sein soll) wird sich seine Mechanismen dafür selbst überlegen müssen. Und klar: man muss aufpassen, dass das kein Politikum wird, wer aufgenommen wird und wer nicht...

Liebe Grüße,

Ray
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