Herzlich willkommen im Tagungsforum der DGUF! Unsere Vortagung endete zum 10. Juni. Alle Beiträge können weiterhin gelesen, aber nicht mehr kommentiert werden

Wir danken Allen herzlich für die intensiven, lehrreichen, spannenden Debatten und hoffen, Sie auch auf der Präsenztagung am 04. Juli in Mainz begrüßen zu dürfen.
Das Tagungsprogramm finden Sie hier "DGUF Tagungsprogramm 2017"


Die Zusammenfassungen zu den einzelnen Sektionen finden Sie hier: Zwischenergebnisse der Sektionen und Themen

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2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

In dieser Sektion diskutieren wir allgemein über das Thema "Berufsverband für die Archäologie": Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband? Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?
Das Forum ist abgeschlossen, die Beiträge können jederzeit gelesen, aber nicht mehr kommentiert werden.
Schöbel
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » Mo 3. Apr 2017, 21:41

Ich würde gerne andersherum und ganz ernsthaft fragen: Wie kann es sein, dass ein offensichtliches Desiderat der Fachkollegen von all den Verbänden, die Sie nennen, bisher nicht gelöst oder wenigstens sehr ernsthaft angegangen worden ist? Haben die das Desiderat nicht gesehen? Es nicht ernst genommen? Wieso sollen gerade diese Verbände dann qualifiziert sein, etwas zu verbessern? Meinen Sie, dass niemand außerhalb oder innerhalb der von Ihnen genannten "Zentralstrukturen" versucht hat, diese zu ändern? Oder hat es jemand versucht, es hat aber nicht funktioniert? Bitte, das sind ernsthafte Fragen, und ich würde mich über Ihre Gedanken freuen.
Lieber Herr Verner,
die Entwicklungen in der Archäologie bewerte ich für Museum, Universität und Denkmalpflege unterschiedlich. Und auch der Anspruch, dass Verbände Desiderate sehen sollen und agieren sollen ist hoch angesetzt. Es braucht eine Gruppe, die aufmerksam macht, Missstände anzeigt und einen Verband auffordert zu lösen. Das kann über Vertreter wie die dguf initiiert werden. Dann läuft das in der Regel demokratisch über die gewählten Vertreter. Man müsste diese eben intensiv auffordern zu handeln. Mit informieren allein und auffordern mitzumachen ist es nicht getan.
Darf ich außerdem noch fragen:
- Sie schreiben, dass
eine Kooperationsbereitschaft mit den "alten Strukturen" wenig unterstützt wird
Das habe ich nirgends gelesen oder geplant gesehen. Woher nehmen Sie diese Information?
Die Wertungen für Verbände im Forum gehen von wertvoll und wichtig bis überholt und überflüssig. Wenn die bestehenden Strukturen keinen Input bekommen und keine begeisterte Mitarbeitsangebote, und man ihnen ihre Aufgabe mitteilt, anstatt mit ihnen zusammen zu streiten, dann schwächt das und begründet keine gemeinsame Positionen.
- Sie schreiben,
Wenn man wirklich etwas für die Archäologie bewegen möchte [...] dann geht das doch nur zusammen und nicht durch eine neue pressure group eines kleinen, wenn auch sehr engagierten Teilbereiches innerhalb unseres Faches.
Ich entnehme den Informationen rund um diese Vortagung, dass die Veranstalter und auch viele Teilnehmende zahlreiche Verbände, Gremien und Gruppierungen angeschrieben haben. Es wurden alle eingeladen, gebeten und aufgefordert, hierbei teilzunehmen. Wenn Sie sich in den Gremien, in denen Sie tätig sind und wo - so verstehe ich Sie - niemand über diese Vortagung spricht, stärker dafür einsetzen würden, dass diesen Einladungen auch jemand folgen möchte, wäre das ganz wunderbar und ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar! Denn ich finde, Sie sprechen genau das aus, worum es uns allen hier doch geht: etwas zusammen auf die Beine zu stellen.
Ich hätte es gut gefunden, wenn man über die Vortagung und die Absichten etwas in den gemeinsamen Vorstandssitzungen des DVA erfahren hätte. So wurde ich z.B. über unser Museumsnetzwerk aufgefordert mich zu beteiligen, als DGUF Mitgleid und nicht zuerst über den DVA, der die Tagung übrigens mit seinen Verbänden organisert und ausrichtet.

