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3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

In dieser Sektion geht es um "Meine Geschichte, meine Erfahrungen", um das Thema Ehrenamt und Citizen Science sowie um faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen.
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Frank Siegmund
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3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Frank Siegmund » So 19. Mär 2017, 20:23

Reden wir über Geld! - denn neben anderem geht es uns auch darum, dass Firmen, die gute Arbeit leisten, nachhaltig überleben können, dass diese wiederum ihre Angestellten fair bezahlen können, dass Selbständige mit ihrer wertvollen Arbeit auch eine hinreichende Lebensgrundlage haben. Warum sollten sich Archäologen am Mindestlohn orientieren resp. froh sein, wenn sie im Jahresmittel dann doch etwas über Hartz IV verdienen? Nein, so darf es nicht sein!

Seltsam ist, dass in der Archäologie die Anstellung im öffentlichen Dienst als das Höchste gilt, auch ökonomisch, während man es in der privatwirtschaftlichen Archäologie als selbstverständlich hinnimmt, weniger zu verdienen. Es sei daran erinnert, wie im Leben außerhalb der Archäologie über das Lohnverhältnis zwischen öffentlichem Dienst und freier Wirtschaft gedacht wird: Öffentlicher Dienst = sichere Arbeitsplätze, daher etwas geringeres Lohnniveau, Privatwirtschaft = mehr Unsicherheit, deshalb höheres Lohnniveau.

Ausgehend von der Debatte, die sich hier unter dem Thema "Können Archäologen nicht rechnen?" (viewtopic.php?f=28&t=66) entwickelt hatte, haben wir - Falk Näth, Sascha Piffko, Julian Decker und Frank Siegmund - als einen Einstieg in das Thema einmal modellhaft kalkuliert, was eine Firma vom Investor pro Arbeitsstunde erhalten müsste, damit die Firma wiederum ihren Mitarbeitern Löhne auf dem Niveau ihrer Kollegen im öffentlichen Dienst zahlen kann. Wir sehen den Text auch als einen Beitrag zur Bildung jener, "die nicht rechnen können".

Die Praktiker sagen: "illusorisch, solche Preise können wir am Markt nicht durchsetzen!". Hm. Denn andererseits kommt da am Ende für einen Wissenschaftler ziemlich genau jener Stundensatz heraus, den mir die Autowerkstatt meines Vertrauens als Stundensatz in Rechnung stellt. Bei allem Respekt vor der Ausbildung der dort tätigen Spezialisten - zuverlässige Fachkräfte, denen ich letztlich mein Leben anvertraue - bin ich der Meinung, dass es durchaus gerechtfertigt wäre, wenn abgeschlossene und praxiserfahrene Wissenschaftler etwas mehr verdienen.

Dieser Text wird im unmittelbar folgenden Beitrag gepostet und zur Kritik gestellt. Vielleicht haben wir uns ja verrechnet, etwas wichtiges vergessen, irgendwo übertrieben. Für die dann nachfolgenden Beiträge würden wir uns - außer einer Diskussion dieser Modellrechnung - aber auch erhoffen, dass Praktiker offen legen, was denn derzeit am Markt realistisch erreicht wird, also die Stundensätze, mit denen sie dem Auftraggeber bei ihren letzten Angeboten einen Grabungsleiter, einen Grabungstechniker, einen Facharbeiter in die Kalkulation gesetzt haben und den Auftrag auch erhielten. Es soll hier nicht darum gehen, mal Hoppla-Hopp einen Lohnstandard zu vereinbaren, sondern vielmehr einen Befund zu erheben, die Lage zu klären. "Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis" (Platon).

