Herzlich willkommen im Tagungsforum der DGUF! Unsere Vortagung endete zum 10. Juni. Alle Beiträge können weiterhin gelesen, aber nicht mehr kommentiert werden

Wir danken Allen herzlich für die intensiven, lehrreichen, spannenden Debatten und hoffen, Sie auch auf der Präsenztagung am 04. Juli in Mainz begrüßen zu dürfen.
Das Tagungsprogramm finden Sie hier "DGUF Tagungsprogramm 2017"


Die Zusammenfassungen zu den einzelnen Sektionen finden Sie hier: Zwischenergebnisse der Sektionen und Themen

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2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

In dieser Sektion diskutieren wir allgemein über das Thema "Berufsverband für die Archäologie": Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband? Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?
Das Forum ist abgeschlossen, die Beiträge können jederzeit gelesen, aber nicht mehr kommentiert werden.
Schöbel
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » So 2. Apr 2017, 21:52

Lieber Kollege Karl,
ja dann empfiehlt es sich, hier nicht mehr weiter zu diskutieren, wenn präjudizieren in Sachen Verbände Ihr Weg ist. Da fehlt anscheinend jegliches Vertrauen in die 26 Vertreterinnen und Vertreter im erweiterten Vorstand des DVA, einschließlich der der DGUF. Sehr Emotional und auf ein festliegendes Ziel ausgerichtet wird es schwer sein, einen Weg zwischen Gewerkschaft, Berufsverband und bestehenden Verbänden zu finden, den alle mittragen können. Dennoch wünsche ich dem Forum viel Erfolg bei der Vortagung und eine gute Lösung der oben stehenden Frage.

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falknaeth
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon falknaeth » So 2. Apr 2017, 22:24

Sehr geehrter Herr Schöbel,
kann ich Ihrer Anmerkung entnehmen, dass Sie mir die Beantwortung der o.g. Fragen aufgrund Ihres Disputs mit Herrn Karl schuldig bleiben werden?
"Größtmöglicher Erfolg oder eine vernünftige Alternative!" (Hägar der Schreckliche)

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Udo C. Verner » So 2. Apr 2017, 22:41

Sehr geehrter Herr Schöbel,

genau dasselbe wie Falk Näth möchte ich Sie ebenfalls fragen. Sind meine Fragen an Sie auf Ihre eigenen Anmerkungen hin keine Antwort wert?

Sie wiederholen bisher im Grunde immer dasselbe, egal, was irgendjemand hier Ihnen in - wie ich finde - überlegtem und freundlichem Ton antwortet. Heute attackieren Sie dazuhin die DGUF und deren anderweitige Papiere, die mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun haben. Sie sagen, die DGUF frage nicht - was anderes als ein riesiges Fragen ist denn diese Vortagung, Herr Schöbel? Und Sie wollen Raimund Karl dafür verantwortlich machen, dass Sie sich womöglich aus diesem Forum zurückziehen (was ich persönlich sehr bedauern würde). Raimund Karl hat Ihnen ca. vier Mal zu antworten versucht, und er hat sich dabei viel Mühe gegeben. Er hat dafür Dank verdient!

Sie sagen, Sie gehörten zu den "alten" Strukturen, zu den Zentralverbänden (wie Sie sie nennen). Müssen wir denn annehmen, dass diese auf eine Debatte zum Thema "Berufsverband" ähnlich reagieren werden wie Sie: ausweichend und verärgert? Dann haben wir nun vielleicht gemeinsam die Antwort gefunden, warum hier eine solche Skepsis besteht, dass jene alten Strukturen die hier diskutierten Probleme lösen können. Bitte räumen Sie doch herzlich gerne dieses Skepsis aus, nichts wäre willkommener!

Ich würde mich aufrichtig über eine detaillierte Antwort von Ihnen auf meine Fragen und die Fragen der Kollegen freuen. Denn wir wollen wirklich diskutieren, gemeinsam.