Ich würde mir wünschen, dass die DGUF offensiver mit den anderen Strukturen zusammenarbeiten würde. Und ausserdem bin ich weiterhin der Meinung, dass die 2 Häuptlinge der DGUF, meine Kollegin und mein Kollege im Vorstand, im DVA etwas lauter gemeinsame Aktionen einfordern könnten. Dort sind sie eher still. Informieren ist gut. Sich verschiedener Geschwindigkeiten besinnen, die ein großer Apparat und eine flotte Internetgang eben so mit sich bringen, wäre auch nicht schlecht. Nicht jeder fühlt sich im Internet wohl und manche, denen hier falsche Absichten und Untätigkeit und Dunkelmännerabsichten unterstellt werden, wären sicher bereit mit zu helfen, um eine Verbesserung zu erzeugen. Sie würden aber wohl lieber telefonieren, auf ein Schreiben reagieren oder einen Antrag abarbeiten.
Last edited by Diane Scherzler on Mo 3. Apr 2017, 21:54, edited 1 time in total.
Grund: Zitation korrigiert.

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » Mo 3. Apr 2017, 21:53

Die ganze Welt ist derzeit emotional. Oder halten sie etwa die aktuellen Geschehen für Fake News? Wir brauchen eine neue 68er Bewegung, wir wollen raus aus dem Muff von 50 Jahren. Bitte, verstehen Sie mich da richtig, niemand will hier Steine schmeißen. Wir wollen uns nur mit den gegebenen rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr setzen. Aber wir jüngeren wollen daran beteiligt sein! Weil uns sonst immer alles von den älteren vorgeschrieben wird, die das Sagen haben nur weil sie früher geboren wurden als wir. Das ist nicht demokratisch, das ist diktatorisch.


Liebe Frau Dachs,
die Welt dreht sich weiter, aber die grundsätzlichen Probleme und deren Lösungswege verändern sich nicht so stark. Ich sehe deutliche Parallelen für die Zwanziger des letzten Jahrhunderts, die 68er und die heutige Zeit. Die Perspektive für die Jungen fehlt.
Man braucht Unterstützer, legitimierte Interessenvertreter. Das können Gewerkschaften, Verbände, Unterstützer in der Politik oder Bewegungen sein. Aber dafür -und Kollege Karl wird mich in seinen elegischen und viel zu langen Abhandlungen gleich wieder schlachten, weil ich es jetzt das 6te mal sage -
es geht nur gemeinsam.

Aber das wie kommt ja erst im nächsten Kapitel.
Last edited by Michaela Schauer on Mo 3. Apr 2017, 22:12, edited 1 time in total.
Grund: Anpassen der Zitation

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Diane Scherzler » Mo 3. Apr 2017, 22:07

Also lieber Gunter,

das Wort "Beharrlichkeit" ist für unsere Zusammenarbeit mit dem DVA sicher keine Übertreibung, eher im Gegenteil. ;) Ich nehme für die DGUF in Anspruch, dass wir seit langen Jahren auf verschiedene Arten und Weisen beharrlich und konstruktiv dabei sind, den DVA zu unterstützen. Wir arbeiten intensiv an Stellungnahmen mit, denke z. B. an das Kulturgüterschutzgesetz, während das eine oder andere Mitglied des erweiterten Vorstands da auch mal schweigt (räusper). Trotz unserer Monita am "Blickpunkt" sind wir es, die ständig und mehr als Andere die Verbandsnachrichten zuliefern sowie wirklich alle Beiträge, zu denen wir eingeladen werden. Wir sind es, die jetzt den inhaltlichen Kurs des DVA stärken wollen.

