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4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Was und wen soll ein erfolgreicher Berufsverband für die Archäologie umfassen? Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Grabungsfirmen für Studierende und Studierende von ihren Universitäten?
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Sascha Piffko » Mo 27. Mär 2017, 13:00

Meine Firma hat in diesem Jahr eine Einführung in die berufliche Praxis der Archäologie an der Uni angeboten. Wir haben mit den Studenten Flächen vermessen, Feldbegehungen und Geomagnetik durchgeführt und anschließend die Ergebnisse ausgewertet. Mir ging es hierbei weniger um die Technik der Methoden als um die Heranführung an professionelles Arbeiten (Vorbereitung, Sicherheit, Betretungsrechte, Eigentum der Funde, ...). In Zukunft will ich auch andere Aspekte des Berufes den Studierenden näherbringen und natürlich auch Grabungspraktika etc. anbieten.
Sinnvoller jedoch wäre eine entsprechende Bildung der Studenten durch Fachleute die auch exakt die rechtlichen und finanziellen Hintergründe, die Fallstricke und Probleme systematisch benennen können.
Hier bestünde eine gute Möglichkeit dass ein Berufsverband diese Fachleute ausbildet und an die Unis entsendet. Über von der Uni finanzierte Kurse/Module könnten vielleicht bezahlte Arbeitsplätze im Verband entstehen, zugelich würden Berater und Kontaktpersonen an den Unis erscheinen, Werbung für den Verband würde gemacht...
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Patricia » Di 28. Mär 2017, 00:25

Sascha Piffko, das hört sich klasse an.
Wenn ich mir das so ansehe, dann fühl ich mich gerade gut aufgehoben. Ende dieser Woche ist mein 1. Semester vorbei. Ich hab aber schon einen Kurs Feldbegehung mit dem Kreisarchäologen hinter mir, einen Kurs über "Grundlagen Archäologischen Arbeitens" mit ganz alltäglichen Dingen (z.B. Vergesst den Nordpfeil nicht auf dem Foto; wo würdet ihr einen Schnitt legen; welche Methoden eignen sich wofür), dann hab ich 3 Tage Feldbegehung gemacht und bin gerade dabei im Sommer 2 Wochen Geomagnetik und 4 Wochen Lehrgrabung zu händeln.

Ist das Eurer Meinung nach 'sehr praktisch' oder wissenschaftlich? Denn eines ist klar - nach dem Studium sollte ich in der Lage sein, arbeiten zu können. Ich muss noch nicht alles können, aber die Universität sollte mich darauf vorbereiten, Geld verdienen zu können!

Wer Engagement und Interesse im Studium zeigt, hat die Chance, die praktische Ausbildung zu erhalten. Partnerschaften mit der Privatwirtschaft oder Kreisarchäologen etc. scheinen eine gute Möglichkeit zu sein.

Das Problem, dass ich aber immer wieder sehe, ist das Thema der Etatkürzungen der Universitäten. Externe Dozenten müssen bezahlt werden. Die tolle Möglichkeit, vom 'aktiven Wissen der Grabungsleiter' zu partizipieren, könnte in Zukunft immer schwieriger werden...oder verlagert sich auf die vorlesungsfreie Zeit oder in Urlaubssemester (selbst organisiert)...was das Studium noch zusätzlich verlängert. Da müsste meiner Meinung nach aufgepasst werden. Schließlich will ich mein Studium in einem überschaubaren Zeitraum beenden und nicht zu einem Grabungsarbeiter werden, der nebenbei studiert...und generell zusehen muss, dass er mit Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient.
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Michaela Schauer » Di 28. Mär 2017, 08:54

Liebe Patricia,
vorab, das hier ist auch wieder eine sehr persönliche Meinung.