Mit freundichem Gruß
Udo Verner

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Jadzia Dachs » So 2. Apr 2017, 22:49

Lieber Herr Schöbel,

vielen Dank für Ihren Beitrag zum Schleswiger und Unkeler Kreis und für Ihren Lösungsvorschlag bzgl. des Prekariats. Dennoch hat Raimund Karl absolut recht. Die jüngeren Generationen müssen an den Lösungen der Probleme mitarbeiten, weil es eben unsere Probleme sind. Bekannterweise hat sich die Gesellschaft in den letzten 50 Jahren enorm verändert. Die sog. Generationen X und Y haben zudem eine völlig andere Wahrnehmung auf diese Gesellschaft wie die heute ehemaligen 68er. Das merken wir beispielsweise bei einigen Genrationenkonflikten in den eigenen Familien. Die vorbildlichen 68er von gestern sind die reichen Babyboomer von heute. Wir jüngeren X- und Yer sehen nicht mehr, dass wir einen ähnlichen Wohlstand wie unsere Eltern erreichen werden. Wir leben - ob nun mit oder ohne Arbeit - ständig am Existenzminimum und sehen unsere Zukunft in Altersarmut. Der (eigentlich positiv zu bewertende) Mauerfall, die Agenda 2010- Politik und die Folgen der Globalisierung haben negative Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt. Wir sind dem ausgeliefert.

Die ganze Welt ist derzeit emotional. Oder halten sie etwa die aktuellen Geschehen für Fake News? Wir brauchen eine neue 68er Bewegung, wir wollen raus aus dem Muff von 50 Jahren. Bitte, verstehen Sie mich da richtig, niemand will hier Steine schmeißen. Wir wollen uns nur mit den gegebenen rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr setzen. Aber wir jüngeren wollen daran beteiligt sein! Weil uns sonst immer alles von den älteren vorgeschrieben wird, die das Sagen haben nur weil sie früher geboren wurden als wir. Das ist nicht demokratisch, das ist diktatorisch.

Hochachtungsvoll,
Jadzia Dachs

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Frank Siegmund » Mo 3. Apr 2017, 00:18

Lieber Herr Schöbel,

so ganz verstehe ich die hitzige Aufregung nicht. In meiner Gremientätigkeit an einer Schweizer Uni nannte man das, was wir gemeinsam tun, eine “Eintretensdebatte”: gemeinsam abklären, ob man sich mit einem denkbaren Thema wirklich ernsthaft und ggf. auch förmlich beschäftigen will.

Es gab im Herbst 2016 eine sehr schnelle, lebendige (und leicht chaotische) Debatte in einer Facebook-Gruppe um das Thema Gewerkschaft / Berufsverband für Archäologie (nicht DGUF, außerhalb). Ich habe dann im Herbst 2016 für die DGUF eine seriöse Online-Umfrage aufgesetzt, die Tatsache wurde breit kommuniziert, die Umfrage stand 4 Wochen offen. Sie erhielt überraschend starke Resonanz, ca. 500 Antwortende, und 400 davon (80 %) meinten: wir wollen einen Berufsverband und würden Mitglied werden. Die Umfrage ist inzwischen Open Access publiziert: http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf ... gmund2.pdf Alles transparent und öffentlich, inkludierend.

Angesichts dieses Interesses schien es uns als DGUF naheliegend, dem offensichtlichen Gesprächsbedarf eine Plattform zu bieten, also daraus eine DGUF-Tagung zu machen - solches ist eine der Funktionen der DGUF im Fach. Angesichts des Themas haben wir uns entschieden, andere Pläne zurückzustellen und das Thema Berufsverband im Jahr 2017 zu behandeln, damit diese Debatte innerhalb des 9. DAK stattfinden kann. Weil beim DAK u.a. der gesamte DVA-Vorstand anwesend sein dürfte, weil uns ein DAK mit geschätzt ca. 1.000 Teilnehmern insgesamt eine gute Plattform erschien, weil so wirklich viele Interessierte die Chance einer Teilnahme haben. Ich halte fest: wir haben entschieden, die Debatte nah am DVA stattfinden zu lassen.