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"Lasst uns zusammen rechnen"

Beitragvon Frank Siegmund » So 26. Mär 2017, 11:06

"Lasst uns zusammen rechnen"

(Falk Näth, unter Mitwirkung von Julian Decker, Sascha Piffko, Frank Siegmund)

Wir reden über Geld. Wir möchten, dass auch Kollegen, die Zeit ihres Lebens im öffentlichen Dienst gearbeitet haben, verstehen, wie eine Firma ihre Angebote kalkulieren muss. Ausgangsfrage: Wie viel muss Grabungspersonal im Angebot einer Firma den Auftraggeber kosten, wenn die Firma seriös arbeiten und dauerhaft überleben will und ihre Beschäftigten im Ergebnis ähnlich bezahlt werden wie ihre Partner vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit im öffentlichen Dienst?

Ausgangpunkt: Was verdienen die Ausgräber im öffentlichen Dienst? Was ist der Ziellohn, der beim Angestellten ankommen soll?

Wissenschaftler
Ein Wissenschaftler mit Hochschulabschluss im öffentlichen Dienst in der untersten Ebene wird nach TVöD 13 bezahlt. Das sind, je nach Alter/Erfahrung, brutto ca. 3.660 - 5.520 € /Monat bei einer 100%-igen Anstellung und netto ca. 2.160 - 3.000 € (ledig, keine Kinder).
Auf der nächsthöheren Ebene, z.B. als Leiter eines kleinen Teams, d.h. mit Personalverantwortung (z.B. "Außenstellenleiter") sind dies nach TVöD 14 brutto 4.000 - 5950 € und netto 2.300 - 3.200 €.
Im Einstiegsgehalt entspräche das einem Arbeitgeberbrutto von ca. 4.800,- €

Grabungsarbeiter
In der Spanne von “Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten bei assistierenden Tätigkeiten im Bereich der Konservierung oder Restaurierung, der Präparation oder der Grabungstechnik oder in der konservatorischen Pflege und Wartung” bis “Beschäftigte mit schwierigen Tätigkeiten bei assistierenden Tätigkeiten im Bereich der Konservierung oder Restaurierung, der Präparation oder der Grabungstechnik oder in der konservatorischen Pflege und Wartung” (i.e. “Schnittleitung”) nach Entgeltgruppe E4 bis E6 (TV-L West): ca. 2.060 - 2.880 € /Monat brutto und 1.370 - 1.790 €/Monat.
Im Einstiegsgehalt entspräche das einem Arbeitgeberbrutto von ca. 2.460,- €

nicht studierter Grabungstechniker
“Beschäftigte mit assistierenden Tätigkeiten im Bereich der Konservierung oder Restaurierung, der Präparation oder der Grabungstechnik oder in der konservatorischen Pflege und Wartung, die mindestens zu einem Drittel besonders schwierige Tätigkeiten ausüben”, z.B. “(1) Durchführen schwierigerer Grabungen unter technischer Leitung (dazu gehören z.B. Planen und Vermessen von Probeschnitten, Anfertigen schwieriger Grabungszeichnungen und schwieriger Grabungs- oder Fundberichte, Photographische Dokumentation), (2) Fundfreilegung von empfindlichen Objekten auf dem Grabungsgelände sowie Durchführung von Blockbergungen unter technischer Anleitung, (3) Schwierige zeichnerische Rekonstruktion von Sammlungsgegenständen und sonstigen wissenschaftlichen Artefakten, (4) Umzeichnung und Zusammenfassung von Grabungszeichnungen, (5) Vorlagenerstellung für Veröffentlichungen von Ausgrabungsergebnissen.” nach Entgeltgruppe E8 (TV-L West): ca. 2.450 - 3.130 €/Monat brutto und ca. 1.570 - 1.910 €/Monat netto.
Im Einstiegsgehalt entspräche das einem Arbeitgeberbrutto von ca. 2.925,- €

studierter / diplomierter Grabungstechniker
Entgeltgruppe 9-10 (TV-L West): ca. 2.610 - 4.2010 €/Monat brutto und 1.660 - 2.400 €/Monat netto.
Im Einstiegsgehalt entspräche das einem Arbeitgeberbrutto von ca. 3.120,- €

Quellen: Rundbrief Grabungstechnik 10, 2016, 1-17, nach TVöD-VKA Anlage 1 Teil B XV zum Tarif (unten anhängend, dort S. 101 ff.), und für die Gehälter im öffentlichen Dienst: http://oeffentlicher-dienst.info/ [15.3.2017]).


