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3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

In dieser Sektion geht es um "Meine Geschichte, meine Erfahrungen", um das Thema Ehrenamt und Citizen Science sowie um faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen.
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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Leif Steguweit » Mi 26. Apr 2017, 22:35

Hallo Herr Prill,
der Fortschritt ist bekanntlich eine Schnecke... Naja, wir werden sehen, was wir konstruktiv auf die Beine stellen können, ich werde nächste Tage einen Opener für eine der kommenden Sektionen schreiben. Ansonsten seh ich dieses Forengedöns relativ gelassen, so ist das halt in Internetforen. Der eine oder andere wird vielleicht dieses verlinkte Schreiben mit Interesse lesen, denn in Bayern sind einige Entwicklungen dann doch weiter als in anderen Bundesländern, was Marktliberalisierung betrifft.

So long, LS

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Frank Siegmund
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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Frank Siegmund » Do 27. Apr 2017, 08:13

SAB-bashing führt uns nicht weiter. So unterhaltsam die Polemik für's Publikum sein mag, sie beendet letztlich jeden Dialog. Ich rege an, etwas umfassender und "wissenschaftlicher" vorzugehen. Es gibt regionale Organisationen von Firmen ("Arbeitgeberverbände"?) wie z.B. SAB in Bayern, VAF in Nordrhein-Westfalen. Was haben diese erreicht, was wollen und können diese realistischerweise in naher Zukunft erreichen? Da sollte man die von Leif Steguweit angeführte offizielle Erwähnung durchaus als Erfolg gelten lassen. So, etwas gelassener gefragt, können wir jede Organisation vergleichend als historische Erfahrung nutzen. Wir haben ja auch echte oder sog. Berufsverbände, wie z.B. dArV, BfK - an diese sollten wir die gleichen Fragen stellen. Also ein Raster aus Organisationen und Organisationsformen, gleiche Fragen/Kriterien an alle anlegen, dann die Taten und berechtigten Hoffnungen in das Raster einsetzen und das Gesamttableau bewerten. An anderer Stelle im Forum erarbeiten wir gerade das Anforderungsprofil an einen BV. In Summe kämen da ohne Polemik nachvollziehbare Ergebnisse zusammen.
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Grund: Typo im Namen bereinigt; "sorry" an den Betroffenen!

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Folke Prill » Do 27. Apr 2017, 13:54

Hallo Herr Siegmund,

Es war und ist nicht meine Absicht, ich denke, auch die anderen Mitglieder des Forums, die sich zur Meinung von Herrn Steguweit äußerten, sehen das so, den SAB zu beschimpfen. Auch bin ich Herrn Steguweit persönlich nicht feindlich gesinnt, was Polemik im Sinne des Meinungsstreits ja bedeutet! Ganz im Gegenteil, ich lasse mich gern durch gute Argumente von einem anderen Konzept überzeugen.

Worin ich Ihnen uneingeschränkt zustimme, ist, dass die gestellten Fragen an jeden der existierenden Verbände / Vereine gestellt werden sollten um die Ursachen zu ermitteln und daraus ein entsprechendes Konzept für ein besseres Gelingen in der Zukunft zu ermitteln.

Viele Grüße Folke Prill
in dubio pro reo

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Polemik

Beitragvon raykarl » Do 27. Apr 2017, 18:01

Hi,
Auch bin ich Herrn Steguweit persönlich nicht feindlich gesinnt, was Polemik im Sinne des Meinungsstreits ja bedeutet! Ganz im Gegenteil, ich lasse mich gern durch gute Argumente von einem anderen Konzept überzeugen.
Nur weil es aufgekommen ist und nicht als Kritik an Folke Prill gemeint, sondern ganz allgemein zum Thema Polemik:

Ich habe dieses Getue, dass Polemik etwas Schlechtes wäre oder unbedingt etwas mit Feindseligkeit oder Untergriffigkeit zu tun haben müsste und man deshalb nicht polemisch argumentieren dürfe sowas von satt! Polemik im klassischen Sinn ist nichts anderes als der Versuch, im rethorischen Wettstreit seinen Argumenten zum Durchbruch zu verhelfen, statt einen Konsens zu finden zu versuchen. Ein ordentliches wissenschaftliches Argument ist immer polemisch, weil es eine durch Evidenzen unterstützte Aussage darstellt, deren Wahrheit (oder wenigstens deren Richtigkeit, wenn wir den Wahrheitsbegriff nicht mögen) wenigstens unterstellt, wenn nicht sogar explizit behauptet wird. Damit kann man, wenn es zwei einander gegenseitig ausschließende wissenschaftliche Argumente gibt, nicht einen "Konsens" zwischen ihnen finden, sondern es stimmt entweder das eine oder das andere (oder beide sind falsch, ohne dass daraus abgeleitet werden kann, dass "die Wahrheit in der Mitte" zwischen diesen beiden Argumenten liegt). In einem wissenschaftlichen Meinungsstreit geht es letztendlich darum, zu zeigen, dass die jeweils andere Erklärung als die, die man selbst für richtig hält, falsch ist; und das sollte man auch klar und deutlich sagen, d.h. auch in 'scharfen Worten', weil es in Watte zu verpacken, um die Emotionen der Vertreter der angegriffenen Meinung zu schonen, letztendlich wissenschaftlich schädlich ist, weil es eben verschleiert, dass und warum etwas falsch sein muss.

Nur um das auch Mal gesagt zu haben! (Und irgendwann schreibe ich auch noch einmal einen polemischen Artikel zur Verteidigung der Polemik.)

Liebe Grüße,

Raay
Prof. PD Mag.Dr. Raimund KARL FSA FSAScot MCIfA
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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Folke Prill » Do 27. Apr 2017, 18:25

Hallo Ray,

auch wenn es hier nicht zum Thema gehört. Ich freue mich schon auf deinen polemischen Artikel zur Verteidigung der Polemik.

Liebe Grüße
Folke
in dubio pro reo

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon NetterMillionär » Fr 12. Mai 2017, 23:26

Hallo,
- zunächst einmal gilt es denke ich das größte Übel der Branche auszumerzen-nämlich die Scheinselbständigkeit. Derartige Arbeitsverhältnisse sind dermaßen unsozial und finden (oft) unter Zwang und Unvorausschaubarkeit statt. Als Arbeitnehmer verliert man nur (kein Krankengeld, Urlaub, Unsicherheit), aber auch der Auftraggeber hat deutlich weniger motivierte Arbeiter als in fair entlohnten Arbeitsverhätnissen
- faire Löhne ja, aber noch wichtiger erscheinen mir faire Verträge. Urlaubsanspruch für alle gleich in allen Bundesländern. Pausenzeiten gleichschalten; Arbeitsbedingungen angleichen. Und auch mal über Anfahrzeitenausgleich reden. Dies sind die softskills eines gerechten Lohns.
- Als nächstwichtigen Punkt finde ich unbedingt, dass Vertragszeiten unter einem halben Jahr gänzlich abgeschafft werden sollten. Mündliche Zusagen, dass es weiter geht sind so viel wert wie...
- Hochflexible Anpassungsmöglichkeiten müssen drigenst geschaffen werden an die sich von heute auf Morgen verändernde Gesetze und die Inflation: Seit Einführung des Mindestlohnes (sehr erfreulich) muss man umdenken und sich fragen, ob ein Lohn von 9 Euro/h noch fair ist für Schipparbeiten oder andere Tätigkeiten, auch etwas höhere Gehäter bei 12,50 bspsw. sind so immens weit entfernt von diesem Mindestmaß der gerechten Entlohnung nun entfernt auch wieder nicht. Die Inflation ist unabhängig von den lächerlichen Studien seitens der Regierung zusammen mit den monströsen Mietpreissteigerungen insbesondere in Ballungszentren das gewaltigste Problem bei einem fairen Lohn.
- ich persönlich finde, das Vermessung heutzutage nicht mehr höher bezahlt werden sollte als Schipptätigkeiten. Vermessung ist lernbar, ein für viele angenehmer Berufszweig, findet oft auch im Büro statt und so schwer nun auch wieder nicht, bei Übung und Spaß an der Sache. Dies kann man gelernten BAs zumuten und die Verantwortung übertragen und muss nicht wie in der Anfangszeit bis heute Computerwissen über Archäologiewissen stellen und entsprechend deutlich höher entlohnen und größere Jobsicherheiten offerieren.