Eine Tagung will vorbereitet werden. Im DAK gibt es für uns nur 1 Tag Zeit. Das Thema ist wahrlich komplex und facettenreich, und wir wollen kein oberflächliches Strohfeuer, sondern eine gewissenhafte Klärung. Also haben wir uns für diese webbasierte Vortagung entschieden, damit es mehr Zeit und Ruhe gibt, um die Dinge besprechen und vorbereiten zu können. Auch, weil wir als DGUF dem Thema mit Respekt gegenüber stehen: wir wissen nicht alles, wir brauchen Rat und Hilfe, wir hoffen Expertise zu gewinnen, die wir selbst nicht haben. Zur Vortagung wurde breit, vielfältig öffentlich eingeladen, jeder kann teilnehmen und sich einbringen.

Wir wollen hier dreierlei erreichen: (1) Die “Eintretensdebatte” weiter führen: Trägt das Thema, findet es wirklich Interesse? Was genau müssen wir alles besprechen und klären, was sind die echten Knackepunkte und was muss in die Präsenztagung am 4. Juli gegeben werden? (2) Wir wollen die Teilnahme wirklich allen Interessieren möglich machen. Also auch jenen eine Möglichkeit der Teilhabe und Mitwirkung bieten (und von ihren Erfahrungen und ihrem Know-How profitieren), die am 4. Juli in Mainz nicht werden teilnehmen können, z.B. weil sie als Ausgräber auf der Fläche stehen und nicht weg können, z.B. weil sie als Angestellte in der dritten Reihe eben keine Dienstreise genehmigt bekommen und sich den DAK finanziell nicht leisten können. Auch deren Mitwirkung ist uns wichtig - diese Online-Tagung macht das möglich. (3) Wir machen und bieten eine Art “Marktstudie”, klären, welche Bedürfnisse bestehen, und welche Themen, Merkmale, etc. ein eventueller Berufsverband haben sollte. Was ist den Teilnehmern der Vortagung besonders wichtig, was weniger wichtig? Die Vortagung ist öffentlich! Dies gibt allen Verbänden, Berufsverbänden und “Berufsverbänden” die Möglichkeit, sich im Vorfeld des 9. DAK aktiv zu beteiligen oder auch nur - passiv lesend - eben diesen Markt zu studieren. In Ruhe zu überlegen: was davon können und tun wir bereits (und haben bislang “nur” vergessen, das auch wirksam zu kommunizieren), und was müssten wir ev. an Veränderungen an uns selbst vornehmen, um diese nun offenbar werdenden Bedürfnisse des Marktes noch besser erfüllen zu können (und diese Chance für uns selbst zu nutzen). Für solche Marktstudien zahlt man in der freien Wirtschaft viel Geld. DGUF & unsere Vortagungsteilnehmer tun das kostenfrei, z.B. für den dArV, BfK, DVA, wer immer es lesen will. Wir alle gemeinsam schenken den etablierten Strukturen etwas, schon jetzt.

Ich stimme Ihnen zu: die Vortagung verläuft sehr dynamisch, ergebnisreich, sehr konstruktiv. Wegen dieser Eigendynamik verlässt der Prozess vielleicht schon das Stadium einer reinen “Eintretensdebatte” und wird schrittweise handfester, konkreter. Daran kann ich nichts Schlechtes sehen. All das geschieht in einem gänzlich transparenten Prozess, die DGUF hat ihr Tun jeweils öffentlich erklärt. Lieber Herr Schöbel, Sie erwähnten den neu gegründeten Fachausschuss “Schule und Archäologie” beim DVA. Auch der fiel nicht vom Himmel! Vielmehr haben Sie ihn sorgfältig seit langem vorbereitet. Zuletzt erschien z.B. ein Band “Blickpunkt Archäologie” (4/2016) mit immerhin 6 Aufsätzen zum Thema, Aufsätze, die gewiss schon *vor* der förmlichen Gründung des Fachausschusses geschrieben wurden. Ich bin da ganz bei Ihnen: gründliche Vorbereitung bevor man förmliche Verfahren aufgleist ist nix Falsches.

Unser Prozess orientiert sich am Prinzip “form follows function”: Erst einmal klären, ob “Berufsverband” ein Bedarf ist, dann schauen, welche Merkmale, welches Lastenheft er mindestens haben sollte, die Prios abstecken, und dann nach einer geeigneten Form Ausschau halten.