Stundensätze in einem seriösen Angebot: Kalkulation seitens einer Grabungsfirma

In der folgenden Berechnung der Einheitspreise wollen wir entsprechend der Forderung nach Vergleichbarkeit der sogenannte Urkalkulation nach VOB folgen (vgl. http://www.vob-online.de/ [18.3.2017]). Geht man von den oben ermittelten Arbeitgeberbrutto-Sätzen aus und setzt einen Standard-Monat für eine 40-Stundenwoche an, so erhält man zunächst folgende Kalkulationslöhne:
• Wissenschaftler 4.800,- €/ 173 = 27,75 €/ h
• Grabungsarbeiter 2.460,- €/ 173 = 14,22 €/ h
• Nicht studierter Grabungstechniker 2.925,- €/ 173 = 16,91 €/ h
• Studierter Grabungstechniker 3.125,- €/ 173 = 18,06 €/ h

Lohnnebenkosten
Die sogenannten Lohnzusatzkosten des Arbeitgebers sind bereits in diesem Kalkulationslöhnen enthalten, aber es sind noch weitere Lohnnebenkosten zu berücksichtigen: Zu nennen wären in diesem Paket insbesondere "unproduktive Zeitanteile", die sich aus Urlaubsanspruch und zu berücksichtigenden Krankheitsausfällen, Feiertagen und Fortbildungszeiten etc. ergeben. Verpflegungsaufwendungen, Unterkünfte etc. können diesen Zuschlag erhöhen. Wir legen hier einen Zuschlag von insgesamt rund 40 % zugrunde:
Unproduktive Zeitanteile (Urlaub und Feiertage ca. 13 %; Krankheitsausfälle ca. 10 %; Fortbildung ca. 2 %), plus „Sonstiges“ 15 %;
und addieren diesen auf den Kalkulationslohn und erhalten den Kalkulationslohn 2 (KL2):
• Wissenschaftler 27,75 €/ h + 40 % = 38,85 €
• Grabungsarbeiter 14,22 €/ h + 40 % = 19,91 €
• Nicht studierter Grabungstechniker 16,91 €/ h + 40 % = 23,67 €
• Studierter Grabungstechniker 18,06 €/ h + 40 % = 25,28 €

Allgemeine Geschäftskosten
Kommen wir zu den "Allgemeinen Geschäftskosten" (AGK): Grabungsfirmen finanzieren sich ausschließlich über die abgewickelten Projekte. Jedoch wollen z. B. auch Büroräume (einschl. Interieur), Fuhrpark und IT-Ausstattung bezahlt sein. Versicherungen sind abzuschließen (u. a. Betriebshaftpflicht, oft mit Deckungssummen in Millionenhöhen - baggern Sie z.B. einmal eine Gasleitung auf) und Buchführungen zu leisten (i.d.R. über Steuerberater, wenn keine eigene Verwaltung zur Verfügung steht). So errechnen sich die AGK-Zuschläge auf die Stundensätze im gleichen Verhältnis wie die kumulativen AGK zum kumulativen Umsatz des jeweiligen Geschäftsmonats. Wir wollen hier eher niedrig ansetzen und abermals - modellhaft - 40 % als Zuschlag auf den Kalkulationslohn 2 zugrunde legen:
• 40 % AGK Wissenschaftler 38,85 € = +15,54 €
• 40 % AGK Grabungsarbeiter 19,91 € = +7,96 €
• 40 % AGK nicht studierter Grabungstechniker 23,67 € = +9,47 €
• 40 % AGK studierter Grabungstechniker 25,28 € = +10,11 €