Man mag nun in fast einem Atemzug über genau diese Art der Beharrlichkeit spotten ("die DGUF stellt Forderungen, keine Fragen") und gleichzeitig noch mehr davon fordern - vermutlich "fragende Beharrlichkeit"? Das kann aber nicht ernsthaft sein, dass Du egal, wie viel wir nachweislich tun, sagst: Ja, die DGUF macht eben zu wenig, sie müsste noch mehr arbeiten. Oder dass es heißt, wie hätten dies nach jenem Procedere machen müssen, nicht nach einem anderen. Das ist doch nicht wirklich die Ursache eines Problems. Lieber Gunter, ich nehme diesen Schwarzen Peter nicht an.

Einmal abgesehen davon verstehe ich nicht, wieso wir uns hier auf eine DVA-Diskussion "einschießen" sollen. Verschiedentlich bezweifeln andere Teilnehmer (ich habe mich herausgehalten), dass der DVA prinzipiell ein Berufsverband sein kann, also unabhängig davon, wie schnell und vital er agieren würde. Du wirst auch gefragt, warum Du glaubst, dass die klassischen Enrichtungen/Zentralverbände/alten Strukturen ein Problem lösen können, das sie Jahrzehnte lang überhaupt nicht interessiert hat. Ist darauf wirklich die Antwort, dass die DGUF eben härter arbeiten sollte und dass die DGUF bestehende Verbände eben fragen müsste? Das ist nicht unsere Rolle in diesem Prozess!

Ich sticke es bei Bedarf gerne auch ins Kopfkissen: Es geht bei dieser Tagung, wie verschiedentlich dargelegt, nicht um die DGUF. 500 Kollegen antworteten im Herbst 2016 auf unsere Fragen zum Thema "Berufsverband", was schon alleine auf eine hohe Dringlichkeit hinweist, die Thematik zu debattieren. Die inhaltlichen Aussagen gaben zudem eine klare Richtung vor. Das heißt, nicht wir als DGUF haben ein Thema "ausgegraben" und versuchen es zu lancieren, sondern das Thema ist bereits in hohem Maße virulent! Wir bieten hier die Plattform für eine ernsthafte, qualitätvolle und kooperative Debatte um eine Problemlage, weil wir glauben, einen notwendigen Diskurs zu deckeln, ist nicht sinnvoll. Für uns ist das Ergebnis der Debatte offen. Wir haben das alles beschrieben (dort: https://www.tagungsforum.dguf.de/downlo ... .php?id=18), und wir meinen das so. Ich bitte Dich herzlich, diese wiederholte Selbstaussage von uns ernst zu nehmen.


Mit einem Glas Wein aus dem Familienurlaub herzlich auf Dich anstoßend
Diane

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon MaryJane » Mo 3. Apr 2017, 22:20

Wenn es gemeinsam geht - schön. Und wenn es gemeinsam nicht in Gang kommt - machen wir mal trotzdem.
Wenn Du willst, was Du noch nie hattest, dann tue, was Du noch nie getan hast.

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Felix » Di 4. Apr 2017, 08:41

Guten morgen,

Meiner Meinung nach bringt es recht wenig, wenn die anderen Verbände und Vereine in gewisser Weise bockig reagieren anstatt sich hier in die angeregte Diskussion einzuklinken.
Mit ziemlicher Sicherheit gibt es hier Menschen, die sich versuchen einzubringen ohne das sie von den ganzen verschiedenen Verbänden zuvor gehört haben, noch die einzelnen Streitigkeiten/Unstimmigkeiten und die verbandspolitischen Auseinandersetzungen kennen.
Da hier bisher nichts beschlossen wurde, kann auch meines Erachtens nach niemand übergangen worden sein.
Ferner würde ich persönlich lieber dazu auffordern, das jeder, der Mitglied in irgendwelchen archäologischen Verbänden ist, seine Verbandskameraden dazu auffordert, sich hier aktiv an den Diskussionen zu beteiligen!
Es bringt nämlich niemandem etwas, wenn man sich aus Protest raushält, weil man nicht persönlich per Einschreiben zu dieser Vorabdiskussion eingeladen wurde.
Natürlich habe ich aber auch Verständnis für die Personen, die mit dem Internet nicht so die engste Verbindung haben und sich lieber bei einem Glas Wein oder am Telefon unterhalten. Was sich allerdings auch wesentlich länger ziehen würde und am Ende auch die Personen ausschließt, die noch jung im Buisness Archäologie sind, da diese sich weniger trauen etwas zu sagen, wenn da 'hohe Tiere' anfangen zu reden.
Demnach war es schon die beste Entscheidung, über ein Forum, die Diskussion zu starten.
Mal davon ab, ist es, sollte die Sache aktiv ins rollen kommen, völlig egal ob es der Museumsverband, die Dguf, darv, dva, wsva, dasv,etc. war, der das hier angeschubst hat. Denn es geht hier nicht um die Verbände, sondern um die Zukunft der Archäologie und die Menschen, die in der Archäologie und ihren Nachbardisziplinen arbeiten.