Ach - lassen Sie uns doch der hier offenbar versammelten Klugheit und Expertise der Kollegen Tagungsteilnehmer vertrauen, dass da am Ende schon was Gutes und Vernünftiges rauskommt! Ich habe die Gewissheit, dass z.B. die hier versammelten Firmenchefs keine leichtfertigen Hasardeure sind, die kurzerhand mal einer Schnapsidee hinterherrennen. Wenn das ihre Natur wäre, wären sie keine Firmenchefs, nicht unter solch’ harten und gewiss selektiven Bedingungen, wie sie hier offensichtlich werden. Und die Jungen, Prekären in dieser Runde, die es trotz allem immer noch beharrlich mit der Archäologie versuchen: die können sich, ganz wörtlich, Leichtfertigkeit in diesen Dingen gar nicht leisten. Also: Gelassenheit, ein Stück Grundvertrauen, und weiter an der Debatte mitwirken.

Herzliche Grüße, Frank Siegmund.

Leif Steguweit
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Leif Steguweit » Mo 3. Apr 2017, 00:45

Nur kurz von meiner Seite zum DVA, ohne auf die Diskussion ansonsten eingehen zu wollen: Der DVA hat leider bislang keine regelkonforme Satzung, siehe http://www.dvarch.de/dva_satzung.php

Bei § 13 – Verwendung des Vereinsvermögens steht:
Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall seiner steuerbegünstigten Zwecke fällt das Vermögen des Vereins an eine oder mehrere Körperschaft/en des öffentlichen Rechts oder eine oder mehrere andere steuerbegünstigte Körperschaft/en zum Zwecke der Verwendung für die Förderung von Wissenschaft und Forschung im Bereich der Archäologie.

Hier müsste die Körperschaft konkret benannt werden, stattdessen wurde die unmodifizierte Formulierung aus der Mustersatzung für Vereine stehen gelassen. Der Finanzbeamte, der die Steuererklärung in Verbindung mit dieser Satzung prüft, wird einen ungefähr so anschauen wie ein Grenzbeamter, wenn man ihm einen Ausweis auf den Namen Erika Mustermann vorlegt.

Um nicht eines unkollegialen Stils bezichtigt zu werden: Ich habe die Geschäftsstelle des DVA bereits vor Jahren auf diesen Lapsus hingewiesen, geändert hat sich nichts. Es wäre natürlich schön, wenn der DVA beim Thema Präqualifikation von Grabungsfirmen mitmachen könnte. Denken Sie, Herr Schöbel, dass man sich für diese Thema beim DVA interessieren würde?

Grüße, LS

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raykarl
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon raykarl » Mo 3. Apr 2017, 08:39

Lieber Kollege Schöbel
...ja dann empfiehlt es sich, hier nicht mehr weiter zu diskutieren, wenn präjudizieren in Sachen Verbände Ihr Weg ist. Da fehlt anscheinend jegliches Vertrauen in die 26 Vertreterinnen und Vertreter im erweiterten Vorstand des DVA, einschließlich der der DGUF.
Das tut mir leid, aber das sehe ich auch anders; und die inzwischen zum gefühlt 5. Mal wiederholte, in der Sache falsche Unterstellung Ihrerseits, ich würde in Sachen der Verbände 'präjudizieren' oder keinerlei Vertrauen in die VertreterInnen des erweiterten Vorstandes des DVA haben, macht die Behauptung auch nicht richtiger. Nur um das neuerlich klar zu stellen:

Ich schätze die Verbände, inklusive des DVA durchaus sehr. Ich schätze auch wenigstens die überwiegende Mehrheit der VertreterInnen im erweiterten Vorstand des DVA, die ich das Glück habe zu kennen, durchaus sehr. Ich halte auch die Verbände für wichtig und glaube auch, dass sie viele wichtige Aufgaben erfüllen, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg, was auch im letztgenannten Fall ihrer Wichtigkeit keinen Abbruch tut, auch wenn es bedauerlich ist. Ich habe das auch schon vielfach, auch hier in dieser Diskussion, explizit gesagt und auch argumentativ begründet.