Baustellengemeinkosten, Risikozuschlag, Investitionen und Rücklagen
Zu den Allgemeinen Geschäftskosten gesellen sich "Baustellengemeinkosten" (BGK) - sprich jene Kosten, die unmittelbar mit der Ausgrabung zusammenhängen: Logistik (Liefer- und Fahrtkosten), Gebühren und Genehmigungen (z.B. Erkundungen über Leitungslegungen, Schachtscheine, Erstellung des Grabungskonzeptes VOR Grabungsbeginn etc.), begleitende (z. T. externe) Arbeiten (z. B. Herstellung eines Lage- und Höhenfestpunktfeldes zur Einmessung der Grabungsfläche und der Befunde u.ä.). Wir setzen in unserem Modell hierfür bescheidene 10 % als Zuschlag auf den Kalkulationslohn 2 an:
• 10 % BGK Wissenschaftler 38,85 € = +3,89 €
• 10% BGK Grabungsarbeiter 19,91 € = +1,99 €
• 10 % BGK nicht studierter Grabungstechniker 23,67 € = +2,37 €
• 10% BGK studierter Grabungstechniker 25,28 € = +2,53 €

Nach VOB sind 10 % Mehraufwand zum gleichen Einheitspreis zu gewährleisten, wir wollen dies zunächst als einziges Wagnis annehmen, obwohl auch viele andere Faktoren (z. B. Wetterausfälle, in denen das Personal zwar bezahlt werden will, aber nicht abgerechnet werden kann) eine Rolle spielen. Der Wagniszuschlag für unsere Personalpositionen beträgt also jeweils
• 10 % W Wissenschaftler 38,85 € = +3,89 €
• 10% W Grabungsarbeiter 19,91 € = +1,99 €
• 10% W nicht studierter Grabungstechniker 23,67 € = +2,37 €
• 10% W studierter Grabungstechniker 25,28 € = +2,53 €

Nun gehen wir noch davon aus, dass unser Grabungsunternehmer für sein eigenes Einkommen, Rücklagen und Neuinvestitionen mit lediglich 5 % auf den Kalkulationslohn 2 als "Gewinn" (G) auskommt:
• 5 % G Wissenschaftler 38,85 € = +1,95 €
• 5 % G Grabungsarbeiter 19,91 € = +1,00 €
• 5 % G nicht studierter Grabungstechniker 23,67 € = +1,18 €
• 5 % G studierter Grabungstechniker 25,28 € = +1,26 €


Ergebnis: Personal-Kosten pro Stunde und pro Monat seitens einer Firma

In Addition von KL2 + AGK + BGK + W + G erhalten wir unseren Verrechnungslohn VL und damit unseren Nettoeinheitspreis:
• VL Wissenschaftler 38,85 + 15,54 + 3,89 + 3,89 + 1,95 = 64,12 €/ h zzgl. MwSt.
• VL Grabungsarbeiter 19,91 + 7,96 + 1,99 + 1,99 + 1,00 = 32,85 €/ h zzgl. MwSt.
• VL nicht studierter Grabungstechniker 23,67 + 9,47 + 2,37 + 2,37 + 1,18 = 39,06 €/ h zzgl. MwSt.
• VL studierter Grabungstechniker 25,28 + 10,11 + 2,53 + 2,53 + 1,26 = 41,71 € zzgl. MwSt.

Zur Verdeutlichung der Kosten rechnen wir unsere Einheitspreise auf den Standardmonat zurück:
• Wissenschaftler 64,12 € x 173 h = 11.092,76 € netto
• Grabungsarbeiter 32,85 € x 173 h = 5.683,05 € netto
• Nicht studierter Grabungstechniker 39,06 € x 173 = 6.757,38 € netto
• Studierter Grabungstechniker 41,71 x 173 = 7.215,83 € netto

Eine einmonatige Ausgrabung mit einem Wissenschaftler, einem studierten Grabungstechniker und 4 Grabungsarbeitern würde demnach ‒ zuzüglich Aufarbeitung, Maschineneinsatz und Grabungsstelleneinrichtung ‒ 41.040,79 € netto bzw. 48.838,54 € brutto kosten, wenn die Entlohnung der Mitarbeiter der Bezahlung im öffentlichen Dienst gleichkommen soll.
Entgeltordnung_(VKA)_TVoeD_(29.04.2016).pdf
Archäologiespezifische Anlage zum TVöD, mit Eingruppierung nach Tätigkeitsmerkmalen
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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Leif Steguweit » So 26. Mär 2017, 21:16