Viele Grüße,
Felix

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon raykarl » Di 4. Apr 2017, 10:47

Lieber Kollege Schöbel,
Man braucht Unterstützer, legitimierte Interessenvertreter. Das können Gewerkschaften, Verbände, Unterstützer in der Politik oder Bewegungen sein. Aber dafür -und Kollege Karl wird mich in seinen elegischen und viel zu langen Abhandlungen gleich wieder schlachten, weil ich es jetzt das 6te mal sage - es geht nur gemeinsam.
Vielen Dank. Ich bin voll dafür, es gemeinsam anzugehen, da werden Sie von mir keinen Widerstand bekommen. Wir verstehen nur scheinbar etwas anderes unter 'es gemeinsam angehen'; oder wenigstens habe ich den Eindruck, dass dem so ist.

Ich stelle mal kurz dar, was ich mir unter etwas 'gemeinsam angehen' vorstelle: wenn ich mit Freunden oder KollegInnen etwas 'gemeinsam angehen' will, z.B. ein gemeinsames Forschungsprojekt aus dem Boden stampfen, dann melde ich mich bei denen und sage 'das in etwa will ich machen, wenn ihr mitmachen wollt, lasst mich das bitte wissen, dann können wir gemeinsam drüber reden'. Da melden sich dann die, die das oder wenigstens etwas Ähnliches wie das, was ich vorgeschlagen habe, gemeinsam mit mir machen wollen; und dann schnapsen wir uns in einem offenen Gespräch zwischen gleichberechtigten PartnerInnen aus, wer was genau wie gemeinsam macht, wie wir die Arbeit verteilen, die dafür notwendig ist, gegebenenfalls auch, wenns um Geld geht, das man dafür braucht, auch wieviel Geld wir wo kriegen können und wie wir das dann untereinander verteilen, usw. Solche Gespräche sind dabei weitgehend ergebnisoffen, und sie können mittels verschiedenster Medien durchgeführt werden, je nachdem, was allen Interessierten gerade in den Kram passt, oder auch je nachdem, was ich vorgegeben habe, weil irgendwie muss das ja jemand ins Laufen bringen, und der hat daher auch eine gewisse Kontrolle über den Prozess. Wichtig ist: an dem Prozess können sich alle Beteiligen, die es wollen (und davon gehört haben), und alle unterhalten sich auf Augenhöhe, sind also in allen Belangen grundsätzlich einmal gleichberechtigt. Wer mitmachen will, der macht mit; wer nicht mitmachen will, der macht nicht mit. Damit hat man nach ein paar Wochen oder spätestens ein paar Monaten ein Resultat, z.B. den fertigen Projektantrag, der eingereicht und - wenn er finanziert wird - dann auch umgesetzt werden kann.

Sie hingegen scheinen unter 'es gemeinsam angehen' etwas anderes zu verstehen. Ich versuche, das aus Ihren letzten Beiträgen sinngemäß, wie ich es verstanden habe, zusammenzufassen:

Sie meinen, dass die, die eine bestimmte Sache machen wollen, sich erst einmal in einer Struktur, in die sie bereits eingebunden sind, z.B. der DGUF, ob nun formell oder informell, an den gewählten Vorstand der DGUF wenden und diesem ans Herz legen, sich dieser Sache doch bitte anzunehmen; also ihr Anliegen erst einmal eine Stufe nach oben delegieren. Der DGUF-Vorstand überlegt sich das und berät es eventuell dann erst einmal intern und gründet vielleicht auch zuerst einmal eine Arbeitsgruppe dazu, die erste Grundlagen erarbeiten und dem Vorstand dann eine Empfehlung vorlegen kann, über die dann im Vorstand abgestimmt werden kann.

