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LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

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Jadzia Dachs
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LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon Jadzia Dachs » Di 23. Mai 2017, 23:42

Folgende Email erhielt ich heute von einem Museumsleiter als Antwort auf meine Rechnung. Da es mir um die Sache geht und ich niemanden verpfeiffen möchte habe ich seinen Namen in Dr. NO geändert.

Kurz zu den Hintergründen: der Arbeitstag begann um 9:00 und endete um 16:00 Uhr, zwei Stunden Auf- und Abbau plus 5 Stunden Durchführung. Erstattung der Fahrtkosten wurden mir vorher zugesichert. Der HiWi ist vorher abgesprungen, so dass sein eingeplantes Budget übertragbar ist. Der erhebliche Mehraufwand an Vorbereitungszeit kam durch die Übernahme der Projektplanung zustande, die die Museumsleitung hätte machen müssen. Und selbst dieser wurde aus Rücksichtnahme des vorhandenen Budgets auf meiner Rechnung nicht einmal vollständig gefordert. Und weil Dr. NO sich zu spät bei mir gemeldet hatte, konnte ich das Quiz nur noch auf den letzten Drücker am Samstag im Copyshop ausdrucken, so dass Schönheitskorrekturen zeitlich nicht mehr möglich waren. :mrgreen:


"Hallo Frau Dachs,

 

für Ihre Unterstützung am Internationalen Museumstag möchte ich mich nochmals ausdrücklich bedanken. Leider müsste ich nach Abschluss dringend weg, so dass wir nicht mehr über die Rechnungsstellung eingehen konnten, welche wir aber angesprochen hatten.

 

Ihre Arbeitszeitrechnung müssen Sie noch einmal neu Anfertigen, weicht diese doch signifikant von dem Kostenvoranschlag ab. Das die folgenden Korrekturen keine Freude auslösen werden ist mir bewusst, jedoch sind die Rechnungskorrekturen nicht vermeidbar.

 

 

1.       Durchführung Programm 10-16 Uhr sind bei mir 6 Std. also 150 Euro

2.       Auf- und Abbau können wir so durchgehen lassen, wenn wir Fahrzeiten/Fahrkosten Bahn mit berechnen. Auch wenn diese nicht im Kostenvoranschlag waren.

3.       12 Std. Vorbereitung ist aber im Vergleich mit dem Voranschlag ist haltbar. Die Stunden der ursprünglich angedachte HiWi-Mitarbeiterin lassen sich nicht einfach auf Sie übertragen. Deren Durchführungszeit (6 Std.), Auf- und Abbauzeit (2 Std.)  muss rausgerechnet werden, da dies aktive Unterstützung wäre, die sie während ihrer eigenen Durchführungs, Auf- und Abbauzeit nicht gleichzeig ausführen können. Die HiWi-Kraft hätte auch keine Vorbereitungszeit gehabt.
Dass Sie offenbar mehr Vorbereitungszeit hatten, als in Ihren Kostenvoranschlag angegeben, ist für uns überraschend, sind wir doch, wie der Kostenvoranschlag nahelegt und anzeigt, davon ausgegangen, dass Sie als erfahrene Museumspädagogin ihre Programmpunkte grundsätzlich in der non Ihnen selbst angegebenen Zeit vorbereiten können. Eine Verdreifachung können wir daher finanzrechtlich nicht hinnehmen. Dies hatte ich Ihnen gegenüber auch bereits am Sonntag erwähnt.
Als Kompromiss kann ich Ihnen 2 Stunden zusätzlich gewähren, so dass Sie 6 Std. Vorbereitungszeit in Rechnung stellen. Eine größere Abweichung zu Ihrem Kostenvoranschlag ist nicht möglich und kann ich argumentativ auch keiner Rechnungsprüfung überzeugend darlegen.

 

Die 28,90 für die Spielkarten werden wir übernehmen, auch wenn die Beschriftung der Spielkarten auch für junge Augen bestenfalls mit Lupe lesbar ist.

Mein gut gemeinter Rat: Eine Probeseite s/w Normalpapier im Endmaßstab ausdrucken. Nach dem Angebot dachte ich auch, dass das als kostenlos angegebene Hominidenquartett spielfertig vorliegt.