Summa summarum:
Wenn eine Branche nicht fair sein kann, weil es unter kapitalistischen Gründen nicht zu funktionieren scheint, ist das System grundlegend krank und funktioniert nicht. Man muss, wenn man auch nur ein bisschen Menschlichkeit in sich trägt und sich als nett bezeichnen würde hier handeln und insesbondere den hilflosen Arbeitnehmern helfen.

PS:
Ich glaube, man kommt nicht besonders weit, wenn man die Archäologie versucht isoliert zu rehabilitieren. Das Problem betrifft alle Geisteswissenschaftler. Warum also nicht gemeinsam kämpfen?
Warum sollten wir es uns gefallen lassen inbesondere im Kultursektor am "Ende der Nahrungskette" zu stehen? Mit Einführung des Mindestlohns verdient jeder mit etwas Trinkgeld zusätzlich im unteren Verdienstsektor der Archäologie theoretisch mehr als ein Archäologe bspsw. auf TvÖD 8 (=etwa 12,5 bis 15 €/h). Eine freundlich lächelnde putze kann es am Klohäuschen auch zu mehr bringen.
- früher konnte man ja argumentieren " ja aber die Gesellschaft zahlt uns ja und die hat nunmal nicht so viel". Wenn nun aber heutzutage jeedr in der Gesellschaft mindestens 8,50 verdient und es so übertreiben viele Millionäre und Profitunternehmen gibt die mit dem expandieren gar nicht hinterherkommen (irgendwem gehören ja schließlich die ganzen millionenteuren Häuser und Wohnungen, die ein Archäologe sich niemals wird leisten können in seinem Leben und es wird in brandneuen Autos in zweifacher ausführung vor diesen Häusern geparkt)... dann kann man da durchaus mal anfangen bei den kleinen und mittleren Gehältern im Kulturbereich entgegenzukommen
- Dem Kultursektor muss endlich mal die Bedeutung zukommen, die ihm zusteht und nicht als unangenehmes Übel der hintersten Bildungsschublade verknüpft mit einem gelangweilten Museumsbesuch in der 5. Klasse oer im rentenalter bei einer Bootstour über den Rhein.
- Mal abgesehen davon gehört Archäologie endlich im Schulunterricht gelehrt^^, da es wesentlich greifbarer ist als rein geschichtliche zahlen und Zusammenhänge. So kann man auch mal mehr Interesse an Büchern der Archäologie schaffen und dies als Nebenverdienst etablieren.
-Jedenfalls kommt man unter bestimmten Bedingungen, wenns gerade mal wieder nicht so fluppt um einen Zweitjob gar nicht mehr herum (amerikanische verhältnisse), Archäologen sind auch nicht so wirklich Kreditwürdig und.....! Bekommen auch längst nicht jede Wohnung, wenn man mal wieder nicht lückenlose Gehaltsnachweise an den Vermieter übersenden kann.