Geht dieser erste Prozessschritt positiv aus, ist es nunmehr am Vorstand der DGUF, im erweiterten DVA-Vorstand in der von diesem Vorstand gewünschten (aber bisher für mich nirgendwo erkennbar spezifizierten) Form einen förmlichen Antrag an diesen zu richten, sich in einer seiner nächsten Sitzungen doch bitte seinerseits mit der Sache zu befassen; also das ursprüngliche Anliegen nun eine zweite Stufe nach oben zu delegieren, z.B. indem um die Einrichtung eines gemeinsamen Fachausschusses gefragt wird, bei der die DGUF ganz vorne mitarbeiten möchte; d.h. die eigentliche Arbeit selber macht, die anfallen würde. Der DVA-Vorstand wiederum, bei dem zu bedenken ist, dass er keine Schnellzuglokomotive ist, überlegt sich das dann seinerseits und arbeitet den Antrag wie vorgesehen ab; und trifft - eventuell nachdem neuerlich ein interner Fachunterausschuss unter Beteiligung der DGUF-RepräsentantInnen erste Grundlagen erarbeitet und dem Vorstand dann eine Empfehlung vorgelegt hat - demokratisch einen Beschluss, ob dieser Fachausschuss 'Berufsverband' eingerichtet werden soll.

Geht dieser zweite Prozessschritt ebenfalls positiv aus, d.h. der erweiterte DVA-Vorstand beschließt, einen solchen Fachausschuss einzurichten, ist es nunmehr an diesem, sich der Sache anzunehmen. Die Ressourcen, die er dafür zur Verfügung hat, hier auch wirklich etwas weiterzubringen, sind die RepräsentantInnen der DGUF im erweiterten DVA-Vorstand und wer auch immer sich sonst von diesem Vorstand (dessen Mitglieder allesamt überarbeitet sind) begeistert zur Mitarbeit angeboten hat. Der spielt daher den Ball nach ein paar Sitzungen an den erweiterten DVA-Vorstand zurück,weil die Verbände die Sache nicht allein lösen können, der ihn nun umgehend an das ihm passend erscheindende Gremium, sagen wir an den Deutschen Kulturrat weiter hochspielt.

Ich breche an dieser Stelle ab, denn bis dahin ist aller Wahrscheinlichkeit nach schon mehrere Jahre Wasser den Rhein hinuntergeflossen.

Der Punkt, den ich machen will, sollte ohnehin schon mehr als deutlich sein: der Ball wird hier zwischen verschiedenen Gremien jahrelang hin und her geschoben, die alle durchaus bemüht sind, aber alle durch die Bank keinerlei Ressourcen für diese Sache haben oder sie wenigstens nicht einsetzen wollen, ehe nicht klar ist, dass auch wirklich alles in jedem erdenklichen Gremium ausdiskutiert und durch drei Runden von Vorstandsbeschüssen abgesegnet wurde. Die, die die Sache ursprünglich vorantreiben wollten, weil sie davon betroffen waren, haben in dem ganzen Prozess nicht ein Wort quer in die unzähligen Beratungen hineinbekommen, in denen Ausschüsse voller wichtiger Fachgrößen (mit viel zu viel Arbeit und viel zu wenig Zeit) das Für und Wider der Sache vorsichtig abgewogen haben und sind inzwischen schon seit Jahren in einem anderen Bereich als der Archäologie tätig, weil ihnen auch gar nichts anderes übrig geblieben ist. Im Endeffekt versandet alles.