Gerade als jemand, der die Verbände und auch viele derer RepräsentantInnen durchaus schätzt, und sogar manche davon als gute persönliche Freunde und wichtiges fachliches Korrektiv seiner eigenen Arbeit betrachtet, halte ich es aber auch für wichtig, dass man die Stärken und Schwächen der Verbände und auch ihrer RepräsentantInnen sowohl anerkennt als auch, wo das notwendig ist, kritisch diskutiert. Kritik ist in diesem Zusammenhang übrigens als Zeichen der höchsten Wertschätzung zu verstehen: etwas, was mir egal ist, kritisiere ich auch nicht, weil nicht nur kostet begründete Kritik einen Haufen Zeit, sondern kostet oft auch viel soziales Kapital, weil sie als 'Anpatzen', 'Nestbeschmutzung' etc. und damit als persönlicher Angriff missverstanden wird; statt als das gesehen wird, als was sie gedacht ist. Nämlich als Versuch etwas zu verbessern, das man als Kritiker sehr hoch schätzt und das man daher, wenn man glaubt, Mängel erkannt zu haben, reparieren will; was es aber notwendig macht, das wahrgenommene Problem zuerst einmal offen anzusprechen.

Kritik zu äußern ist übrigens auch kein Ausdruck von Misstrauen, wie Sie hier fälschlich unterstellen, sondern vielmehr ein Ausdruck großen Vertrauens; nämlich des Vertrauens in Verbände wie den DVA und dessen Vorstandsmitglieder, dass sie mit offener Kritik umgehen, sie wie erwachsene Menschen behandeln können und nicht aufgrund der Kritik dann zutiefst persönlich beleidigt sind und entweder Schmollen oder 'Gegenangriffe' zu führen beginnen, wo es gar keinen Angriff gegeben hat. Wenn ich also manches, was die Verbände tun oder unterlassen kritisiere, dann ist das kein Zeichen von Misstrauen und Geringschätzung, sondern ganz im Gegenteil ein Zeichen von Vertrauen und Wertschätzung.

Ich habe auch inzwischen schon mehrfach gesagt, dass ich durchaus die Stärken der Verbände sehe, anerkenne, schätze und für wichtig halte. Aber ich habe auch ausführlich begründet dargestellt, dass ich diese Stärken der Verbände hauptsächlich im Bereich des fachexternen Lobbyings und der fachexternen Kommunikation sehe. Dies zeigt sich unter anderem auch bei retrospektiver Betrachtung der Handlungen und formellen Wortmeldungen der Verbände: diese sind - soweit ich das zu erkennen vermag durchgehend - nach außen gerichtete Stellungnahmen, sei es nun gegenüber einer gesetzgebenden Versammlung zu denkmalrechtlichen Fragen, oder gegenüber einer unbestimmten Öffentlichkeit mit durchaus kritischen Stellungnahmen zu Misständen oder Schlimmeren (wie der Ermordung ausländischer KollegInnen durch Terrororganisationen) im Ausland. Sie können mir jetzt gerne das Gegenteil beweisen, indem Sie mir drei Beispiele aus dem letzten Jahrzehnt nennen, in denen die Verbände (mit Ausnahme der DGUF) explizit zu fachinternen Problemen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz in vergleichbarer Weise Stellung genommen und sich kritisch geäußert haben. Sollte es diese gegeben haben, habe ich sie leider übersehen, ich lasse mich aber sehr gerne belehren und mir das Gegenteil zeigen, weil ich halte mich nicht für über Fehler erhaben. Solange mir aber niemand das Gegenteil zeigen kann, denke ich - eben durchaus begründet - dass das Ansprechen und Entwickeln von Lösungsversuchen fachinterner Probleme, insbesondere vieler der hier angesprochenen Misstände und Mängel im Bereich des archäologischen Arbeitsmarktes, aber auch mit den ethischen (und anderen) fachlichen Standards bzw. deren bisher weitgehenden Fehlen (wenigstens in explizierter Form) keine der Stärken der Verbände war und ist.