PS 2:
Nicht zu letzt kann man auch mal die Dokus optimieren (indirekte Lohnerhöhung). Beim Rheinischen Stellenkartensystem lässt sich zum Beispiel die unsinnige Zeile 1 "Position 1, 25.3.2016, Definition einer Verfärbung in Arbeitsbereich 3" (damit ist gemeint, dass der Archäologe beim Planumziehen und Putzen eine Verfärbung gesehen hat) lockerflockig streichen und viele viele Nerven, Abtippen, usw. schonen und einsparen. Das kommt einer lohnerhöhung um 100% gleich, da dort noch so manch andere Schreibsache unter regeneinfluß oder 35 Grad im Schatten nicht zwangsläufig zu einer fehlerlosen Publikation führen, da hierfür dann ja das Geld fehlt.
- Man könnte einfach alles mal optimieren, weniger sinnlose Arbeit bei gleichem Lohn ist auch ne Gehaltserhöhung. Z. B. Planum kollorieren in 3. Klässlermanier macht so viel Sinn wie nur irgendwas, kostet also nur viel Geld, was man in höheren Stundenlohn ummünzen könnte. Munsellcolourcharts nummern haben bisher auch noch nicht so immens viel gebracht bei ungenialer Anwendung, (im Einzelfall sicher sinnvoll).
- Befundbeschreibung: muldenförmig, wannenförmig (im Idealfall ist derjenige, der das publizieren möchte in der Lage ein Pfostenloch zu beschreiben oder er lässt es ohnehin weg)...alle Himmelsrichtungen doppelt und 10fach (Foto, Zeihnung, Cadplan und und). Man kann da sicherlich zu mehr Qualität durch Reduzierung aufs Wesentliche und somit zu besseren Arbeitsbedingungen, sinnvolleren Beschäftigungen und somit einem gerechteren Lohn kommen. Diese Bürokratie allein bei der Ausschreibung ist ja Wahnsinn.
- Auch wäre es schön, wenn grundsätzlich 5 Projekte pro Bundesland ausgewählt würden, die von Fachpersonal über die Firmen publiziert werden können und nicht alles über Unis und Museen läuft. Wenn man alles in die Archieve wandern sieht, steht das dem "Geisteslohn" sehr kontraproduktiv entgegen.
-Allein aus Umweltschutzgründen könnte man auch grundlegend mal jedwegen Müll und auch die wiederzuverwendenden Nägel und Schnüre stets (heißt immer, unter Strafe) mitnehmen von der Fläche. So lassen sich Umweltschäden vermeiden.
- Letzendlich möchte ich allen Kollegen hier noch sagen: Es ist unser Planet, wir können ihn so gestalten wie wir möchten, wir können es uns einfach machen oder kompliziert, beschwerlich und unlebsam.
Last edited by Michaela Schauer on Sa 13. Mai 2017, 09:15, edited 1 time in total.
Grund: Zusammenfassen von Beiträgen

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Birgit Anzenberger » Sa 13. Mai 2017, 13:05

Hallo "NetterMillionär",
danke für den beherzten Beitrag. Ich möchte dem ganzen Unmut auch gar nicht widersprechen. Aber mit Revolution kommen wir sicher nicht weit. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach so, dass man die Dinge (und damit am Ende vielleicht die Welt) nur in kleinen Schritten sinnvoll und nachhaltig ändern kann.
Sicher gibt es Vieles auf Grabung, was gestrafft, sinnvoller gestaltet und weniger zeitintensiv gemacht werden kann. Dass dadurch aber der Lohn für den Arbeiter sich erhöht ist sicher ein Trugschluss.Denn nachdem ja in der Regel nach Stunden bezahlt wird, kommt eine Straffung ausschließlich dem Auftraggeber zugute. Die Erhöhung der Preise müssen wir darüber erreichen, dass die Arbeit an sich besser entlohnt wird. Denn es ist ja nicht einsichtig, warum der Ingenieur auf einer Baustelle mit € 85 (oder mehr) abgerechnet wird, der archäologische Grabungsleiter mit € 40 (oder weniger!) und der Schaufler der Baufirma mit € 35. Da müssen wir etwas ändern, dann hat jeder (Mitarbeiter und Grabungsfirma) etwas davon.
Warum wir die Vermessung nicht mit höheren Preisen beziffern sollten, ist mir nicht klar. Denn der "Schaufler" braucht bloß eine Schaufel (sorry, überspitzt gesprochen), der Vermesser/CAD'ler braucht ein Gerät zum Vermessen und ein Programm um Pläne zu machen. Das muss in die Kosten mit einfließen. Wie die Löhne in der Firma dann sind ist eine andere Frage. Da bin ich durchaus der Meinung, dass ein Grabungsleiter und ein Vermessungs/CAD-Fachmann(Frau) in die selbe Lohngruppe gehören.
Kurz und gut, ich bin auch der Meinung, dass sich vieles ändern muss, ich glaube aber, dass es nur in koordinierten Schritten geht. Und dass die Akzeptanz für die "Orchideenfächer" dieser Welt höher werden muss ist unbestritten!
Danke für den Beitrag, "Netter Millionär"!
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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon NetterMillionär » So 14. Mai 2017, 00:21