Aber dafür haben wenigstens 'alle gemeinsam', soll heißen, alle wichtigen Institutionen und deren ebenso wichtige RepräsentantInnen, an einer Lösung gearbeitet; und im Endeffekt sind auch alle zufrieden, dass letztendlich alles so geblieben ist, wie es schon vorher war, mit ein zwei kosmetischen Verbesserungen, wo es niemandem wehtut.

Und auch wenn das jetzt natürlich im konkreten Fall ein fiktives Beispiel war: ich bin schon selbst in zahllosen solcher Ausschüsse gesessen und sitze auch derzeit ununterbrochen in solchen, habe Vorstandsbeschlüsse mit gefasst oder auch gegen sie gestimmt, je nachdem, wie es mir richtig erschienen ist, etc. Zugegebenermaßen: nicht in Deutschland, sondern nur in Österreich und dem UK. Aber es ist der klassische 'top down'-Ansatz, der leider überall gleich (schlecht) funktioniert, nicht der 'bottom up'-Ansatz, der z.B. mir vorschweben würde; und zwar deshalb, weil er meinen Erfahrungen nach, die inzwischen auch schon recht groß sind, um ein Vielfaches besser funktioniert.

Meiner Erfahrung nach gilt, gerade wenn es darum geht, dass Probleme gelöst werden sollen, die einen selbst, aber nicht die 'wichtigen Leute' betreffen, denen man die Verantwortung für die Lösung der Probleme übertragen sollte, wenn es nach ihnen ginge: was man nicht selbst macht, wird nicht getan. Gar nicht aus Böswilligkeit oder falschen oder 'Dunkelmännerabsichten', sondern schlicht und einfach dessen, weil diese Leute ohnehin schon unendlich überarbeitet sind, außer mehr sozialem Kapital auch keine größeren Ressourcen haben, und daher selbst beim besten Willen - der nahezu immer bei nahezu allen auch meiner Erfahrung nach tatsächlich gegeben ist - schon alleine deshalb nix weiter bringen, weil sie von einer Ausschussitzung heute zu einer anderen Ausschussitzung morgen tingeln und daher gar nicht dazu kommen, die tatsächlich notwendige Arbeit auch wirklich zu leisten. Damit diese Arbeit tatsächlich erledigt wird, müsste sie daher wieder nach unten delegiert werden, was nur geht, wenn es Ressourcen dafür gibt, damit man jemanden beschäftigt, der die Arbeit auch wirklich erledigt. Den kann man aber auch durch Selbstorganisation auf der untersten Ebene finden, noch vor der erste oben genannte Prozessschritt im 'top down'-Prozess in Angriff genommen wurde, indem man sich einfach zusammenschließt, einen Mitgliedsbeitrag einhebt und die notwendige Arbeit an den Angestellten, der sie dann macht, gleich selbst delegiert.

Daher, bei allem Verständnis für die Befindlichkeiten der Verbände und ihrer RepräsentantInnen: es kommen zwar durchs Reden die Leute zusammen, aber nur durch Reden passiert nix. Mehr als die Verbände dazu einzuladen und aufzufordern, mitzureden, wenn sie wollen - was im konkreten Fall durchaus geschehen ist - kann die DGUF in dem Fall nicht machen; und mehr oder anderes zu machen hätte auch keinen Sinn. Die, die von den Problemen betroffen sind, müssen sich selbst darum kümmern, dass sie gelöst werden, und das geht am Besten dadurch, dass sie sich selbst organisieren. Darüber kann und soll man natürlich mit allen reden, und auch alle einladen, sich am Gespräch darüber zu beteiligen, auch und insbesondere die schon bestehenden 'Altverbände', weil es kann ja durchaus sein, dass sich einer davon findet, der das nicht nur unterstützen will, sondern dem ganzen auch ein entsprechendes Heim unter seinem Dach bietet. Aber wenn man darauf wartet, bis man erst gnädig die Erlaubnis vom Kaiser dafür erteilt bekommen hat, das tun zu dürfen, was notwendig ist, wird es wenigstens für einen selbst zu spät sein.

Liebe Grüße,

Ray
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Udo C. Verner » Di 4. Apr 2017, 11:04

Sehr geehrter Herr Schöbel,

ich danke Ihnen für Ihre Antwort!