Es gibt aus meiner Sicht einen großen Unterschied zwischen 'wissenschaftlichen' Projekten (Lehrgrabung, Prospektion etc.) und 'wirtschaftlichen' Projekten (Rettungsgrabungen).
Auf meinen Lehrgrabungen habe ich einen Einblick in viele Teilbereich bekommen, Spezialisten getroffen, die ich sonst nie kennen gelernt hätte, bin in Länder gekommen die ich vorher nicht kannte und habe mich vor allem auch persönlich weiter entwickeln können. Ich hab gerade auf Grabungen einen allgemeinen Einblick bekommen, ein bisschen Zeichnen, ein bisschen Fotografieren, ein bisschen Graben, manchmal ein bisschen Schnittsysteme aber auch nicht immer. Prospektionen verschiedener Art schulen das archäologische Auge und gerade Geophysik macht einfach enorm Spaß (auch das mache ich seit einiger Zeit in meinem 'Urlaub'). Für alle diese Dinge nehme ich mir im Sommer frei und mache auf Projekten meinen 'Jahresurlaub' - und ich bin damit sehr glücklich und geniese diese Zeit sehr.

Allerdings muss ich für mich auch sagen, dass diese wissenschaftlichen Grabungen mich nicht wirklich auf eine privatwirtschaftliche Grabung vorbereitet haben. Man hat auf wissenschaftlichen Projekten weder mit Auschreibungen, Flächenorganisation, Mitarbeiterorganisation, Materialbeschaffung noch mit den alltäglichen 'unvorhergesehen Dingen' einer privatwirtschaftlichen Grabung zu tun. Die Entscheidung, ob bei diesem oder jenem Wetter gegraben wird, trifft auf der Lehrgrabung der Verantwortliche nicht man selbst. Ein wütender Bauherr taucht auch seeehr selten auf einer Fläche auf. Die Presse muss nicht 'verscheucht' werden, die Kommunikation mit den Ämtern laufen über eine deutlich höhere Ebene, eine kaputte Kamera wird durch den HiWi versorgt. Die Grabung wird am Laufen gehalten ohne, dass der Student etwas mit der Organisation der Abläufe zu tun hat.
Auch ist die Zeit ein sehr wichtiger Faktor auf einer privatwirtschaftlichen Grabung - Zeit ist Geld (genauer, Zeit + Qualität = Geld). Auf einer wissenschaftlichen Grabung gilt das meistens eher nicht da die Grabungszeit über Verträge abgesichert ist. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es macht einen deutlichen Unterschied ob ich für 10 Gräber zwei Jahre oder zwei Wochen Zeit habe.
Und - damit sind wir wieder beim Thema anderer Threads - der Lohn ist fest gelegt bzw. es ist klar, man verdient auf einer Lehrgrabung nichts (oder nahezu) weil man hier eine Ausbildung bekommt die einem beibringen soll, wie man wissenschaftlich korrekt arbeitet. Und das ist auch gut so! Das ist der 'Job' einer Lehrgrabung. Aber die Realität sieht meistens anders aus als das, was man in einem 'Aquarium Lehrgrabung' zu sehen bekommt.

Um also deine Frage aus meiner Sicht zu beantworten: Nein, nichts ersetzt jahrelange Praxis (die man in einer Grabungsfirma bekommt).

Ich denke, was die Kurse durch 'Praktiker' angeht - hier würde sich einiges Regeln lassen, wenn Firmen auch an der Ausbildung (der praktischen Ausbildung!) Teil haben dürfen und die Integration eines Studenten in den Laufenden Betrieb 'etwas bedeutet' und auch für das Studium einen Mehrwert hat. Soweit ich weiß kann bis dato eine Firmengrabung im Studium nicht anerkannt werden - man muss gezwungenermaßen eine Lehrgrabung besuchen (Im Übrigen auch wenn man zuvor schon eigene Grabungen geleitet hat...).