Liebe Frau Danzenberger,
danke auch für Ihre konstruktive Antwort.
- Den ersten Punkt haben Sie sehr symphatisch geäußert, dass man die Welt im ruhigen, besonnenen Tempo zum Guten wenden kann. Es ist sicherlich auch das Ideal und so habe ich auch immer gedacht, dass das Gute mit Weißheit und harmonisch zu Tage tritt. Hier darf ich sehr kurz zum Nachdenken anregen und auf ein anderes aktuelles Thema lenken, um aufzuzeigen, dass es Situationen geben kann, deren Realität trotz hohem Bildungsgrad und Aufmerksamkeit unserer Gesellschaft man nicht in ihrer Dringlichkeit und Intensität sofort durchschaut. Nur ganz kurz deswegen zum Naturschutz (zur Information online Naturschutzbund Deutschland/kurz NABU): trotz allem Bemühen und Wohlstand in Deutschland und in der Welt steht es sehr dramatisch um unsere Natur. Ich kann hier nur auf die völlig dramatischen Informationen von Nabu verweisen, die wirklich nicht mehr in Worte zu fassen sind. Es ist nur ein Beispiel von mehreren, dass man durchaus reflektieren darf, ob man den richtigen Weg beschreitet und ob die Maßnahmen genau zu diesem Zeitpunkt richtig sind. Nun - so dramatisch mit austerbenden Archäologen ist es gewiß in der Archäologie nicht, sie beschreitet einen sehr sehr guten Weg, aber man muß halt ständig auch mal hier und da eine Weiche stellen.
- Es ist nun natürlich extrem schwierig in der Archäologie zu einem Kompromiß Richtung mehr Fairness oder gar der absoluten Fairness zu gelangen, erst Recht im Hinblick auf alle Bundesländer, für alle Beteiligten. Aber - wenn man etwas "Materie" (hier im weitesten Sinne Finanzen) geben möchte, verliert einer der Beteiligten in dem Moment auch etwas. Die Frage ist also, wer gibt und wer bekommt. Entschuldigug, wenn es etwas lyrisch klingt.
- Ich möchte mich auch nicht zu sehr in die immens komplexe Thematik einmischen (Zitat aus dem Film Lawrenze von Arabien: "Die Jugend muss sagen, was sie denkt, der Weißheit des Alters obliegt es zu entscheiden).
- Die Vermessung sehe ich hierarchisch nicht so hoch angesiedelt wie Sie und wie es derzeitig angesehen wird. Ich habe großen Respekt vor der Exaktheit dieser Tätigkeit und man kann den ITlern nur dankbar sein für ihre kompetenten Impulse und Ergebnisse, die die Präsentation der Archäologie ins 3. Jahrtausend katapultiert haben und so präziese darzustellen vermögen. Doch bin ich nach erneuter Überlegung aufgrund Ihrer Antwort der Meinung, dass es sich hierbei um eine Zeichentätigkeit handelt. Der Vermesser erstellt in der Hauptsache Plana/Oberflächenzeichnungen und vollendet diese Zeichnungen als Phasenpläne auf Anweisungen und Informationen von beispielsweise den Fundbearbeitern und/oder der Grabungsleitung. Ich persönlich würde längerfristig bei dieser mittlerweile standartmäßigen Tätigkeit auf dem Lohnniveau eines Grabungszeichners und je nach Schwierigkeit selbstverständlich auch darüber entlohnen. Man muss sich eben überlegen, ob die hohe IT-Entlohnung nach dieser Pionierphase noch gerechtfertigt ist und ob man nicht doch eher das ganze Team begünstigen sollte.
- Eine Firmenverantwortung zu tragen ist schwierig, man ist mit m E. relativ überschaubaren 25.000 haftbar, wenn ich mich nicht irre (im Extremfall bei Todesfällen natürlich bis hin zur Privatinsolvenz oder schlimmeres, aber niemand möchte hier mit dem Teufel an der Wand argumentieren denke ich); bitte diese Versimplung nicht übelnehmen. Aber ich denke, nach ein paar Jahren erfolgreich abgeschlossener Projekte- wenn Fuhrpark, Vermessungsgerät, Spaten etc. abgezahlt sind, wenn man als Firmeninhaber genug Rücklagen beisammen hat für alle Eventualitäten, dann kann man eben versuchen "Überschüsse" fair(er) zu verteilen. Hier ist nun die Frage, ob man den vergleichsweise starken 40€-Grabungsleiter weiter stärken möchte oder ob diese Grabungsleiter nicht auch zähneknirschend erstmal akzeptieren können, dass man einer qualifizierten (studierten) Ausgrabungshilfskraft mehr abgibt. Kurz: 10 Euro mehr dem Grabungsleiter oder 1 Euro mehr an 10 Helfer, die je nachdem am Existenzminimum knappsen und die Erhöhung sozial brauchen.
- PS: Bei einem 8-Stundenarbeitstag führt eine von mir vorgeschlagene "Straffung", wie Sie es nennen, zu etwas Entspannung bei der Notgrabung und mehr Qualität durch professionelle Präzision, nicht zu mehr Lohn und setzt nicht unbeträchliche Kapazitäten für andere Tätigkeiten frei (z. B. 10 Pfosten nicht so haargenau nach Schema F dokumentieren, dafür aber eine interessante Überschneidung zweier Pfosten stratigrafisch und nach Funden minutiös untersuchen). Arbeitszeit und Lohn sollten von einer Straffung unbedingt nicht verändert sein.
Beste Wünsche "NetterMillionär"