Sie schreiben:
der Anspruch, dass Verbände Desiderate sehen sollen und agieren sollen ist hoch angesetzt.

Nach Ihrer Meinung, auf die ich viel gebe (!), haben die bestehenden Strukturen/Zentralverbände etc. also zum Einen keine Ahnung, was los ist, und zum anderen kann man nicht erwarten, dass sie handeln. Das ist eine sehr wichtige und gleichzeitig absolut erschreckende Information. Wenn das so stimmt, hätten Sie das Thema 2 aus Sektion VII (auf das wir ja leider schon vorgreifen) im Grunde schon beantwortet.

Meine Perspektive: Es pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass die Archäologie als Beruf massiv geschwächt ist. Verbände sind ja nicht, wie ich, ein einzelner alter Mann in irgendeinem Kämmerlein, sonden sie bestehen aus einer Vielzahl von Vorstands- und AG-Mitgliedern, die doch ihre Fühler überall haben. Dass nicht nur ein Verband, sondern nach Ihrer Information im Grunde alle Verbände mit all ihren Funktionären gar nicht wissen, was Sache ist, wäre ja furchtbar. Dann Ihr zweiter Aspekt: dass die Verbände agieren sollen, sei hoch angesetzt. Äh, nein, das ist nicht hoch angesetzt. Ich habe da eine höhere Anforderung an das, was ein Verband leisten muss. In der "Welt da draußen" wird eine Gruppierung (Firma, Gremium etc.), die sich als ahnungslos und desinteressiert erweist, nicht zu überzeugen versucht, doch zu überlegen, ob sie eventuell mitarbeiten möchten. Mit denen geht man anders um.

Sie schreiben:
Wenn die bestehenden Strukturen keinen Input bekommen und keine begeisterte Mitarbeitsangebote, und man ihnen ihre Aufgabe mitteilt, anstatt mit ihnen zusammen zu streiten, dann schwächt das und begründet keine gemeinsame Positionen.

Wenn diese Vortagung kein Input ist, was denn dann? Was sind "begeisterte Mitarbeitsangebote"? Die ja erfolgten Einladungen und persönlichen Treffen scheinen nach Ihrer Meinung ja nicht zu genügen. Daraus machen Sie dann, man wolle keine Kooperation. Das ist doch an den Haaren herbeigezogen und ein Gerücht, das selbst erst den Graben schafft, den es beklagt.

Irgendwie beschleicht mich die ganze Zeit das Gefühl, Sie möchten eigentlich anregen, dass die bestehenden Strukturen/Zentralverbände etc. Anträge erhalten sollten, also hübsch "bottom-up". Dass man sie erst überzeugen müsste, dass es a) nicht gut läuft im Beruf Archäologie und dass b) sie vielleicht erwägen möchten, einer Arbeitsgruppe ihre Existenz zu genehmigen. Wenn ein Verband das ablehnt, so mein Eindruck von Ihrer Perspektive, müsste man ihn eventuell mit noch mehr Beweisen zu überzeugen versuchen. Es hat nach meiner Meinung kein Verband eine Art Herrschaftsbefugnis über Debatten im Fach und müsste sie also genehmigen. Ich sehe nicht, dass beispielsweise die Kolleginnen und Kollegen, die hier über absolut erschreckende Umstände ihres Berufslebens berichten, dazu erst einen Verband um Erlaubnis bitten müssten.

Wie genau Sie es gut gefunden hätten, informiert zu werden, respektiere ich als Ihre Meinungsäußerung, die Ihnen selbstverständlich zusteht. Sie fügen aber weitere Sachaussagen hinzu, welche entweder belegt oder weggelassen gehören. Wann fand denn die jüngste Vorstandssitzung des DVA statt. Zu einem Zeitpunkt, als die DGUF die Planungen für diese Tagung schon "spruchreif" hatte, sie aber klar verheimlichte? Bitte belegen Sie das doch entweder, oder streuen Sie bitte nicht solche Gerüchte. Den nächsten Deutschen Archäologiekongress veranstaltet laut http://www.wsva.net/ der WSVA, nicht der DVA. Ich fühle mich ehrlich gesagt wie im faschen Film, worüber wir hier debattieren. Um all das, worüber ich in diesem Absatz schreibe, geht es nicht; das thematisiert nur Ihren privaten Verdruss. Kolumbus will einen Seeweg nach Indien entdecken, und wir reden über das spanische Hofprotokoll und dass er den Hut bei der Audienz bei der Königin schräg statt gerade hätte tragen sollen.