 

 

Mit freundlichem Gruß

Dr. NO"

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Re: LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon MaryJane » Mi 24. Mai 2017, 08:01

Liebe Jadzia,
Da es mir um die Sache geht und ich niemanden verpfeiffen möchte habe ich seinen Namen in Dr. NO geändert.
Das ist auch im eigenen Interesse sinnvoll. Ich will hier sicher niemanden verschrecken, aber mit Pech hast Du sonst auch noch eine Verleumdungsklage am Hals, und die von Dir geschilderten Hintergründe lassen sich vermutlich nicht ohne weiteres beweisen :( :evil:
. Der erhebliche Mehraufwand an Vorbereitungszeit kam durch die Übernahme der Projektplanung zustande, die die Museumsleitung hätte machen müssen. Und selbst dieser wurde aus Rücksichtnahme des vorhandenen Budgets auf meiner Rechnung nicht einmal vollständig gefordert.
Jede gute Tat wird bestraft :roll: ... Da Du vermutlich darauf angewiesen bist, dafür zu sorgen, dass Dein Angebot auch klappt, scheint das dem Museum ganz wunderbare Möglichkeiten des kostenlosen "Outsourcing" zu eröffnen. Und grade bei Planung, Vorbereitung, Orga lässt sich hinterher leicht sagen: "Da war doch nix." Meiner Meinung nach sind das die richtig fiesen Tücken der Scheinselbständigkeit.

Ganz liebe Grüße und gute Nerven,
MaryJane
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Re: LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon falknaeth » Mi 24. Mai 2017, 09:25

Der HiWi ist vorher abgesprungen, so dass sein eingeplantes Budget übertragbar ist...

"Hallo Frau Dachs,

 ...

1.       Durchführung Programm 10-16 Uhr sind bei mir 6 Std. also 150 Euro

...

3.       12 Std. Vorbereitung ist aber im Vergleich mit dem Voranschlag ist haltbar. Die Stunden der ursprünglich angedachte HiWi-Mitarbeiterin lassen sich nicht einfach auf Sie übertragen. Deren Durchführungszeit (6 Std.), Auf- und Abbauzeit (2 Std.)  muss rausgerechnet werden, da dies aktive Unterstützung wäre, die sie während ihrer eigenen Durchführungs, Auf- und Abbauzeit nicht gleichzeig ausführen können. Die HiWi-Kraft hätte auch keine Vorbereitungszeit gehabt.
Hallo Frau Dachs,
vielen Dank für dieses schöne Beispiel der bürokratischen Rechnungsfalle: Outsourcing geht oft aus einem "Sachmittelbudget", dass fest positioniert ist: Eine Übertragung einer Position auf eine andere bereitet in der bürokratischen Buchführung dann Schwierigkeiten bzw. wird vom öffentlichen Auftraggeber gescheut, um hausinterne Rechtfertigungen zu vermeiden (evtl. ging das Geld für den HiWi gar aus dem Topf für Personalkosten?) Eine Flexibilisierung der Finanzmittel wäre da wahrscheinlich hilfreich - oder ein flexiblerer "Dr. NO", der nicht nur im "low-cost-Modus" verharrt, um ja seiner Finanzverwaltung keinen Ärger zu bereiten.

Auch klingt das Ganze für mich nicht weit ab von den Argumenten, die ich immer von den "Sparfüchsen" unter den Grabungsfirmen zu hören bekomme: Am Besten den Grabungsleiter (scheinselbständig) per Werkvertrag hinzuziehen - da hat man nicht nur die Mehraufwände gespart, sondern die Vernatwortung gleich mit. Übertragen auf "Dr. NO" heißt das: Die Verantwortung für eine gute Museumsvermittlung (von der 1:1 die Besucherzahlen abhängen, welche ein Museum am Ende des Jahres auch der Gemeinde/ Stadt/ Kommune vorzeigen muss, um sich zu legitimieren) wird abgeschoben auf "Selbständige". Und wenn irgendetwas in der Organisation, Unterstützung oder Vorbereitung des Museums nicht klappt entsteht für das Haus kein finanzielles Risiko - nur für den "Selbständigen". Die Risiko-Balance ist hier wirklich zu Ungunsten der "freien" Museumspädagogen verschoben...
"Größtmöglicher Erfolg oder eine vernünftige Alternative!" (Hägar der Schreckliche)

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Re: LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon Jadzia Dachs » Do 25. Mai 2017, 00:00

