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1. Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema

Einführung in das Tagungsthema, Programm, Materialien, Zwischenergebnisse und Ergebnisse
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Diane Scherzler
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1. Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema

Beitragvon Diane Scherzler » So 5. Mär 2017, 19:32

Begrüßung und Einführung in die Tagung "Ein Berufsverband für die Archäologie?"

(Diane Scherzler, DGUF-Vorsitzende)


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Teilnehmer an dieser ersten webbasierten Vortagung der DGUF,

niemand von Ihnen ist hier, weil alles gut wäre. Niemand ist hier, weil er dächte, mit dem Beruf Archäologie könnte es weitergehen wie bisher. Wir sind uns vermutlich alle einig: das kann es nicht! Die Frage ist also, was passieren muss, und wir stellen in diesem Jahr mit unserer Tagung die Frage: Was wäre mit einem Berufsverband für die Archäologie? Egal jedoch, wie wir in der DGUF diese Frage beantworten würden: damit kämen wir nirgendwohin. Denn jede Antwort, egal wie sie ausfällt, reicht weit über einen einzelnen Verein hinaus. Auch deshalb wird der Präsenzteil dieser Tagung auf dem 9. Deutschen Archäologiekongress in Mainz stattfinden, statt bei einer regulären DGUF-Tagung.

Wir haben mit Kollegen gesprochen, die mit Ende 40 noch von Vier-Wochen-Vertrag zu Zwei Monats-Vertrag leben. Die keinen Kredit für die Reparatur ihres Autos bekommen, weil sie eben keinerlei finanzielle Stabilität nachweisen können. Die keine Familie zu gründen wagen, sich nirgends niederzulassen trauen, weil ja morgen alles anders sein kann. Sie versuchen, hoffnungsvoll in ihre Zukunft zu sehen, aber ich verstehe, dass sie das nicht können. "Es hat doch alles keinen Wert", sagen sie.

Wir haben mit Kollegen gesprochen, die berichten, dass Qualitätsstandards bei den Grabungen, an denen sie beteiligt sind, längst nicht immer eingehalten werden. Die von Dumpingfirmen berichten, die unter hanebüchenen Rahmenbedingungen arbeiten und alles Bemühen um saubere Arbeit zunichtemachen.

Wir haben mit Studienabsolventen gesprochen, die ein sog. "Stipendium" an eine Doktorandin für 450 Euro/Monat ohne Renten- und Sozialversicherung, aber mit 50 Stunden Arbeit pro Woche zwar skandalös finden, aber schon mit Mitte 20 so verzagt sind, dass ihre einzige Frage ist: "Was willst du machen? Es ist eben so." Nein, das ist es nicht. Wir sind es, die gegen solche Zustände vorgehen müssen. Wer denn sonst! "Das traue ich mich aber nicht", hören wir dann, "ich habe Angst, mir alles zu verbauen."

Dass dies in der Tat vielleicht so wäre, kann ich nicht in Abrede stellen. Wenn einzelne Kollegen in leitenden Positionen, Institutionen oder Firmen bisher genau diese Angst der Menschen zu ihrem Vorteil genutzt haben, müssen sich aber fragen lassen: Wollen Sie wirklich so weitermachen? Oder wollen Sie nicht lieber dazu beitragen, dass Archäologie ein Beruf wird, in dem die klügsten, besten und engagiertesten Menschen fair beschäftigt werden und daher auch arbeiten wollen?

Ich glaube nicht, dass "sehr wenig" immer noch besser ist als "gar nichts". Ich glaube, "sehr wenig" ist häufig "zu wenig". Und "zu wenig" ist auf Dauer keine Option. Alle Menschen haben einen guten, ordentlich bezahlten Arbeitsplatz verdient. Auch Archäologen. Sie haben es außerdem verdient, saubere, gute Arbeit machen zu dürfen.

Wenn Sie vielleicht Ihrer Angst gegenüberstehen, nun Position zu beziehen, sich für etwas und damit natürlich auch gleichzeitig gegen etwas zu äußern, dann bitte ich Sie in Anlehnung an eine UN-Rede des kanadischen Premierministers Justin Trudeau zu überlegen: Hat Angst jemals einen Arbeitsplatz gesichert? Hat Angst Sie und Ihre Familie ernähren geholfen? Hat Angst Ihnen das Forschungsprojekt verschafft, von dem Sie immer geträumt haben?

Wir haben mit Kollegen von anderen Institutionen gesprochen, die als Interessenvertretung, Zusammenschluss oder Berufsverband agieren bzw. agieren wollen, z. B. mit dem DArV, und wir haben sie alle eingeladen, sich hier und bei der Präsenztagung in Mainz am 4. Juli (übrigens: was für ein Datum!) einzubringen. Eines ist uns wichtig zu sagen: Die DGUF möchte mit dieser Tagung das Engagement keiner anderen Institution in Abrede stellen. Regionale Verbünde und Verbünde entlang einzelner Berufsbilder arbeiten hart, um die Lage von Archäologinnen und Archäologen zu verbessern. Wir alle sind uns aber sicher einig, dass dies alles für den Beruf insgesamt bisher noch nicht genügt, dass es härterer – oder vielleicht anderer – Anstrengung bedarf. Das müssen wir gemeinsam diskutieren.

Was braucht es für eine grundlegende Verbesserung der Schwierigkeiten des Berufs Archäologie in all seinen Facetten? Was braucht es überdies dafür, dass Archäologen das tun können, wofür sie eigentlich da sind: Kulturgut zu bewahren und es für alle Menschen zu erschließen?

Die Frage ist also: Wollen Sie sich dafür entscheiden, zusammen mit uns an die Möglichkeit einer besseren Zukunft für den Beruf Archäologie zu glauben? Wenn ja, sind Sie genau richtig hier. Es freut meine Vorstandskollegen und mich, es freut unseren Arbeitskreis "Berufsverband" sehr, dass Sie mit uns zusammen dieses zentrale Thema für die Archäologie debattieren werden.

Bitte nutzen Sie die Tage bis zum 9. März, dem Beginn der Debatten, dazu, in Ruhe alle Informationen durchzuarbeiten, die wir für Sie zusammengestellt haben. Wir freuen uns sehr darauf, zusammen mit Ihnen eine großartige Tagung auf die Beine zu stellen!


Diane Scherzler

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