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon falknaeth » Mo 22. Mai 2017, 15:47

Die Vermessung sehe ich hierarchisch nicht so hoch angesiedelt wie Sie und wie es derzeitig angesehen wird. Ich habe großen Respekt vor der Exaktheit dieser Tätigkeit und man kann den ITlern nur dankbar sein für ihre kompetenten Impulse und Ergebnisse, die die Präsentation der Archäologie ins 3. Jahrtausend katapultiert haben und so präziese darzustellen vermögen. Doch bin ich nach erneuter Überlegung aufgrund Ihrer Antwort der Meinung, dass es sich hierbei um eine Zeichentätigkeit handelt. Der Vermesser erstellt in der Hauptsache Plana/Oberflächenzeichnungen und vollendet diese Zeichnungen als Phasenpläne auf Anweisungen und Informationen von beispielsweise den Fundbearbeitern und/oder der Grabungsleitung. Ich persönlich würde längerfristig bei dieser mittlerweile standartmäßigen Tätigkeit auf dem Lohnniveau eines Grabungszeichners und je nach Schwierigkeit selbstverständlich auch darüber entlohnen. Man muss sich eben überlegen, ob die hohe IT-Entlohnung nach dieser Pionierphase noch gerechtfertigt ist und ob man nicht doch eher das ganze Team begünstigen sollte.
Lieber netter Millionär,
ich möchte ein wenig widersprechen, dass Grabungspläne nichts anderes sind als "Zeichnungen": Ich erinnere daran, dass (zumindest in Niedersachsen - und ich kenne dies auch aus den übrigen Bundesländern) die Grabungspläne im heutigen Zeitalter i.d.R. im amtlichen Lage- und Höhensystem zu erstellen sind. Oder haben Sie schon einmal eine Vermessung per Polygonzug vorgenommen? Zudem wird eine dreidimensionale - und messbare - Dokumentation (z. B. per SfM oder Laserscanning) von z.B. Baubefunden immer normaler: diese Verfahren bedürfen schon einiger Kompetenz, die über das Angelernte hinausgehen. Wenn Sie jedoch denken, dass die exakte Vermessung nur eine Modeerscheinung ist, so möchte ich ich kurz an einen Pionier in Sachen archäologische Dokumentation erinnern: Sir William Matthew Flinders Petrie hat bereits 1904 eine exakte Vermessung in seine vier Prinzipien wissenschaftlich-archäologischer Arbeit aufgenommen (Methods and Aims in Archaeology, London 1904). Der Vermessungstechniker ist zudem ein anerkannter qualifizierter technischer Berufsabschluss, der auch entsprechend entlohnt gehört, genauso wie alle anderen qualifizierten Mitarbeiter auf einer Ausgrabung (ich lese ein wenig heraus, dass auch Sie eigentlich für einen "Helfer" deutlich überqualifiziert sind?).