Ebenso gut und ausführlich begründet glaube ich sogar, dass die Lösung der hier andiskutierten Probleme nicht zuletzt aus strukturellen Gründen nahezu notwendigerweise keine der Stärken - und daher letztendlich sinnvoller Weise auch keine der Aufgaben - der 'Altverbände' sein kann. Demokratische Gesellschaften kennen und haben - aus sehr guten Gründen - das Prinzip der Gewaltentrennung: jedem Organ der staatlichen Machtausübung steht ein anderes, mit (nahezu oder tatsächlich) gleicher Möglichkeit zur Machtausübung ausgestattetes Kontrollorgan entgegen. Dieses dem mit Macht ausgestatteten Organ entgegenstehende Kontrollorgan ist aber nicht grundsätzlich ein Feind oder auch nur ein Gegner des betreffenden Organs, sondern ganz im Gegenteil ein Partner, dessen Aufgabe es nicht ist, das betreffende Organ grundsätzlich zu behindern und zu bekämpfen; sondern dessen Aufgabe es vielmehr ist, das betreffende Organ an die Grenzen seiner Machtbefugnisse zu erinnern, wenn es diese irrtümlich oder vorsätzlich zu überschreiten droht, und im Notfall auch zur Beachtung dieser Grenzen zu zwingen. Daher steht der Exekutive die Judikatur gegenüber, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung der geltenden Gesetze zu erzwingen, im Notfall auch deren Einhaltung durch die Exekutive. Das geht aber nur, wenn die Judikatur von der Exekutive unabhängig ist und daher im Notfall - wenn die Exekutive geltendes Recht bricht - auch gegen sie vorgehen kann.

Meiner Meinung nach - und wie immer, meine Meinung kann falsch sein - fehlt ein solches Kontrollorgan in der deutschsprachigen Archäologie, dass zwar normalerweise mit den machtausgestatteten Organen der Archäologie - zu denen meiner Ansicht nach sowohl die 'Altverbände' als auch deren Repräsentanten als auch die sonstigen fachlichen 'MachthaberInnen' gehören, aus deren erlauchten Kreis sich der Großteil der Vorstände der 'Altverbände' rekrutiert - konstruktiv zusammenarbeitet; aber eben im Notfall - wenn diese machtausgestatteten Organe der Archäologie ihre Machtbefugnisse zu überschreiten oder missbrauchen drohen - auch moderierend oder sogar korrigierend eingreifen oder sogar direkt gegen sie vorgehen kann. Dazu muss aber ein solches Kontrollorgan - ganz im Sinne einer Gewaltentrennung - zwingend unabhängig von diesen sonstigen Machtstrukturen sein.

Ich bin bei all dem Gesagten durchaus bereit, mich von Gegenteil überzeugen zu lassen. Aber dafür, lieber Kollege Schöbel, braucht es mehr als die mantraartige Wiederholung des von Ihnen seit Ihrem ersten Beitrag unverändert verwendeten pragmatischen Arguments, dass es 'ohne Unterstützung durch die Zentralverbände' nicht gehen wird; gekoppelt mit Unterstellungen, dass ich und andere Dinge behauptet hätten, die wir gar nicht behauptet haben; oder die DGUF die Verbände nicht ausreichend eingeladen hätte, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Weil das die Verbände nicht eingeladen wurden ist schlicht und einfach falsch, und ebenso falsch sind die Unterstellungen, die sie hier wiederholt geäußert haben. Und niemand hat bestritten, dass es ohne Unterstützung durch die Verbände ungleich schwerer werden wird, einen - ob nun neuen, aus etwas Bestehenden umgebauten oder aus dem Ausland übernommenen - Berufsverband, wie er hier diskutiert wird, erfolgreich aus dem Boden zu stampfen. Und niemand hier will das ohne Unterstützung durch die Verbände machen. Aber Unterstützung durch die Verbände ist nicht das gleiche wie die Aufgabe einfach den Verbänden zu übertragen.