Hallo,
vielen Dank für diese Kalkulation. Im Tenor sind wir uns sicher alle einig, dass Grabungsarbeiten vom Leiter bis zum Arbeiter im gesamten Spektrum zu schlecht bezahlt werden, nicht nur im Vergleich mit TV-L-Gehältern, sondern erst recht gegenüber dem Baugewerbe. Arbeiter werden von Baufirmen in BY mit ca. 45 € Netto in Rechnung gestellt, die Staffelung nach "oben" wollen wir aus Frustvermeidung mal gar nicht erst ansprechen... :?

Anmerkung: Sicherheitsleistungen würde ich aus der Rechnung rausnehmen und darauf verweisen, dass wir als Standard Verträge nach VOL abschließen. Das heißt gegenüber VOB auch, dass wegen der Unwägbarkeit der Befundlage keine Gesamtangebote abgegeben werden, sondern nur Zeiteinheiten für das durchschnittliche Personal (in Wochen) kalkuliert werden. Ausgrabungen sind ein nicht pauschal kalkulierbares Gewerk.

Einen weiteren Aspekt möchte ich hier nachschieben: Lasst Euch nach erfolgter Vergabe von öffentlichen Aufträgen die Submissionsergebnisse schicken, besteht auf der Transparenz. Auch so lässt sich ein Preisspiegel etablieren.

Gruß LS

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Frank Siegmund » Mo 27. Mär 2017, 07:34

Lieber Herr Steguweit,
Ihr Schlusssatz
Lasst Euch nach erfolgter Vergabe von öffentlichen Aufträgen die Submissionsergebnisse schicken, besteht auf der Transparenz. Auch so lässt sich ein Preisspiegel etablieren.
ist vermutlich sehr klug und weiterführend. Doch leider schwer nachvollziehbar für Menschen, die sich mit Vergaberecht etc. nicht so gut auskennen. Da wir hier ja auch der Idee folgen, uns gegenseitig zu bilden: ich bitte darum, mir das Gemeinte und den Sachverhalt genauer zu erklären. Herzlich grüßend, ein Mensch aus dem öffentlichen Dienst ;-)

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Stephan Winkler » Mo 27. Mär 2017, 09:11

Hallo Herr Siegmund,

Es geht schlicht um die Bekanntgabe der Konkurrenzangebote.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Submissionstermin
"Non vitae, sed scholae discimus". Lucius Annaeus Seneca (epistulae morales ad Lucilium 106, 11–12), ca. 62 n.Chr.
"Spricht hier jemand Altgriechisch?". Dr. Marcus Brody (Am Bahnhof von İskenderun), 1938

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Frank Siegmund » Mo 27. Mär 2017, 09:22

Danke! Ich verstehe das richtig: man hat als Mitbieter das Recht, die Namen aller Mitbieter zu erfahren sowie deren Endbeträge, sieht aber die kompletten Kalkulationen/Angebote nicht? Sammeln z.B. die Verbünde SAB und VAF solche wertvollen Informationen systematisch?

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon falknaeth » Mo 27. Mär 2017, 09:44

Hallo Herr Siegmund,
nur in Kürze: Submissionstermine finden im Rahmen der VOB statt: Dort werden die Angebote im Beisein der Bieter geöffnet. Bieternahmen und Endsummen der Angebote sind dabei bekannt zu geben (mit Ausnahme der Nebenangebote). Im Rahmen der VOL kann man eine Anfrage nach dem EINREICHUNGSTERMIN (keine Submission, da Öffnung nicht im Beisein der Bieter) die Angebotspreise erfragen - die Preisgabe der Bieter ist jedoch unüblich. Oft wird es auch mit der "spontanen" Preisgabe der Angebotspreise schwierig: Man verweist dann auf das Trans-Ante-Verfahren, wo dann der Zuschlag veröffentlicht wird (ist aber dann leider zu spät für Widersprüche).