Und auch hier aus dem Nähkästchen geplaudert - ich arbeite seit vor meinem Studium in der Archäologie und das ist gut mit dem Studium vereinbar. Für mich wäre es auch unmöglich ohne einen Nebenjob über die Runden zu kommen, d.h. arbeiten muss ich so oder so und dann lieber gleich in der Archäologie. Meine Studienzeit hat sich dadurch nicht verlängert, aber ja es war mehr Aufwand und mehr Stress, gerade wenn 'nebenbei' noch Überstunden aufgebaut werden wollen, damit man im Sommer auf Projekt kann. Aber aus meiner Sicht ist es das wert!

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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Sascha Piffko » Di 28. Mär 2017, 09:52

1) Zu unserer Lehrveranstaltung:

Wir haben diese Veranstaltung mit 3 sehr erfahrenen Mitarbeitern durchgeführt, teilweise abwechselnd, teilweise miteinander. Dafür gab es ein Honorar von 1.000,- €. Das ist für die Firma finanziell absolut unrentabel. Aber: eine gute Werbung und ein guter Kontakt zur Uni, Möglichkeit für Nachwuchswerbung. Die Ich sehe das als "Sponsoring". So dürfte es auch die Kreisarchäologie sehen wenn solche Veranstaltungen angeboten werden.

2) Grabungspraktikum

Wer bei mir Praktikum macht, wird im Verlauf des Praktikums in den verschiedensten Bereichen eingesetzt: Ausgrabung, Dokumentation, Restaurierung, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Recherche. Die Uni, die dieses Praktikum nicht anerkennt, sollte nochmal nachdenken...
Auch die (bezahlte) Arbeit in Grabungsfirmen sollte angerechnet werden, ansonsten ist die Uni nämlich gesetzlich verpflichtet, selbst Lehrgrabungen anzubieten.

3) Arbeit parallel zum Studium:

ich selbst habe mein Studium in der zweiten Hälfte ebenfalls durch Grabungsjobs finanziert. Nur dadurch konnte ich später auch in der Praxis Fuß fassen in der Grabungsbranche. Wer erst nach seinem Abschluss das Ausgraben lernen muss, der hat schlechtere Chancen. Wobei ich auch die Museumsarbeit, Pressearbeit, Arbeit am Amt etc. dringend den Studenten ans Herz legen will, leider ist hier das Angebot dünner.
Durch das Bachelor-Studium sind die Bedingungen für die Arbeit in der Praxis für Studenten deutlich schlechter geworden. Ich konnte früher tatsächlich viele Monate am Stück in den Semsterferien auf Grabungen arbeiten oder auch tageweise während des Studiums, wenn ich den Stundenplan passend gelegt hatte. das ist heute leider meist nicht mehr so möglich was absolut bedauernswert ist.

4) Lehrgrabungen, FieldSchools, Forschungsgrabungen, Ehrenamtsgrabungen

Absolut empfehlenswert, insbesondere wenn auch mal im Ausland. Wunderbare Sache von der man noch Jahre später gerne erzählt. Aber der Begriff"Aquarium" trifft es sehr gut. Außerdem unbedingt eine Qualitätskontrolle hierbei einführen. Gerade auf diesen nicht-kommerziellen Grabungen wird sehr viel Unsinn getrieben. Und leider zerstört oft die "Ferienlagerstimmung" und das akademische Klima den Sinn für professionelles Arbeiten. Trotzdem: tolle Sache!
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon raykarl » Di 28. Mär 2017, 10:13