Wenn Sie mich überzeugen wollen, dass die Lösung der hier angesprochenen Probleme den bestehenden Verbänden überlassen werden soll, dann müssen Sie das argumentativ begründen; dann müssen Sie die Ihnen hier von zahlreichen KollegInnen gestellten Fragen eingehen und diese zu beantworten Versuchen. Weil bisher haben Sie überhaupt nur auf Beiträge der DGUF-Vorsitzenden und von mir, dem anderen Universitätsprofessor, der hier mitdiskutiert, überhaupt auch nur ansatzweise reagiert, wenn auch großteils nicht inhaltlich in der Sache geantwortet.
Sehr Emotional und auf ein festliegendes Ziel ausgerichtet wird es schwer sein, einen Weg zwischen Gewerkschaft, Berufsverband und bestehenden Verbänden zu finden, den alle mittragen können.
Ich habe kein festliegendes Ziel. Ich bevorzuge derzeit - aus zahlreichen Gründen, die ich auch schon erläutert habe - ein Lösungsmodell, weil mir das auch auf Basis retrospektiver Betrachtung am geeignetsten erscheint. Aber ich bin für jeden anderen Vorschlag offen. Davon, dass die Vorteile eines anderen Vorschlags die dessen, der mir derzeit am geeignetsten erscheint, übertreffen, müsste man mich eben mit Argumenten überzeugen. Diese fehlen in Ihren Beiträgen bisher aber abgesehen vom Totschlag-Argument 'ohne die Verbände geht es nicht' völlig.

Liebe Grüße,

Ray
Prof. PD Mag.Dr. Raimund KARL FSA FSAScot MCIfA
Professor of Archaeology and Heritage
Prifysgol Bangor University
School of History and Archaeology
College Road
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Frank Siegmund
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Hintergrundinfo DGUF / DVA-Brief

Beitragvon Frank Siegmund » Mo 3. Apr 2017, 09:27

Liebe Tagungsteilnehmer,

in einem der jüngsten Beiträge von G. Schöbel wird ein Brief der DGUF an den DVA und "Forderungen" erwähnt. Möglicherweise ist nicht allen klar, was das ist, worum es da geht, daher hier ein paar Hintergrundinformationen. Die, die alles schon wissen: diesen Beitrag schlicht überlesen.

Vorab: das ganze hat mit unserem Forum und der Frage nach einem Berufsverband nichts zu tun.

Der DVA ist die Dachorganisation, in der viele archäologische Vereine, Verbände etc. sich zusammengefunden haben. Die DGUF ist förmliches DVA-Mitglied (Gründungsmitglied) und hat sich in konkreten Projekten immer wieder aktiv an der Arbeit des DVA beteiligt. Im Juli 2017 stehen turnusgemäß Vorstandswahlen an. Die DGUF möchte diese Vorstandswahlen nicht allein als Personenwahlen begreifen, sondern hat sie mit Sachfragen verknüpft. Fünf Punkte, wo die DGUF (seit längerem) auf Änderungen im DVA drängt, wurden in diesem Brief vom 12.3.2017 explizit dargelegt, verbunden mit der Bitte an alle, die für ein Vorstandsamt kandidieren, ihre Haltung zu diesen Punkten vor der Wahl darzulegen. Weil die DGUF möchte, dass die Wahl auch eine Wahl ist und im DVA Inhaltliches bewegt. Der DGUF-Brief an alle Mitglieder des DVA ist - wen überrascht's - kein Geheimpapier, sondern kann auf der Website der DGUF eingesehen werden. Der direkte Link zum PDF ist: http://www.dguf.de/fileadmin/user_uploa ... lieder.pdf

Der Deutsche Archäologenverband dArV, jener der DGUF ähnliche Personenverband der Klassischen Archäologen, hat dem DGUF-Brief am 27.3., wiederum in einem Brief an alle Mitglieder des DVA, differenziert zugestimmt und unsterstützt das Anliegen der DGUF in wesentlichen Punkten. Dieser Brief ist leider noch nicht öffentlich verfügbar.

Ende der Hintergrundinfo. Nachfragen gerne, aber bitte außerhalb dieses Forums an: vorstand@dguf.de
Herzliche Grüße, Frank Siegmund.

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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon MaryJane » Mo 3. Apr 2017, 10:55

Danke Herr Siegmund! Das hilft! Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, an der gelegentlich ein Teil der Diskussion komplett vorbeigeht.
Wenn Du willst, was Du noch nie hattest, dann tue, was Du noch nie getan hast.

Schöbel
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Re: 2. Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?