Mit freundlichem Gruß,

Falk Näth
"Größtmöglicher Erfolg oder eine vernünftige Alternative!" (Hägar der Schreckliche)

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Stephan Winkler » Mo 27. Mär 2017, 09:52

"Non vitae, sed scholae discimus". Lucius Annaeus Seneca (epistulae morales ad Lucilium 106, 11–12), ca. 62 n.Chr.
"Spricht hier jemand Altgriechisch?". Dr. Marcus Brody (Am Bahnhof von İskenderun), 1938

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Sascha Piffko » Mo 27. Mär 2017, 12:43

Kurze Darstellung der realen Honorare (Hessen), soweit mir aus eigener Erfahrung bekannt (falls jemand andere Zahlen kennt, wäre ich dankbar für grobe Nennung):

Grabungsleiter:mit etwas Glück bei 40,-/Stunde, wird aber auch gerne deutlich "günstiger" angeboten. "Einzelkämpfer" können bei eiligen Projekten auch mal 45,- erfolgreich ansetzen.

Techniker: nach unten scheinbar offen, nach oben maximal 35,-

Grabungshelfer: maximal 21,-, nach unten scheinbar offen

Die Ersparnis für den Auftraggeber ist bei Kampfpreisen nicht gegeben. Mit erfahrenen, gut strukturierten und professionell arbeitenden Teams lässt sich unheimlich viel Geld und Zeit sparen. das kostet pro Arbeitsstunde zwar mehr, ist aber insgesamt deutlich billiger.

Die Frage nach Kostenkalkulation im Vorfeld ist extrem schwierig: Ein großes Baugebiet (über8 Hektar) dass ich untersucht habe, wies kaum 10 Befunde auf und war innerhalb einiger Tage mit wenig Personal abgearbeitet (kalkuliert war fast ein Jahr), ein Hinterhof von 300 Quadratmeter dagenen hatte überraschend mehrere mittelalterliche Keller im Untergrund und der Aufwand erhöhte sich immens.

Hier sind gute Vorgaben der ÄmterGold wert, in denen Maßgaben vorgelegt werden, an denen Mehraufwand gemessen werden kann.
Forschung und Denkmalschutz darf nicht zu Lasten der Forscher und Denkmalschützer gehen.
SPAU - Grabungsfirma in Hessen

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Re: 3. Faire Löhne und faire Angebotspreise bei Firmen und Selbständigen

Beitragvon Birgit Anzenberger » Mo 27. Mär 2017, 13:37

Ich möchte mich ganz herzlich für die sonntägliche Fleißarbeit mit der Berechnung der Lohnkosten zuzüglich Nebenkosten etc. bedanken!
Ach, wäre das schön! Dann würden nicht nur die angestellten Archäologen ein auskömmliches Einkommen :) haben, sondern die Firmen könnten vernünftig wirtschaften ohne im Winter immer Angst zu haben, pleite zu gehen.
Die Preise in Hessen scheinen sich nicht von denen in Bayern zu unterscheiden, wobei man mit 40€ für den Grabungsleiter schon an der allerobersten Marke kratzt. Und ein Grabungsarbeiter wird auch in Bayern schon mal für unter 20€ angeboten. Da kann man jetzt zurück rechnen, was an den Mitarbeiter gezahlt werden kann.....
Dass trotzdem das Geschrei immer groß ist wie viel die Grabungen kosten, ist eigentlich ein Witz. Und leider schreien nicht nur die Auftraggeben sondern durchaus auch Personen, die einfach mal das eigene Gehalt hochrechnen müssten.
Vielen Dank auch für den Hinweis zur Kostenkalkulation im Vorfeld. Genau so, wie beschrieben, ist es! Und es macht die Sache nicht einfacher, wenn jemand, der es besser wissen muss (!), fragt warum eine Grabung auf so wenigen qm so viel gekostet hat.
"Nur wer mitmacht, kann gewinnen!"


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