Hi Sascha,
Die Uni, die dieses Praktikum nicht anerkennt, sollte nochmal nachdenken...
Ja, das sollte sie. Aber man darf nicht vergessen, dass Unis auch gewissen Zwängen unterliegen... :(
3) Arbeit parallel zum Studium:
Ich habe mir auch einen guten Teil meines Studiums mit Grabungsarbeit neben dem Studium verdient. Ich habe aber den Eindruck, dass das zu der Zeit, als wir studiert haben, um ein großes Vielfaches leichter war, als es das heute ist. Das liegt auch, aber nicht nur, an der mit der Bologna-Architektur einhergehenden 'Verschulung' des Studiums. Es liegt aber auch daran, dass man heute schneller fertig werden sollte, als das früher der Fall war, was auch nicht zu unterschätzende Vorteile hat.
4) Lehrgrabungen, FieldSchools, Forschungsgrabungen, Ehrenamtsgrabungen
Dass es bei Lehrgrabungen etc. anders zugeht als auf kommerziellen Grabungen, hat ja auch durchaus Sinn; ebenso wie dass diese Grabungen auch Spaß machen (sollen). Ein Lehrumfeld ist einfach was anderes als ein 'normales' Arbeitsumfeld und muss das auch sein.
Außerdem unbedingt eine Qualitätskontrolle hierbei einführen.
Dazu gibt es heuer auf der EAA eine Session, organisiert von Katharina Möller, Terry Majewski und Edoardo Bedin (siehe https://www.klinkhamergroup.com/eaa2017 ... /index.php, Session #326 'Developing professional standards for archaeological fieldwork training'. Wer also auf der EAA ist und sich für das Thema interessiert: hingehen!

Liebe Grüße,

Ray
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Patricia » Di 28. Mär 2017, 10:36

Also, wie immer - man lernt, einen Brand zu löschen, in dem man sich in einem sicheren Terrain aufhält; nichts, aber auch wirklich nichts, kann die Atmosphäre des tatsächlichen Drucks nachahmen, wenn das Sicherheitsnetz fehlt.

Aber dann wäre es doch meiner Meinung nach fahrlässig, wenn ich Lehrgrabungen rein durch die "Verantwortlichen" organisieren lasse und alles abfedere. Mehr Sinn - auch didaktisch - macht doch die Lehrgrabung, die von den höheren Semestern oder MA-Kandidaten organisiert wird. So lernen diese, "an alles zu denken" und gleichzeitig auch didaktisch zu arbeiten - den jüngeren Semestern Inhalte zu vermitteln. Mal ganz ab von so "unwichtigen" Dingen wie Teamarbeit, Kommunikation, Verantwortungen etc.

Ich glaub, ich muß noch schneller Studieren...mir fallen da so viele Optimierungsmöglichkeiten ein... :lol: :lol: :lol: :lol:
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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon raykarl » Di 28. Mär 2017, 10:50

Aber dann wäre es doch meiner Meinung nach fahrlässig, wenn ich Lehrgrabungen rein durch die "Verantwortlichen" organisieren lasse und alles abfedere. Mehr Sinn - auch didaktisch - macht doch die Lehrgrabung, die von den höheren Semestern oder MA-Kandidaten organisiert wird. So lernen diese, "an alles zu denken" und gleichzeitig auch didaktisch zu arbeiten - den jüngeren Semestern Inhalte zu vermitteln. Mal ganz ab von so "unwichtigen" Dingen wie Teamarbeit, Kommunikation, Verantwortungen etc.
Jein. Bis zu einem gewissen Grad kann man das natürlich machen (und wir z.B. versuchen das mit unserer 'Lehrgrabung 2'), aber letztendlich ist es unter anderem versicherungstechnisch, ökonomisch und aus gleich noch ein paar anderen Gründen unumgänglich, dass die Letztverantwortung für die Grabungsorganisation bei Personal liegt. Einbinden in die Grabungsorganisation kann man Studierende natürlich durchaus. Allein machen lassen kann man sie es nicht. Leider!