Liebe Mary,
lieber Falk (ich bin so frech und hoffe, die Ansprache beim Vornamen ist okay so?),

vielen herzlichen Dank für Eure Antworten.
und die von Dir geschilderten Hintergründe lassen sich vermutlich nicht ohne weiteres beweisen
Ääähm, bedingt. Wenn es um die mündlichen Absprachen geht, hast Du sicherlich recht, weil im schlimmsten Fall Aussage gegen Aussage stünde. Andererseits sind Arbeitspapiere nachweisbar, die in ihrer Form nicht ohne einen gewissen Mindestaufwand entstanden sein können. Auch der zeitliche Aufwand für die Kommunikation über Telefon oder soziale Medien und Emails lässt sich sicher nachvollziehen. Da müsste sich Dr. NO schon raffinierte Erklärungen einfallen lassen, um das alles auszuhebeln. ;)

Der Wunsch nach "guten Nerven" trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Denn so ein existentieller Stress sorgt für eine ordentliche Portion Kopfschmerz. Danke Dir!

Die Verantwortung für eine gute Museumsvermittlung (von der 1:1 die Besucherzahlen abhängen, welche ein Museum am Ende des Jahres auch der Gemeinde/ Stadt/ Kommune vorzeigen muss, um sich zu legitimieren) wird abgeschoben auf "Selbständige". Und wenn irgendetwas in der Organisation, Unterstützung oder Vorbereitung des Museums nicht klappt entsteht für das Haus kein finanzielles Risiko - nur für den "Selbständigen". Die Risiko-Balance ist hier wirklich zu Ungunsten der "freien" Museumspädagogen verschoben...
Der freie Museumspädagoge wird nicht nur finanziell ausgebeutet, er muss zusätzlich noch als Sündenbock den Kopf hinhalten und wird angepault, wenn etwas schief läuft. Das schärfste, was ich heute noch zurückbekam war der Satz: "Im Übrigen gibt es tatsächlich Menschen, die arbeiten mehr für weniger." Einmal davon abgesehen, dass Dr. NO so tut, als hätte ich nichts oder nur wenig getan, was bei meinem Arbeitsaufwand und Engagement schon eine echte Frechheit ist, wird damit schlechte Bezahlung gerechtfertigt. Weil auch andere sich als Sklaven behandeln lassen, hast du auch nicht mehr verdient.


Viele liebe Grüße an Euch,
Dax

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Re: LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon falknaeth » So 28. Mai 2017, 22:07

Hallo Dax,
in einer anderen Sektion wird gerade über Sanktionen diskutiert, die man über einen BV durchführen könnte. Gerade bei Typen wie Dr. NO sehe ich hier eine Herausforderung: Wie schafft man es, ein solches Verhalten, das zudem durch andere "Mitbewerber", die sich ausbeuten lassen, gestützt wird, direkt sanktionieren? Das ginge eigentlich nur eine breitere Aufstellung und Organisation der "Freiberuflichen" Museumspädagogen...

Ich finde es in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass sich der BfK in letzter Zeit sehr in Sachen "Scheinselbständigkeit" engagiert - leider für meinen Geschmack in eine recht einseitige Richtung (Rechtfertigung halb-abhängiger Verhältnisse, statt echter Strukturarbeit).Im letzten Newsletter (03/2017) wird jedoch immerhin die Höhe des Honorars als Kriterium für eine "echte" Selbsrändigkeit betont und auf folgenden Link verwiesen, den ich hier gern wiedergebe:
https://www.vgsd.de/bundessozialgericht ... gkeit-ein/

Vielleicht wäre diese Argument auch bei Verhandlungen mit Dr. NO angebracht?

Liebe Grüße, Falk
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Re: LIVE: Missbrauch an der Arbeitskraft

Beitragvon Jadzia Dachs » So 28. Mai 2017, 23:23

Lieber Falk,

vielen vielen Dank. Das ist ein sehr schöner Link! Weil er doch damit quasi auch aussagt, dass sogar nach dem BSG unsere Honorare, die ja brutto sind, netto sein müssten.

Ich muss zu meiner Lausigkeit auch zugeben, dass ich in der letzten Zeit die anderen Threads ohne mich einzuloggen und nur alle paar Tage mal gelesen habe. Das tägliche Mitbloggen ist schon sehr Zeit-und Energie-aufwendig. :red:


Liebe Grüße,
Dax


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