Ein "internes gegeneneinader Aufrechnen" welcher Grabungsmitarbeiter denn nun "wertvoller" ist, halte ich für Selbstzerfleischung - es ist besser die Kompetenzen des jeweiligen Kollegen anzuerkennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Eine Firmenverantwortung zu tragen ist schwierig, man ist mit m E. relativ überschaubaren 25.000 haftbar, wenn ich mich nicht irre (im Extremfall bei Todesfällen natürlich bis hin zur Privatinsolvenz oder schlimmeres, aber niemand möchte hier mit dem Teufel an der Wand argumentieren denke ich); bitte diese Versimplung nicht übelnehmen. Aber ich denke, nach ein paar Jahren erfolgreich abgeschlossener Projekte- wenn Fuhrpark, Vermessungsgerät, Spaten etc. abgezahlt sind, wenn man als Firmeninhaber genug Rücklagen beisammen hat für alle Eventualitäten, dann kann man eben versuchen "Überschüsse" fair(er) zu verteilen.
Ich kenne Ihre persönliche Arbeitssituation nicht, lese jedoch einen guten Scheffel Verbitterung aus den Zeilen. Ich kann jedoch aus meiner Sicht mit Klarheit sagen: Eine Betriebshaftpflicht geht i.d.R. über 25.000,- € hinaus (wir haben z. Zt. 2,5 mio. Euro zu gewährleisten). Auch sind oft weitere Erfüllungs-Sicherheiten für Projekte zu stellen, die 10% des Auftragsvolumens ausmachen - und leider halten weder Fuhrpark und Vermessungsgerät genausowenig für die Ewigkeit wie Spaten, Schaufel und Co. In der derzeit am Markt gängigen Preisgestaltung, deren Ursachen und Mechanismen in dieser Sektion angesprochen wurden und werden, werden wir eine Verwirklichung dieser wunderbaren Vorstellung des "Aus dem Vollen Schöpfens" noch hart erarbeiten müssen.

Herzliche Grüße, Falk Näth
"Größtmöglicher Erfolg oder eine vernünftige Alternative!" (Hägar der Schreckliche)

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon NetterMillionär » Di 23. Mai 2017, 00:54