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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Michaela Schauer » Di 28. Mär 2017, 10:57

Mehr Sinn - auch didaktisch - macht doch die Lehrgrabung, die von den höheren Semestern oder MA-Kandidaten organisiert wird.
Ja, das stimmt - komm auch vor und einige MA-Kandidaten werden auch mit einbezogen, aber - eine Lehrgrabung hat einen Grabungsleiter, der von der Uni kommen muss und max. zwei HiWis die die Assistenz der Grabungsleitung machen (aus finanziellen Gründen). Die Organisation im Vorfeld muss durch die Uni kommen, einfach aus rechtlicher und 'hoheitlicher' Sicht. Diese Verantwortung kann nicht an Studenten gehen. Die zwei MA-Kandidaten sind auch für die Ausbildung etc. zuständig und vermitteln Dinge wie
"an alles zu denken" und gleichzeitig auch didaktisch zu arbeiten - den jüngeren Semestern Inhalte zu vermitteln. Mal ganz ab von so "unwichtigen" Dingen wie Teamarbeit, Kommunikation, Verantwortungen etc.
wenn (!) sie es davor gelernt haben (denn um es zu vermitteln sollten sie es selber schon können) - und wo sollen sie üben? Wenn man als MA-Kandidat auf einer Lehrgrabung die 'Lehre' mit übernimmt muss man sich aus meiner Erfahrung auch vor der Grabungsleitung zuvor als 'würdig' erwiesen haben...

Und rein rechnerisch: Es können zwei MA-Kandidaten pro Grabung teilnehmen und 'leiten' - was ist mit den ganzen anderen MA-Kandidaten die nicht an die Reihe kommen?

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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Patricia » Di 28. Mär 2017, 12:10

wenn (!) sie es davor gelernt haben (denn um es zu vermitteln sollten sie es selber schon können) - und wo sollen sie üben? Wenn man als MA-Kandidat auf einer Lehrgrabung die 'Lehre' mit übernimmt muss man sich aus meiner Erfahrung auch vor der Grabungsleitung zuvor als 'würdig' erwiesen haben...

Und rein rechnerisch: Es können zwei MA-Kandidaten pro Grabung teilnehmen und 'leiten' - was ist mit den ganzen anderen MA-Kandidaten die nicht an die Reihe kommen?
Klar. Das ist letztlich wie bei Tutorien. Auch diese Studenten müssen sich zuerst beweisen...und vielleicht wollen ja auch gar nicht alle "ausbilden". Mit der Zeit würde sich das sicher einpendeln.

Vielleicht ist es auch eine Frage der Eigeninitiative der Studenten, dies beim Lehrpersonal einzufordern. Natürlich muss ein Vertreter der Uni letztlich die Verantwortung tragen. Die Frage ist aber, ab wann er/sie diese Verantwortung aktiv ausführen muss. Die Idee, die Ray letzte Woche anbrachte, die `verantwortlichen Studenten´nach den Erfolgen der ´Angeleiteten`zu bewerten, erscheint mir ein sehr! realer Ansatz, um einen gewissen Erfolgsdruck/Leistungsdruck zu erzeugen, der dem "normalen" Druck schon recht nah kommt.

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Re: 4. Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Studierende von ihren Universitäten?

Beitragvon Jadzia Dachs » Di 28. Mär 2017, 22:13

Liebe Patrizia,

da haben Ray und Michaela vollkommen recht. Es ist verantwortungslos, selbst einem Überfliegerstudenten die Organisation eines Forschungsprojektes ganz oder in Teilen zu überlassen. Da geht es ja nicht nur um die fachlichen Skills, sondern auch um logistische Sachen wie Reise zum Grabungsort, ggf. Flüge, saubere Unterkünfte und die Verpflegung des Grabungsteams, Sicherheitsvorkehrungen, medizinische Notfallversorgung. Oder möchtest Du vielleicht in einem Entwicklungsland nach einem blutigen Spitzhackenunfall im Krankenhaus landen? ;)

Das ist noch mal mein Anliegen, auch wenn es mich vielleicht nichts mehr angeht: bitte um eine gut ausgerüstete und geeignete Notfallapotheke für jede Auslandsgrabung und dringend Erstehilfekurse wenigstens für Schnittleiter zur Pflicht!!! :!:

LG Dax


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