Ich habe mir eben noch einmal alles durchgelesen. Mein Eindruck ist, dass Sie die bestehenden Strukturen im Grunde sehr kritisch sehen und als defizitär beschreiben. Niemand außer Ihnen hat in diesem Forum behauptet, sie seien unfähig, die großen Probleme im Fach zu erkennen. Niemand aßer Ihnen hat gesagt, dass ein Verband handle, sei sozusagen zu viel verlangt. Ich halte viel mehr von den bestehenden Verbänden, und ich glaube daran, dass sie hier mitlesen und sich auf die Weise, die zu ihnen passt, einbringen werden. Vielleicht nicht in diesem Forum, aber anders. Ich glaube an einen guten Weg, den wir hier zusammen beschreiten können.


Mit freundlichen Grüßen
Udo Verner

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » Di 4. Apr 2017, 17:42

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist nicht meine Absicht hier die archäologischen Fachvertretungen darzustellen und ich bin auch überfordert, jedem einzelnen zu antworten. Deswegen ganz kurz.
Die Diskussion hier wurde dem DVA wie allen anderen vor 3 Wochen mitgeteilt. Ein Antrag, dass auch der DVA sich mit dem schwierigsten Punkt auseinandersetzen möge ist noch nicht erfolgt. Das ist legitim. Man darf aber dann nicht erwarten, dass er einfach tätig wird.
Die Studiensituation ist für Blickpunkt 3, erscheint vsl August vorgesehen. Koordiniert wird dies vom DSVA. Auch Kollege Karl ist angefragt.
Zur prekären Situation erfolgt in Mainz ganz zu Anfang ein Rundtischgespräch.
Gerade noch in Berlin, darf ich auch mitteilen, dass wir für den Ausschuss Archäologie und Schule gerade die Aufgaben verteilt und die Terminierung vorgenommen haben.
Diese Arbeit legt nach den auch hier wichtigen Vorarbeiten - wie die Durchsicht von 16 Bildungsplänen nach Schularten und der Schulbücher aus 9 Verlagen, die Grundlagen für die Bewertung der Situation bei der Kulturvermittlung bei uns. Im nächsten Schritt werden Handlungsvorschläge für die Politik erarbeitet. Eine gute Arbeit nach innen, wie sie auch in anderen Feldern möglich wäre, wenn sich Gruppen finden würden. Schule ist der Anfang für ein Kulturverständnis. Wenn ein solches erzeugt werden kann, dann sind auch die Kommunen, Kreise, Länder von der Bedeutung der Archäologie einschließlich Denkmalpflege zu überzeugen. Der Prozess läuft top down und bottom Up , nach außen und nach innen. Prima Aufgabe für einen Berufsverband mit allen seinen Abteilungen.

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon raykarl » Di 4. Apr 2017, 17:50

Lieber Kollege Schöbel,

Nur ganz kurz, weil ich gerade anderes zu tun habe:
Die Studiensituation ist für Blickpunkt 3, erscheint vsl August vorgesehen. Koordiniert wird dies vom DSVA. Auch Kollege Karl ist angefragt.
Kollege Karl hat wie vereinbart Anfang Januar 2017 geliefert. Dafür hat er den Beitrag in seinem nicht existenten Urlaub geschrieben. Damals hieß es noch es sei dringend, weil es in den ersten Blickpunkt des Jahres kommen sollte. Aber schön zu hören, dass doch noch etwas daraus wird, weil ich hab bisher praktisch nichts davon gewusst...

Liebe Grüße,

Ray
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » Di 4. Apr 2017, 18:20

Tja
Die Kommunikation kann immer noch verbessert werden ;-)


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