Lieber Falk Näth,

gute Einwände. Mit der Gefahr der Selbstzerfleischung haben Sie in jedem Fall Recht, drüber reden müssen wir bei dieser Forumsüberschrift ja trotzdem.
Gehen wir aber mal davon aus, dass sich in absehbarer Zeit vorerst keine "garantierten" Mindestpreise einpendeln bzw. eine allgemeine Anhebung der Löhne über die Verursacher erreichen lassen. Wie also will man dieses Thema-Problem sonst lösen, wenn nicht Geld von oben nach unten innerhalb des Teams verschieben? Tut mir Leid, ich habe noch keinen gestressten Vermesser gesehen, eher im Gegenteil -weiter möchte ich darauf nicht eingehen. Entschuldigung, ich bleibe bei meinem Vorschlag zur Entlohnung routinemäßiger Vermessung in der Landschaftsarchäologie - bei besonderen projektbezogenen Tätigkeiten wie Laserscanning, zusätzlich GIS, kompliziertere Entzerrungen, Stadtgrabungen etc., werden genau diese höherwertigen Stunden höher entlohnt (einfach das Know How zu haben und bei bestimmten Projekten gar nicht anzuwenden, ist zwar auch immer sehr wertvoll, das dann kontinuierlich zu bezahlen fraglich). Zum Verständnis: Als Schipper bekommt man, wenn man 8 Pfostenlöcher schneidet nicht doppelt soviel Lohn wie ein nebenan arbeitender Schipper, der 4 schneidet und auch nicht so ohne weiteres das KnowHow bezahlt, dass man zeichnen, fotografieren, Doku führen kann. Ein Vermesser hat also mit schwankenden Einnahmen zwischen einem Zeichner und Grabungstechniker zu leben und ich denke verhungern wird er nicht und niemals gleichauf neben dem Grabungsleiter.

Beim gegenwärtigen Stand der Dinge ohne Erhöhung der Verursacherkosten kommt man aber nicht umhin, sich zu überlegen wie eine Vollzeitaushilfskraft besser entlohnt werden kann oder wie es um die Geringverdiener im Team bestellt ist und man schaut automatisch in die oberen Gehaltsklassen. Ganz einfach aus dem Grund: Im Falle der Arbeitslosigkeit muss man erfahrungsgemäß als Aushilfskraft monatlich mit ALG I Geld in Höhe von 800 € bis? auskommen, also in einer normalen Mietwohnung sollte man nicht wohnen oder Schulden haben oder Verträge, sonst gehts sozial kräftig bergab; ungefähr in diese Situation kommen in NRW alle Personen etwa auf dem Lohnniveau TvÖD 8 und 9 - auch die Grabungstechniker. Es gibt genug Personen, die sich auf diesen Deal einlassen und trotzdem gerne in der Archäologie tätig sind. Also zumindest bei beschwerlichen Stadtgrabungen kann man doch mal etwas ändern denke ich.
Fairness ist sehr schwer auszutarieren: heute habe ich mit einem jungen Mann gesprochen, der in Berlin auf dem Bau (unser oft zitiertes preisliches Orientierungs- bzw. Vergleichsgewerbe) schwarz auf die Hand bei 10 bis 12 Stunden Arbeit täglich und 1 Stunde Pause 9 Euro die Stunde bekommen hat; ein Baggerfahrer geht in NRW normalerweise nicht unter 14,50 vor die Tür und/oder holt sich das ausstehende Geld durch krankfeiern.

Ich argumentiere hier nicht zu meinem Wohl. Ich bin sparsam, genügsam und zum Glück ganz gut abgesichert und deswegen auch nicht dauergefrustet^^; es geht mir um Chancengleichheit und Rechtsstaatlichkeit, Fairness und Menschlichkeit und Anpassung an den sich verändernden Markt ohne Verlierer und Ausbeutung und Verheizung (purer Idealismus). Deswegen fände ich es schonmal einen Fortschritt den Geringverdienern zu garantieren, dass Firmeninhaber nicht mehr als TvÖD 14 von mir aus 15 monatlichen Reingewinn nach Abzug aller erdenklicher Kosten verdienen ab vorschlagsweise dem 6ten Geschäftsjahr (realisierbar? und das diesen endlich im Gegenzug auch mal 1 Monat Urlaub gegönnt wird durch geschulte diskrete Firmenchefvertretungskräfte). In Dumpingfirmen ist der Verdienst glaube ich vermutlich aktuell - ohne es zu wissen - beträchlich höher?

Alles Gute!


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