Beitragvon Schöbel » Mo 3. Apr 2017, 20:26

Lieber Herr Schöbel,

ich meine, dass eine Antwort auf Ihre Frage z. B. dort ausführlich versucht worden ist: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewto ... p=439#p444 Die Punkte wiederhole ich daher hier nicht.

Ich würde gerne andersherum und ganz ernsthaft fragen: Wie kann es sein, dass ein offensichtliches Desiderat der Fachkollegen von all den Verbänden, die Sie nennen, bisher nicht gelöst oder wenigstens sehr ernsthaft angegangen worden ist? Haben die das Desiderat nicht gesehen? Es nicht ernst genommen? Wieso sollen gerade diese Verbände dann qualifiziert sein, etwas zu verbessern? Meinen Sie, dass niemand außerhalb oder innerhalb der von Ihnen genannten "Zentralstrukturen" versucht hat, diese zu ändern? Oder hat es jemand versucht, es hat aber nicht funktioniert? Bitte, das sind ernsthafte Fragen, und ich würde mich über Ihre Gedanken freuen.
Lieber Herr Verner,
die Lösung der angesprochenen Probleme, und es sind viele, kann nicht von Verbänden alleine gelöst werden. Bei einer Hoheit der Länder erfordert dies entweder ein länderweises Vorgehen oder die Erzeugung eines Beschlusses oder einer Empfehlung eines länderübergreifenden Gremiums wie des Deutschen Kulturrates oder der Landeskultusministerkonferenz. Beim Deutschen Museumsbund bin ich durchaus der Meinung, dass dieser Probleme wie etwa die Qualifizierung der Mitarbeiter oder das Volontärproblem konsequent angeht.
Darf ich außerdem noch fragen:
- Sie schreiben, dass
eine Kooperationsbereitschaft mit den "alten Strukturen" wenig unterstützt wird Das habe ich nirgends gelesen oder geplant gesehen. Woher nehmen Sie diese Information?
Ich bin nach meiner Kenntnis der Vorstandssitzungen und Protokolle der Ansicht, dass die DGUF nicht explizit einen Antrag auf in dieser Angelegenheit gestellt hat, werde aber morgen in Berlin nachfragen.
- Sie schreiben,
Wenn man wirklich etwas für die Archäologie bewegen möchte [...] dann geht das doch nur zusammen und nicht durch eine neue pressure group eines kleinen, wenn auch sehr engagierten Teilbereiches innerhalb unseres Faches.
Ich entnehme den Informationen rund um diese Vortagung, dass die Veranstalter und auch viele Teilnehmende zahlreiche Verbände, Gremien und Gruppierungen angeschrieben haben. Es wurden alle eingeladen, gebeten und aufgefordert, hierbei teilzunehmen. Wenn Sie sich in den Gremien, in denen Sie tätig sind und wo - so verstehe ich Sie - niemand über diese Vortagung spricht, stärker dafür einsetzen würden, dass diesen Einladungen auch jemand folgen möchte, wäre das ganz wunderbar und ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar! Denn ich finde, Sie sprechen genau das aus, worum es uns allen hier doch geht: etwas zusammen auf die Beine zu stellen.
Wie geschildert, bin ich hier als Vertreter eines nichtstaatlichen Museums mit bis zu 60 Angestellten und apl. Prof. an einer Universität in der Ufg tätig. In meinem Vorleben war ich als Unterwasserarchäologe und Grabungsarbeiter bei der Denkmalpflege beschäftigt. Seit 30 Jahren bin ich ehrenamtlicher Denkmalpfleger in unserem Kreis. Insofern bin ich für alle drei Sichten auf das Problem unserer Archäologie und setze mich gerne für gemeinsame Lösungen ein. Dazu gehören auch die Verbandsaufgaben für Museum, Tourismus, Vereine, die offensiv angegangen werden müssen, wenn sie erfolgreich sein sollen. Die DGUF müsste intensiver und beharrlicher mit dem DVA zusammenarbeiten, der allerdings keine Schnellzuglokomotive, sondern eher ein Dampfer mit vielen Inhalten ist.
Last edited by Michaela Schauer on Mo 3. Apr 2017, 22:07, edited 1 time in total.
Grund: Anpassen der Zitation


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