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Endlich, mit 32 mein erster unbefristeter Job... nur leider nicht in der Archäologie. Lisa Deutscher, Baden-Württemberg

Hier kann man seinen Frust und Zorn artikulieren, aber genauso auch starke und weiterführende Momente sowie gute Tipps für Kollegen in ähnlichen Situationen. Die Geschichten finden hier Gehör, und aus ihnen werden in Summe möglicherweise bislang vernachlässigte Perspektiven und Probleme deutlich, die stärker bedacht werden sollten.
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Lisa Deutscher
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Endlich, mit 32 mein erster unbefristeter Job... nur leider nicht in der Archäologie. Lisa Deutscher, Baden-Württemberg

Beitragvon Lisa Deutscher » Do 9. Mär 2017, 00:16

Als ich meinen Magister in Urgeschichte und Vorderasiatischer Archäologie im Januar 2012 mit einer soliden 1,6 beendet hatte, sah eigentlich alles noch rosig aus. Ich hatte während des Studiums sechs Monate Erfahrung als Museumspraktikantin gesammelt, diverse Grabungen und einen HiWi-Job beim Landesamt für Denkmalpflege hinter mir und ein Auslandssemester in den Niederlanden absolviert.
Nun, fünf Jahre später, bin ich nur noch „hobbymäßig“ in der Archäologie aktiv und verdiene mein Geld mit Online-Marketing. In der ersten unbefristeten Stelle meines Lebens. Mittlerweile 32 Jahre alt, traue ich mich sogar, das Wort „Familienplanung“ in den Mund zu nehmen. Happy End? Nein, dann wäre ich vermutlich nicht hier.

Bis Dezember 2015 arbeitete ich mal mit längeren, mal mit kürzeren Unterbrechungen beinahe durchgehend für das Baden-Württembergische Landesamt für Denkmalpflege. Vor der „Zentralisierung“ der Baden-Württembergischen Denkmalpflege noch als Schaufelkraft und später dann in leitenden Positionen als Grabungsleiterin oder Technikerin. Alles in allem unterschrieb ich in dieser Zeit 14 Verträge, von denen das kürzeste Projekt ganze 29 Tage lief. Das ging so lange gut, bis 2015 die ersten KollegInnen keine Anschlussverträge mehr bekamen. Darauf aufmerksam geworden, dass es offenbar ein Problem gibt, schrieben ein paar KollegInnen und ich an die Personalabteilung und fragten, wie es nach dem Ende unserer derzeitigen Verträge weitergehen würde. Nur sechs Wochen später erhielt ich eine recht unverbindliche Antwort, während andere bereits klare Absagen bekamen. Bestand also noch eine Chance für mich, weil ich im Vergleich zu ihnen weniger lange dabei war? Als gegen Ende 2015 die Grabungsteams für das folgende Jahr zusammengestellt wurden, fragte ich also Ende Dezember noch einmal konkreter an. Diesmal allerdings mit Unterstützung des DGB-Rechtsschutzes. Denn falls die Antwort negativ ausfiele, wollte ich mir vorbehalten, auf Entfristung meiner Stelle zu klagen, um nachher nicht völlig ohne Perspektive dazustehen. Wissend, dass das innerhalb einer Frist von 14 Tagen nach Vertragsende geschehen muss und dass das Personalreferat viel um die Ohren hat, sollte dies die Beantwortung beschleunigen. Was dann auch klappte, aber – Sie ahnen es – negativ ausfiel. So nahm die Sache ihren Lauf. Immer wieder berührt, aber nicht abschließend geklärt wurde die mir persönlich sehr wichtige Frage, ob Rettungsgrabungen eine Daueraufgabe des Denkmalamtes konstituieren oder inhärent projektgebunden sind und also die dauerhafte Anstellung von befristeten Kräften rechtfertigen. Nach etwa einem halben Jahr traf ich einen Entschluss und zog die Reißleine. Ich wollte nicht länger in einer unbefriedigenden Situation verharren und weiter auf eine Anstellung als Archäologin hoffen. Genauso wenig hatte ich vor, zukünftig als Grabungsarbeiterin durch die anderen Bundesländer zu tingeln. Während andere Kollegen ihre Klagen weiterverfolgten, einigte ich mich also auf Anraten der Richterin auf einen Vergleich mit meinem Ex-Arbeitgeber. Zwischenzeitlich hatte ich meine derzeitige "archäologiefreie" Stelle gefunden und mir überlegt, dass ich vielleicht auch Archäologin sein kann, ohne als Archäologin Geld zu verdienen. Das half natürlich.

Obwohl, oder gerade weil ich im Gegensatz zu KollegInnen, die noch in der Archäologie tätig sind oder auf den nächsten Vertrag hoffen, beruflich nichts mehr "zu verlieren" habe, habe ich seither nicht aufgehört, das Thema "Arbeiten in der Archäologie" zu begleiten. Dabei bin ich auch mit der Presse in Kontakt getreten und habe mich vermutlich in gewissen Kreisen etwas unbeliebt gemacht. Ihnen sei gesagt, dass es wirklich nicht böse gemeint ist, aber ich nun einmal unverändert der Meinung bin, dass der momentane Zustand, in dem viele ArchäologInnen vor der Wahl stehen, sehr lange am Existenzminimum zu leben oder die Archäologie an den Nagel zu hängen, nicht tragbar ist. Korrigieren Sie mich, wenn Sie über neuere Forschungsergebnisse verfügen, aber meines Wissens hat sich noch nie irgendetwas zum Besseren verändert, indem man Probleme unter der Decke gehalten hat, anstatt gemeinsam, offen und öffentlich eine konstruktive Lösung für sie zu suchen. Ich wünsche mir von dieser Tagung, dass wir genau das versuchen.

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